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Endlich Privatsphäre

MAZ-Serie „In der neuen Heimat“ Endlich Privatsphäre

Seit drei Wochen leben die Yassins in Ludwigsfelde, und es geht voran. Ein Arzt hat Mutter und Tochter untersucht, eine Schule für die beiden Großen ist auch gefunden. Und die Wohnungsfrage ist geklärt. Weil das Zwölf-Quadratmeter-Zimmer für die fünköpfige Familie zu klein war, haben sie jetzt eine eigene Wohnung im Heim.

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Familie Yassin im Ludwigsfelder Flüchtlingsheim.

Quelle: Oliver Fischer

Ludwigsfelde. Ein Baby mit Lungenentzündung, eine Mutter mit gebrochener Rippe und dann noch der Umzug ins Obergeschoss: Es war eine anstrengende und ereignisreiche Woche für die Yassins. Die Geburtstagsfeier für Mutter Rabiha muss bei all dem Trubel noch ein bisschen warten, aber die Stimmung ist gut bei der fünfköpfigen Familie aus dem syrischen Latakia: Es geht voran.

Seit drei Wochen leben die Yassins nun in Ludwigsfelde, im Flüchtlingsheim am Birkengrund, und noch heißt es ankommen und die Strapazen der Flucht verarbeiten.

„In Wien haben wir Meis schon einmal behandeln lassen wegen der Lungenentzündung“, erzählt Rabiha Yassin, während die Kleine auf ihrem Schoß sitzt und inhaliert. „Aber sie hatte Durchfall und die Antibiotika haben nicht gewirkt.“ Der Staub und die manchmal nassen, nach Chemie stinkenden Zelte während der Flucht haben den jungen Lungen zugesetzt. Jetzt scheint das Kind auf dem Weg der Besserung: „Die Ärzte wollten sie noch zwei Tage im Krankenhaus behalten, aber ich denke, zu Hause wird sie schneller gesund“, sagt Rabiha, die selbst Krankenschwester ist.

Das Vertrauen der Ärzte hat sie schnell gewonnen, mit ihrem Englisch war sie eine willkommene Dolmetscherin für andere Flüchtlinge im Krankenhaus. Dort hat Rabiha auch ihren Rücken untersuchen lassen, der hat ihr zuletzt immer wieder weh getan. Die Diagnose deutet auf eine gebrochene Rippe hin: „Ich musste erstmal überlegen, wie das überhaupt passiert ist“, erzählt sie.

Wahrscheinlich in der Türkei, wo sich die Yassins nach ihrer Flucht aus Syrien 2012 noch drei Jahre lang durchgeschlagen haben: Als sie im vergangenen Herbst an der türkischen Küste auf die Überfahrt nach Griechenland gewartet haben, musste Rabiha Yassin einmal mit der kleinen Meis auf dem Arm vor der türkischen Polizei weglaufen. Dabei ist sie gestürzt und hat sich auf den Rücken geworfen, um das Baby nicht zu verletzen. Die Ärzte haben ihr nun Physio- und Wärmetherapie verschrieben.

Vater Mohamed Yassin hat sich derweil um die Schulbildung der beiden älteren Kinder gekümmert. Die achtjährige Hala besucht von Montag an die Klasse 2c der Fontane-Grundschule in Ludwigsfelde. Bis dahin muss ihr Vater noch eine ziemlich lange Einkaufsliste abarbeiten, inklusive Tuschkasten und Turnbeutel. Für den zwölfjährigen Rabi wird sich in diesen Tagen noch klären, ob er direkt aufs Gymnasium geht oder erst mal eine Willkommensklasse an einer Grundschule besucht.

Die Yassins sind zuversichtlich, dass die beiden gut in der Schule zurechtkommen werden: „Hala ist schlauer, aber Rabi ist zielstrebiger“, fasst Mohamed Yassin kurz und bündig zusammen. Und die Kinder sind froh, dass es bald losgeht mit der Schule. Trotz der anderen Kinder und dem Spielzimmer im Heim schlägt allmählich die Langeweile durch. Tochter Hala vertreibt sich die Zeit mit Zeichnen, ihr älterer Bruder bastelt zusammen mit einem Freund Spielsachen aus kleinen Elektromotoren.

Aber das wichtigste Ereignis der Woche war sicherlich der Umzug ins Obergeschoss. Die ersten zwei Wochen haben die Yassins noch zu fünft in einem Zwölf-Quadratmeter-Zimmer verbracht. „Als die Wohnung über uns frei wurde, haben wir die Heimleitung gefragt, ob wir dort einziehen können“, erzählt Rabiha Yassin. Nach einer Stunde konnte es losgehen: Freunde der Familie haben noch ein Bett vorbeigebracht, ein paar Jugendliche aus dem Wohnheim haben geholfen, die wenigen Sachen nach oben zu tragen. Zwei Zimmer, Küche, Bad. Privatsphäre, zum ersten Mal seit einem halben Jahr.

Von Martin Küper

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