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Entsetzen in Jüterbog

Unter den Augen des Jugendamtes ist ein Säugling getötet und im Garten vergraben worden Entsetzen in Jüterbog

Nach dem Fund einer Babyleiche herrscht Fassungslosigkeit in Jüterbog. Vor zwei Jahren soll ein Elternpaar sein Neugeborenes getötet und vergraben haben. Die Todesursache ist noch ungeklärt.
 

Jüterbog.  Kirsten H. und Marcel T. sollen sich häufig gestritten haben, manchmal bis die Polizei kam. Mal seien sie getrennt gewesen, dann wieder zusammen. Dass sie gemeinsam ihr Neugeborenes umbringen und im Garten vergraben würden, ahnte niemand. Nun ermittelt die Potsdamer Staatsanwaltschaft.

Am vorigen Samstag hatte eine Bekannte der 37-jährigen Kirsten H. die Polizei informiert – darüber, dass auf dem Grundstück in der Werderschen Siedlung in Jüterbog (Teltow-Fläming) eine Babyleiche vergraben liegt. Und darüber, dass die Mutter sich stellen wolle. Die Polizei rückte mit 30 Mann an. Und tatsächlich stießen die Beamten im Garten des Hauses auf menschliche Überreste.

Jetzt geht es vor allem um die Frage: War das Kind nach der Geburt schon tot oder nicht? Eine Antwort darauf gab es gestern noch nicht. Die Obduktion gestalte sich aufgrund der langen Liegezeit schwierig, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Potsdam. In einer ersten Aussage soll die Frau ihren 34-jährigen Ex-Partner beschuldigt haben, das Kind nach der Geburt an sich genommen und vergraben zu haben. Die Ermittler gehen aber von einem gemeinschaftlichen Plan aus. Beide sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

Dem Jugendamt des Kreises Teltow-Fläming ist Kirsten H. schon länger bekannt. Seit 2004 habe die Mutter dreier Kinder im Alter von drei bis 17 Jahren Beratungs- und Unterstützungsangebote genutzt. „Wir sind tief geschockt und betroffen“, sagte Horst Bührendt, Dezernent für Jugend und Bildung der Kreisverwaltung und Leiter des Jugendamtes gegenüber der MAZ. Es habe keine Hinweise darauf gegeben, dass es den Kindern schlecht gehe. Mitarbeiter hätten die Familie sogar zu Hause besucht. Die zuständige Mitarbeiterin sei nach der Verhaftung der Frau befragt worden. Sie habe keine Schwangerschaft bemerkt, so der Dezernent.

Allerdings räumte er ein, dass der Kontakt eine Zeit lang unterbrochen gewesen sei. Nach erster Durchsicht der Unterlagen seien keine Versäumnisse festzustellen. „Wir werden den Fall aber noch intensiver prüfen“, betonte er. Dass die heute neun Jahre alte Tochter vor vier Jahren aus großer Höhe aus einem Haus gestürzt sein soll, wollte der Jugendamtsleiter weder bestätigen noch dementieren. Anderen Berichten zufolge wurde ein Verfahren wegen des Sturzes eingestellt, weil es keine Hinweise auf ein Verschulden der Eltern gab. Die drei Kinder von Kirsten H. befinden sich jetzt in Obhut des Jugendamtes.

Der Bürgermeister der 12.700 Einwohner zählenden Gemeinde, Bernd Rüdiger (FDP), wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Er zeigte sich gestern betroffen. Ihm sei die Familie vom Sehen bekannt gewesen. „Ich gehe da täglich vorbei.“ Etwas Auffälliges habe er aber nicht bemerkt.

Auch Nachbarn waren schockiert. „So etwas ist schrecklich“, sagte Rosemarie Bartsch. Dass die Frau erneut schwanger war, hatte sie bemerkt. Dennoch schöpfte sie keinen Verdacht, als die Mutter ohne Babybauch, aber auch ohne Baby auftauchte. „Man weiß ja nicht, ob sie’s verloren hat.“

Von Angelika Pentsi und Martina Burghardt mit dpa

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