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Elektrik ersetzt Panzer an Werttransporten

Ludwigsfelde Elektrik ersetzt Panzer an Werttransporten

Früher hat die Firma Apprich Secur in Ludwigsfelde Limousinen von Scheichs mit Keramik-Panzern, dickem schussfesten Glas und Mikrofonen in Außenspiegeln ausgestattet. Das ist inzwischen alles viel zu schwer, heute werden Geld- und Frachttransporte intelligenter gesichert. Apprich entwickelt eigene Patente in der Welt von Smart-Home und Cyber-Security,

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Apprich-Manager Roberto Pareras (l.) am Arbeitsplatz bei Ralph Böhm, einem Klebetechnologen, der seit Anfang an in der Firma ist.

Ludwigsfelde. „Die spannendste Zeit war, als wir auch Pkws ausgestattet haben, mit Keramik-Panzerung, schussfestem Glas und Mikrofonen in Außenspiegeln oder solchen Sachen“, erzählt Ralph Böhm. Der Klebetechnologe ist einer der drei Mitarbeiter von Apprich Secur, die seit dem ersten Tag vor 25 Jahren bei diesem Sicherheitsausstatter für Fahrzeuge im Industriepark Ludwigsfelde arbeiten. Und der am heutigen Samstag gemeinsam mit Gästen, Kollegen und deren Familien das Jubiläum auf dem Firmengelände an der Gottlieb-Daimler-Straße feiert.

Der 56-jährige Böhm ist ehemaliger Autowerker, „in Halle 115 habe ich gearbeitet“. Zwei Werkzeuge, die es heute gar nicht mehr gibt, hatte er sich mitgenommen und hütet sie, trotz aller neuen Technik: zwei Spezialschraubzwingen mit Federung. Täglich braucht er sie noch. Ansonsten habe sich bei Apprich fast alles geändert: „Die Autos werden nicht mehr gepanzert, es wird nicht mehr geschweißt, das ist alles viel zu schwer geworden“, erklärt Böhm. Um bestimmte Flächen in Autos dennoch zu sichern, gibt es heute viel leichteres Material, „Faserverbundplatten zum Beispiel, die zum Teil nur noch einen Stahlkern haben“, so der Dahlewitzer.

Apprich hat Patent zum Sichern schwerer Transporter-Schiebetüren

Ein solches Teil passt er gerade in die Tür eines weißen Transporters ein. Von innen nach außen setzt und klebt er alles zusammen. Dazu gehört ein eigens von Apprich entwickeltes Patent für schwere Schiebetüren an Transportern. „Das können wir an alle gängigen Fahrzeugtypen anpassen“, erklärt Roberto Pareras, bei Apprich Generalmanager und Vertriebsleiter.

Und er sagt: „Bei uns bekommen Kunden alles aus einer Hand – vom ersten Kontakt bis zur Auslieferung und der Nachbetreuung.“ Das sei das Firmenkonzept beim Ringen um sichere Transporte. „Es geht um den Schutz für Fahrer, Fracht und Fahrzeug“, so Pareras. Kerngeschäft seien Geldtransporter, dabei zähle man sich zu den Marktführern in Europa. „Aber wertvolle Fracht ist für jeden Kunden etwas anderes. Das können Handys, Käselieferungen, Dokumente oder pharmazeutische Artikel sein. Und für den Handwerker ist es die rollende Werkstatt, das ist seine Existenz“, erklärt der Manager. Bei jeder Fracht gebe es andere Dinge zu beachten. Deshalb, so Pareras, seien in der Forschung und Entwicklung permanent zehn bis 15 Mitarbeiter beschäftigt.

„Wer soll meinen Kühlschrank öffnen dürfen?“

Die tüfteln an individuellen Lösungen, wie Bauunternehmer Bagger und Kipper sichern können, auch wenn dauernd das Bedienpersonal wechselt. „So etwas geht mit zeitlich, räumlich und persönlich gesteuerter Zulassung“, erklärt der Vertriebsleiter, „wir können Schließanlagen mit verschiedensten Fächern einbauen, können Fahrzeuge komplett oder detailliert überall oder nur an bestimmten Orten freigeben oder sperren und jede Alarmierung einbauen.“ Es gebe intelligente Lösungen für jede Forderung, ob elektronisch oder biometrisch. „Die Frage bei Smart-Home ist nur, wenn ich unterwegs bin: Wer soll meinen Kühlschrank öffnen dürfen?“ Weil all das Grundlage des Firmenerfolgs sei, gebe es bei Apprich einen Ehren- und Sozialkodex, den jeder Mitarbeiter unterschreibt, so Roberto Pareras.

Eines jedoch möchte Geschäftsführerin Ute Großer betont wissen: „Wir wollen nicht von Krisen und Terrorismus profitieren. Mit unserer Firmenphilosophie setzen wir schon vor dem Diebstahl an, bei der Prävention.“ Dabei versuche man, so flexibel wie möglich zu sein. „Deshalb sind Forschung und Produktion in unseren Hallen kaum noch zu trennen, Neuerungen werden sofort versucht umzusetzen.“

Firma will nicht von Krisen und Terrorismus profitieren

Ein paar ganz alte Teile aus der Anfangszeit aber hat Thilo Koch noch immer an seinem Arbeitsplatz: „Hier, die erste Steuerungsgeneration – das war 1996 eines der ersten frei programmierbaren Steuerungsmodule.“ Auch der gelernte BMSR-Techniker kommt aus dem Autowerk. Auch er hatte bei Apprich in der Fahrzeug-Panzerung angefangen. Heute arbeitet er in der technischen Arbeitsvorbereitung und tüftelt an Konzepten elektronischer Fahrzeugsicherung, an der Balance zwischen Komfort und Sicherheit.

Von Jutta Abromeit

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