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Eishersteller mit Pokerface

Wildau Eishersteller mit Pokerface

Seit 25 Jahren ist Wilhelm Breuer Eishersteller aus Leidenschaft. Mit seiner Wildauer Firma bietet er Kunden ein Rundum-Sorglos-Paket von der Ausbildung bis zu Ladeneröffnung. Doch neben dem Eis gibt es für ihn noch eine zweite große Leidenschaft. Dabei hat es Breuer sogar zum deutschen Meister und Europameister geschafft.

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Wilhelm Breuer (r.) und sein langjähriger Mitarbeiter Michael Gellert.

Quelle: Danilo Hafer

Wildau. Eigentlich sah für Wilhelm Breuer in den 70er Jahren alles nach einer Fußballkarriere aus. Er besuchte eines der ersten Fußballinternate in Köln und trainierte eifrig. Ein schwerer Verkehrsunfall machte dem jungen Fußballspieler allerdings einen Strich durch die Rechnung. „Die Karriere war schlagartig zu Ende“, sagt Breuer. Vom einstigen Sportler, das gibt der 62-Jährige offen zu, ist nicht mehr viel zu sehen. Daran nicht ganz unschuldig ist Breuers Leidenschaft: das Eis.

Vor 25 Jahren gründete der gebürtige Kölner in Wildau die Firma ABC Concept und Handels GmbH. Was ursprünglich mit dem Vertrieb von Softeismaschinen begann, ist zu einem Unternehmen gewachsen, dass seinen Kunden ein Rundum-Sorglos-Packet anbietet.

Mehr als 500 Läden eingerichtet

„Wir bilden nicht nur Speiseeishersteller aus, sondern begleiten sie auch bei der Einrichtung ihres eigenes Eiscafés“, erklärt Breuer. Mehr als 500 Läden habe er in den vergangenen Jahren mit seinem Team bereits eingerichtet. Und das nicht nur in Deutschland. Breuers Auftraggeber kommen auch aus der Türkei oder Griechenland. Die meisten Kunden besuchen ein Seminar oder machen die dreijährige Ausbildung zum Speiseeishersteller. „Wir haben vor 15 Jahren die Eisfachschule gegründet, weil es in Deutschland keine Ausbildung dafür gab“, sagt Breuer. Inzwischen ist der Beruf bei der Industrie- und Handelskammer anerkannt und Wilhelm Breuer ist Vorsitzender der Prüfungskommision.

Er selbst hat seine Ausbildung in Italien gemacht, dem Mutterland des Speiseeises. Fast vier Jahre lebte er dort und arbeitete in fast 20 verschiedenen Eiscafés, um die Kunst der Eisherstellung von den italienischen Meistern zu lernen. Mittlerweile ist Breuer selbst Meister und bildet etwa zehn Lehrlinge pro Jahr aus, die dann auch in der eigenen Produktion arbeiten. „Da wir eine Zeit lang selbst fünf Eiscafés in Berlin und Brandenburg betrieben haben, haben wir eine eigene Eisproduktion aufgebaut“, erklärt Breuer. Die Eiscafés gibt es nicht mehr, die Produktion ist aber geblieben.

Die Eisfachschule

Die Eisfachschule richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an professionelle Eismacher. In dem eintägigen Existenzgründer-Seminar geht es vor allem um Fragen nach dem richtigen Standort, nach fachlichen Voraussetzungen und den finanziellen Mitteln, die aufgebracht werden müssen.

Beim zweitägigen Fachseminar für die Speiseeis-Herstellung geht es nach etwas Theorie dann in die Praxis: Rezepturen erstellen und die ersten Eissorten herstellen.

Für Kunden , die sich dazu entscheiden, einen eigenen Eisladen zu eröffnen, bietet Wilhelm Breuer eine Rundum-Betreuung. Er hilft dann nicht nur bei den Vorbereitungen, sondern steht auch in den ersten Tagen selbst mit hinter der Eisvitrine und hilft beim Verkauf.

In der Schule lassen sich auch Menschen ausbilden, die eigentlich schon in einem festen Beruf arbeiten. So hat sich bereits ein Oberarzt den Traum vom eigenen Eisladen erfüllt.

An sein Eis hat Wilhelm Breuer dabei ganz besondere Anforderungen. Geschmacksverstärker oder die übliche Schokofettlasur, die häufig verwendet werden, kommen für ihn nicht in Frage. „Ich bin ein Feind von Aromen“, betont Wilhelm Breuer. Und je cremiger ein Eis ist, desto besser. Um das wirklich perfekt hinzubekommen, brauche man viel Fachwissen. „Man muss einfach wissen, dass Wasser für ein Eis der größte Feind ist“, so Breuer. Je schneller die fertige Eismasse heruntergekühlt werde, desto cremiger sei auch das Eis, da sich das Wasser dann nicht vom Rest der Masse trennen kann. Daher kommt die fertige Eismasse in Breuers Eislabor auch direkt in einen minus 40 Grad Celsius kalten Schockfroster. Breuer produziert sein Eis dabei völlig unabhängig von den großen Herstellern.

Auf Qualität legt er auch bei der Ausbildung seiner Schüler besonderen Wert. „Die sollen hier nicht lernen, wie man Tüten aufreißt und Wasser dazu gibt, sondern in der Lage sein, eigene Eissorten von bester Qualität herzustellen“, sagt Breuer. Denn nur wenn das eigene Eis besser sei als das der anderen und sich das Angebot abhebe, könne man die Kunden auch überzeugen.

Seine zweite große Leidenschaft

Wilhelm Breuer ist mit Leib und Seele Speiseeishersteller. Doch ein Blick in sein Büro offenbart seine zweite große Leidenschaft. „Ich bin amtierender deutscher Meister im Poker“, sagt Breuer und zeigt auf einige Pokale, die auf dem Fensterbrett stehen. „Nur ein kleine Ausbeute“, wie er lächelnd sagt. Im Jahr 2007 hat er mit dem Turnierpoker begonnen. Zwei Jahre später war er bereits Europameister. „Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften beim Pokerspielen. Wenn man drei oder vier Stunden keine Hand spielen kann, darf man nicht ungeduldig werden, denn dann macht man schnell Fehler“, so Breuer.

Während es bei der Eisherstellung vor allem darauf ankommt, das Eis möglichst schnell abzukühlen, kann ein Pokerabend ruhig schon einmal etwas länger gehen. „Je länger ein Turnier dauert, desto besser werde ich“, sagt Breuer. Die Gegner zu „lesen“ sei eine seiner besten Gaben und genau darauf komme es beim Poker an. Derzeit habe er aber nur wenig Zeit, um an Turnieren teilzunehmen. Die Arbeit nehme ihn zu sehr in Anspruch und mache ihm auch einfach noch viel zu viel Spaß.

Demnächst, so der Plan, soll der Betrieb vergrößert werden. „Wir werden einen neuen Standort hier in der Nähe suchen und ein neues Gebäude bauen“, so Breuer. Diesmal ohne eigene Wohnung auf dem Gelände, denn ein wenig Abstand zur Arbeit tue ihm doch ganz gut. In ein paar Jahren möchte Wilhelm Breuer dann kürzer treten und sich wieder mehr dem Poker widmen.

Von Danilo Hafer

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