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Teltow-Fläming Er erfüllt Sterbenden den letzten Wunsch
Lokales Teltow-Fläming Er erfüllt Sterbenden den letzten Wunsch
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00:19 07.10.2017
Manuel Möller am Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes. Seit einem Jahr ist 31-jährige Trebbiner in dem Projekt aktiv. Quelle: privat
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Trebbin

Manuel Möller arbeitet als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege. Somit ist ihm das Thema Sterben vertraut. Wer damit im Job konfrontiert ist, sucht sich meist ein Hobby oder ein Ehrenamt, das damit nichts zu tun hat. Bei Manuel Möller ist das anders.

Möller hatte in der MAZ einen Artikel über den Wünschewagen gelesen und erfahren, dass der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) auch im Land Brandenburg ein solches Projekt starten will. „Ich habe gleich Kontakt aufgenommen und bin jetzt seit einem Jahr dabei“, sagt Manuel Möller. Er ist sozusagen Ehrenamtler der ersten Stunde. Wichtig war ihm, auch in seiner Freizeit etwas Sinnvolles zu tun.

Inzwischen hat der Trebbiner einige todkranke Menschen auf ihrer Wunschtour begleitet. Da er im Drei-Schicht-Dienst in der Berliner Charité tätig ist, muss er sehen, wie er Job und Ehrenamt unter einen Hut bekommt. Und so sind es manchmal zwei bis drei Fahrten im Monat, die er begleitet, manchmal auch weniger.

Treffpunkt ist die Feuerwehr Teltow

Das Team vom Wünschewagen trifft sich in Teltow, denn bei der dortigen Feuerwehr ist das Fahrzeug untergebracht. „Meist brauchen wir eine Stunde bis zu dem Ort, wo wir den Schwerstkranken abholen“, berichtet der 31-Jährige.

Von den 40 geplanten Fahrten in diesem Jahr konnten bisher 21 durchgeführt werden, das heißt, jeder zweite Herzenswunsch wurde erfüllt. Die Wunschziele der Fahrgäste reichen von Rügen, Rerik, Hamburg, Dresdener Weihnachtsmarkt, Tierpark Berlin bis zu Kinobesuch, Schulanfang und Hochzeit.

Seine erste Wünschetour: mit einer 35-Jährigen

Manuel Möller erinnert sich noch genau an seine erste Tour. Er begleitete eine 35-jährige Frau, die seit einem schweren Verkehrsunfall seit 15 Jahren im Wachkoma liegt, aus dem Havelland an die Müritz. Dabei sollte es eigentlich an die Ostsee gehen. Doch dann sei man in einen Stau geraten und habe gemeinsam entschieden, an die Müritz zu fahren. Im April dieses Jahres war er dabei, als ein 49-jährigen Fahrgast aus Dallgow-Döberitz (Havelland) noch einmal mit seiner Frau auf der Lieblingsbank in Wallenfels im Frankenwald sitzen wollte, um mit ihr ins Tal zu schauen.

„Sehr emotional war auch die Fahrt, als wir eine Mutter zu ihrem Sohn brachten, der genauso krank war wie sie“, berichtet Möller. Die Mutter hatte ihren Sohn vier Monate lang nicht gesehen. Die 82-jährige war im Hospiz Friedensberg in Lauchhammer und hatte Krebs im Endstadium. Ihr Sohn hatte sie oft im Hospiz besucht. Nach einem schweren Schlaganfall saß er jedoch selbst im Rollstuhl und war in einer Rehaklinik im sächsischen Pulsnitz untergebracht. Das Brandenburger Wünschewagenteam mit Manuel Möller und Holger Wolfgramm hat Mutter und Sohn noch einmal zusammengebracht.

Für Möller ist es „eine Ehre“

„Für mich ist es jedes mal auch eine Ehre, sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllen zu dürfen. Diese Momente und Erlebnisse werde ich nicht vergessen“, sagt Manuel Möller. Während der Fahrt geht es meist lustig zu. Es ist eine gute Gelegenheit, die sonst traurigen Gedanken an Krankheit und Tod beiseite zu schieben. „Es ist ja keine Trauerfahrt“, erläutert Manuel Möller.

Oftmals werden die Fahrgäste liegend oder im Rollstuhl transportiert. Das ist auch der Grund, dass Angehörige den letzten Wunsch ihrer Lieben oft nicht erfüllen können. Hinzu kommt, dass im Wünschewagen mindestens eine medizinisch ausgebildete Fachkraft dabei ist. Im Vorfeld wird mit Ärzten und Angehörigen genau abgesprochen, welche Medikamente benötigt werden. Und es ist auch immer eine Patientenverfügung an Bord mit einer Checkliste, was im Notfall gewünscht ist und was nicht.

Einen Seelsorger gibt es für die Besatzung des Wünschewagens nicht. „Wir nutzen meist die Rückfahrt, nachdem wir unseren Fahrgast ins Hospiz oder nach Hause zurückgebracht haben, für ein Gespräch. Das hilft sehr“, berichtet Möller.

Zu Hause wartet dann der sechsjährige Mischlingshund Mila auf Herrchen und darauf, endlich einen Spaziergang mit ihm zu unternehmen. „Natürlich ist so eine Tour anstrengend und man hat auch eine enorme Verantwortung, aber die leuchtenden Augen der Menschen sind der schönste Dank“, fügt Möller hinzu.

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Von Margrit Hahn

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