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Enkeltrick: Abzocke am Telefon

Kriminalität Enkeltrick: Abzocke am Telefon

Immer wieder fallen Senioren auf den Enkeltrick herein. Die Täter wollen Geld. Sie verwickeln die Renter am Telefon in Gespräche und geben sich als Enkel oder Sohn aus, der dringend Geld benötigt. Die meisten Versuche scheitern, aber hin und wieder kommt es zur Herausgabe großer Geldbeträge.

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Am Telefon fallen Senioren immer wieder auf Trickbetrüger herein, die sich als Angehörige ausgeben..

Quelle: Gerline Irmscher

Luckenwalde. Wer nicht betroffen ist, kann oft kaum glauben, dass der sogenannte Enkeltrick noch immer so oft funktioniert. Immer wieder fallen Senioren auf Anrufer ein, die sich als Verwandte ausgeben und Geld verlangen. In jüngster Zeit gab es vor allem in Luckenwalde viele solcher Fälle. Allein in den vergangenen zwei Wochen gab es elf Anzeigen bei der örtlichen Polizei. Der Leiter des Kriminalkommissariats Holger Kutzschebauch geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Fälle weitaus höher liegt.

Die Täter wollen Geld

Das Ziel ist immer das gleiche – die Täter wollen Geld. Sie suchen im Telefonbuch nach Namen, die auf ältere Menschen schließen lassen. In Luckenwalde traf es in den vergangenen Tagen 72- bis 90-Jährige. Die Angerufenen werden in ein Gespräch verwickelt und nennen meist selbst den Namen des Enkels. Somit haben die dreisten Anrufer leichtes Spiel. Sie sprechen hochdeutsch oder ortsüblichen Dialekt. Gefordert werden Summen in Höhe von 10 000 bis 200 000 Euro, die der angebliche Enkel entweder für ein neues Auto oder einen Hauskauf benötigt.

Fälle aus der jüngsten Vergangenheit

Erfolgreich sind die Trickbetrüger nicht immer. Gescheiterte Enkeltrick-Versuche der vergangenen Wochen:

29. Juni: Am Nachmittag haben Enkeltrickbetrüger in vier Fällen in Luckenwalde versucht, Senioren um ihre Ersparnisse zu bringen. Ein Anrufer mit männlicher Stimme gab sich als Enkel oder Sohn aus und forderte unter dem Vorwand einer finanziellen Notlage Summen zwischen 20 000 und 200 000 Euro. Kein Senior ging auf die Forderungen ein.

20. Juni: Gleich mehrere Luckenwalder Seniorinnen wurden an Vormittag von einem Mann angerufen worden, der sich als ihr Enkel ausgab und Geldforderungen stellte. In zwei Fällen verlangte er jeweils 30 000 Euro. Zu einer Geldübergabe kam es nicht. Alle Opfer wandten sich an die Polizei. Die Kripo ermittelt wegen versuchten Betrugs.

5. Juni: Drei Luckenwalderinnen im Alter von 75, 77 und 81 Jahren erhielten vormittags Anrufe von einem Unbekannten. Dabei bat der angebliche Verwandte um hohe Geldsummen von mehreren 10 000 Euro. Die Seniorinnen zeigten die Fälle an.

Die Polizei warnt vor der Betrugsmasche. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sich nie darauf einlassen, sondern die Polizei verständigen.

Wer den Betrug durchschaut, wird kein zweites Mal angerufen. Wer allerdings – wie kürzlich eine Luckenwalderin – darauf eingeht, der läuft Gefahr seine Ersparnisse zu verlieren. Die Frau am Telefon glaubte wirklich, dass ihr Enkel dringend Geld brauchte. Sie habe zwar sie die gewünschte Summe nicht im Haus, aber sie würde mal nachschauen, wie viel sie da habe. Am Telefon zählte sie dann nach und kam auf 10 000 Euro, die sie dem Abholer aushändigte, der im Auftrag des angeblichen Enkels kam.

Frauen fallen öfter rein

„Es gab Monate in denen die Enkeltrickbetrüger hier kaum in Erscheinung traten. Momentan häufen sich die Fälle. Auffällig ist, dass vor allem Frauen auf Betrüger reinfallen. Es sind teilweise fünf Anrufe pro Tag von denen wir Kenntnis erhalten haben“, fügt Kutzschebauch hinzu. Die Anrufe kommen mit unterdrückter Nummer. Die Täter sind sehr redegewandt und psychologisch gut ausgebildet. „Wenn es gelingt, jemanden zur Geldübergabe zu überreden, werden die Opfer gezielt beobachtet“, weiß der Kriminalist aus Erfahrung.

Holger Kutzschebauch, Leiter des Kriminalkommissariats in Luckenwalde

Holger Kutzschebauch, Leiter des Kriminalkommissariats in Luckenwalde.

Quelle: Margrit Hahn

Alles muss schnell gehen, um zu verhindern, dass eventuell beim richtigen Enkel nachgefragt wird. „Es wird Druck aufgebaut und, da die Opfer aufgeregt sind und so schnell wie möglich helfen wollen, werden mögliche Bedenken erstmal zur Seite geschoben“, so Kutzschebauch.

Nach der Geldübergabe wird darüber nachgedacht, dass es wohl falsch gewesen sei, einem Unbekannte Geld auszuhändigen. Wegen der Aufregung merken sich die wenigsten Senioren das Aussehen der Täter und wissen auch nicht, ob ein Fahrzeug vor der Tür stand. Die Polizei hat dadurch fast keine Anhaltspunkte und kann auch kein Phantombild erstellen.

Aufmerksame Mitarbeiter der MBS

Die meisten Anrufe erfolgen in der Zeit von 10 bis 14 Uhr, sodass Banken und Sparkassen geöffnet sind, um Geld abheben zu können. Die Mitarbeiter am Schalter werden regelmäßig informiert, mit der Bitte, besonders aufmerksam zu sein. So konnte beispielsweise in einer Sparkassen-Filiale in Luckenwalde kürzlich ein Enkeltrick verhindert werden.

„Die Mitarbeiter kennen ihre Kunden. Wenn jemand plötzlich eine sehr hohe Summe abheben will, dann schrillen die Alarmglocken“, sagt Filialleiter Ronny Thoms. „Man sollte sich unseren Mitarbeitern getrost anvertrauen, auch wenn einem am Telefon gesagt wird, man solle auf keinen Fall darüber sprechen“, rät Thoms. Überhaupt sollte man seiner Ansicht nach ausgesprochen misstrauisch werden, wenn jemand so direkt Geld verlangt.

Von Margrit Hahn

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