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Teltow-Fläming Keine offizielle Eröffnung für Gedenkgarten
Lokales Teltow-Fläming Keine offizielle Eröffnung für Gedenkgarten
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11:17 27.11.2015
Die Gedenktafel für Elias und Mohamed wurde mittlerweise im Erinnerungsgarten in Luckenwalde aufgestellt. Quelle: Margrit Hahn
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Luckenwalde

Die Gedenktafel und eine Bank im Erinnerungsgarten für die beiden ermordeten Jungen Elias und Mohamed in der Luckenwalder Kleingartenanlage „Eckbusch“ sind aufgestellt. Eine schlichte durchsichtige Platte mit der Aufschrift „Erinnerungsgarten für Elias und Mohamed“ weist die Besucher auf die traurige Vergangenheit des Gartens hin. Dort hatte der Mörder der beiden Jungen, Silvio S. aus der Gemeinde Niedergörsdorf, die Leiche des sechsjährigen Elias aus Potsdam vergraben.

Mohamed (4) und Elias (6) wurden Opfer eines Mörders. Quelle: MAZ/Polizei/dpa

Mit den gepflanzten Bäumen und Hecken, den 2000 gesteckten Krokuszwiebeln und der Rasensaat sind die Arbeiten für den Garten erst einmal beendet. Auf eine offizielle Eröffnung will die Stadt aber verzichten, „obwohl wir von außen und durch die zentralen Medien dazu gedrängt werden“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) im Hauptausschuss. Sie hält ein öffentliches Zeremoniell angesichts der traurigen Umstände für unangebracht, wollte dazu aber die Meinung des Hauptausschusses einholen.

Debatte über Einweihung

Heidemarie Migulla (Linke) empfindet die gestaltete Fläche als „sehr würdig“, die sich aber auch gut in die Gartenanlage einfüge. Seine ganze Wirkung werde der Garten entfalten, wenn im Frühjahr die Krokusse blühen. „Man sollte dort keinen Menschenauflauf organisieren“, sagte Heidemarie Migulla.

Harald-Albert Swik (SPD) stimmte ihr zu. „Sinn und Zweck des Gartens ist ein Ort des stillen Gedenkens. Den sollte man nicht mit Pauken und Trompeten einweihen“, sagte er, „sondern der Bevölkerung einfach zur Annahme anbieten“. Es sei ein stiller Ort nicht nur für Menschen, die direkt betroffen sind. „Er wird sich im Laufe der Jahreszeiten verändern wie das Leben“, sagte Swik, „das ist genau das, was wir tun können. So etwas gibt es bisher in der Stadt nicht.“

Sven Petke (CDU) hingegen wünscht sich eine offizielle Einweihung, möglicherweise auch durch kirchliche Vertreter. „Meistens werden solche Trauerorte von Familien eingerichtet, diesmal war es aber die Stadt, das sollte man auch so signalisieren“, sagte er.

Erik Scheidler (Linke) schlug vor, einen offiziellen Akt an das Ende des Mordprozesses zu knüpfen, um einen Schlusspunkt zu setzen. „Wir könnten als Stadtverordnete dann gemeinsam an diesen Ort gehen“, sagte Scheidler. Dem widersprach allerdings Peter Gruschka (SPD). „Wir sollten in einer Gedenkstunde die Opfer in den Mittelpunkt rücken und nicht den Täter“, erklärte er, „der Prozess hat mit dem Gedenken nur mittelbar zu tun.“

Jochen Neumann (Linke) lehnt eine offizielle Veranstaltung ab. „Angesichts der schrecklichen Geschehnisse sollten wir uns nicht in Szene setzen und sagen: ,Guckt mal, wir haben hier einen Garten gemacht!’“, erklärte er.

Kondolenzbücher gehen an die Familien der Kinder

„Wir wollen uns nicht von anderen treiben lassen“, fasste die Bürgermeisterin die Debatte zusammen und einigte sich mit dem Ausschuss darauf, zunächst das Frühjahr abzuwarten. Sie verwies auf die große Anteilnahme der Luckenwalder Einwohner. „Innerhalb von vier Tagen waren zwei Kondolenzbücher voll, so dass wir neue ausgelegt haben“, berichtete sie. Diese sollen jetzt in Zusammenarbeit mit der Polizei an die Opferfamilien übergeben werden. Die Kondolenzen für Mohameds Familie aus Bosnien sollen zum Teil übersetzt werden.

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30. Oktober 2015: Am Freitag hat die Polizei damit begonnen in Luckenwalde den Kleingarten von Silvio S. zu durchsuchen. Dort hat er nach eigenen Angaben die Leiche des kleinen Elias vergraben. Die Ermittler haben eine Leiche gefunden, die nun obduziert wird. Am Sonnabend gingen die Untersuchungen auf dem Grundstück weiter.

Von Elinor Wenke

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