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Teltow-Fläming Erich Heymann besucht die Hachschara-Stätte
Lokales Teltow-Fläming Erich Heymann besucht die Hachschara-Stätte
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00:37 06.07.2015
Rosen für die Opfer: Iris Yelinek, Erich Heymann, Monika Handreck, Susanne Zerning vom Hachschara-Verein und Herbert Fiedler (v. l.).
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Ahrensdorf

„Nur einer lehnte noch immer am offenen Torflügel, die Hände am eisernen Riegel festgeklammert, als wollte er nicht loslassen. Efri, komm schon, es ist Zeit.“ So endet der 2014 erschienene Roman „Sommer in Brandenburg“ des Schweizer Schriftstellers Urs Faes über die Hachschara-Stätte in Ahrensdorf bei Trebbin. Efri gibt es wirklich. Er heißt aber eigentlich Erich Heymann, Spitzname „Eli“.

Jetzt steht der inzwischen 89-Jährige wieder am Eingang zum ehemaligen Landwerk Ahrensdorf, das von 1936 bis 1941 als Hachschara (hebräisch für „Brücke zum Leben“) diente. Dort wurden jüdische Jugendliche auf ihre Auswanderung nach Palästina vorbereitet und in landwirtschaftlichen Fertigkeiten unterrichtet. Die Ersten durften noch legal ausreisen, die Letzten schickten die Nazis in die Konzentrationslager. So auch Eli Heymann.

Dieses Jahr ist er noch mal nach Deutschland gekommen, dieses Mal mit seiner Enkelin Iris Yelinek. Sie wohnt in Los Angeles, besucht einmal im Jahr ihren Großvater in Jerusalem und begleitete ihn auf seiner Reise in die Vergangenheit. In Luckenwalde besuchten sie Herbert Fiedler und seine Tochter Monika Handreck. Fiedler, ebenfalls 89, ist es zu verdanken, dass die Geschichte der Hachschara in Ahrensdorf nicht in Vergessenheit geraten ist. Er hat nachgeforscht und die überlebenden Hachschara-Teilnehmer in Israel aufgesucht. „Du warst der Einzige“, erinnert sich Fiedler an seinen Besuch bei Heymann, „der gesagt hat: ,Die lass ich nicht rein, wenn die aus Deutschland sind’.“ Und dann habe er ihn doch hereingelassen. Der Beginn einer tiefen Freundschaft.

„Ich hasse alle Deutschen“, sagt Heymann frei heraus und schiebt nach: „nicht die, die heute leben, aber die, die damals alle ,Heil Hitler’ geschrien haben.“ Als Kind habe er immer Angst gehabt – vor der HJ, vor der SA, vor allem, was Uniform trug. Noch heute fühle er sich unwohl, wenn er in Deutschland jemanden in Uniform sehe.

In Ahrensdorf, wohin er 1940 als 14-Jähriger kam, habe er sich aber geborgen gefühlt. „Das war meine schönste Zeit hier, auch wenn es nicht viel zu essen gab“, erinnert sich Heymann. „Ich hatte sonst keine schöne Kindheit.“ Die Mutter war bereits tot, der Vater hatte sich nicht viel um ihn gekümmert.

„Eli“ war einer der Kleinsten in Ahrensdorf und wurde verwöhnt vom deutschen Verwalterehepaar, von den jüdischen Hachschara-Leitern und von den älteren Mädchen. Bis er sich eben an das Tor klammerte, weil er da nicht weg wollte. Dem Roman nach, war er der Letzte, der Ahrensdorf verließ. Dichterische Freiheit. In Wirklichkeit wurde später noch eine Gruppe mit älteren Bewohnern abgeholt. Alle wurden deportiert. „Eli“ landete erst im Zwangsarbeitslager Neuendorf, dann 1943 in Auschwitz. „In Ahrensdorf haben wir gelernt, was Arbeit ist“, sagt Heymann. Das habe ihm in Neuendorf und Auschwitz geholfen.

An der Gedenkstele in Ahrensdorf legt Erich Heymann zusammen mit Herbert Fiedler sowie der Enkelin und Mitgliedern des Hachschara-Fördervereins Blumen und nach jüdischer Sitte Kieselsteine nieder. „Ich denke an meine Freunde, die nicht mehr da sind“, sagt er. 48 Hachschara-Bewohner kamen in Vernichtungslagern um. Die meisten Überlebenden sind im Laufe der Jahre gestorben. Erich Heymann ist wieder einer der Letzten.

Von Hartmut F. Reck

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