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Teltow-Fläming Erneute Absage vom Verkehrsamt
Lokales Teltow-Fläming Erneute Absage vom Verkehrsamt
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00:27 02.03.2018
Ob Sommer oder Winter: Vor der Bushaltestelle in Gebersdorf, wo täglich Schulkinder stehen, wird gerast. Quelle: Isabelle Richter
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Gebersdorf

Auf Initiative des Ortsbeirates Gebersdorf wurde im vergangenen Jahr an zwei Schwerpunktstellen im Ort eine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt (die MAZ berichtete).

Seit Jahren bemühen sich die Einwohner darum, auf Höhe zweier Bushaltestellen, wo sich täglich Kinder auf den Weg zur Schule machen, eine Tempo-30-Zone durchzusetzen.

Gebersdorfer wollen nicht aufgeben

Mit den Messergebnissen wendete sich der Ortsbeirat zunächst über das Ordnungsamt Dahme und zuletzt direkt mit einem Schreiben an das Straßenverkehrsamt Teltow-Fläming.

Nach der zweiten Messung im Herbst 2017 schilderte der Ortsbeirat in einem Brief, dass im Zuge der zweiten Messreihe innerhalb von 25 Tagen 1045 Fahrzeuge in der Dorfmitte die zulässige Höchstgeschwindigkeit – also 50 km/h – überschritten hätten. Lediglich 55 davon reduzierten die Geschwindigkeit nach Bemerken der Anzeige. Die übrigen 990 Fahrzeuge ignorierten die Messanlage komplett und rasten weiter mit Geschwindigkeiten von 70 km/h und mehr.

Ein Fahrer hatte mitten am Nachmittag vor der Einmündung zur Kita „Storchennest“ sogar 120 km/h auf dem Tacho. Fakten, die den Gebersdorfer Einwohnern große Sorgen machen und die sie dazu bewegen, trotz der bisherigen Absagen vom Landkreis nicht aufzugeben.

Straßenverkehrsamt sieht keinen Handlungsbedarf

Auf Nachfrage von Ortsvorsteher Hans-Georg Nerlich zu einer Stellungnahme auf das jüngste Schreiben des Ortsbeirates, gab es nun abermals eine ernüchternde Antwort.

Demnach würde sich aus Sicht des Landkreises auch nach den aktuellen Messergebnissen „nicht zwingend ein Handlungsbedarf ergeben“, erklärte Michaela Schubert. Die Sachgebietsleiterin des Straßenverkehrsamtes Teltow-Fläming begründet dies damit, dass anhand der Werte, der kürzlich vom Landkreis durchgeführten Probemessungen, „55 Prozent der Fahrzeuge langsamer oder maximal 51 km/h (bergab) bis 53 km/h“ fahren.

Für das Sachgebiet Verkehrsordnungswidrigkeiten sei dies ein Messwert, „den wir uns an anderen Messpunkten bei zulässigen 50 km/h­ wünschen würden“.

Arroganz vor Sicherheit

Von Uwe Klemens

Was genau ist ein Menschenleben wert? Die Antwort des Straßenverkehrsamtes ist verblüffend einfach: Genau zwei Stunden war den Entscheidern die Bitte der Gebersdorfer wert, sich doch endlich der Sicherheit ihrer Schulkinder und sonstigen Einwohner anzunehmen und für Geschwindigkeitsbeschränkung zu sorgen. Dass man zwei Tage lang jeweils eine Stunde mit auffälligem Radar misst und allen Ernstes meint, damit das ebenso eindeutige wie erschreckende Ergebnis einer 48-Tage-Messung vom Tisch zu wischen, ist an Ignoranz kaum zu übertreffen. Der Ruf des Amtes, Einwohner-Interessen einfach zu überhören, ist nicht tot zu kriegen. Warum haben Schulkinder keine Lobby?

Hans-Georg Nerlich findet diese Aussage ziemlich dreist. „Mit zwei Stunden Messung werden Messungen von 48 Tagen wegargumentiert. Das finde ich recht armselig“, erklärt der Ortsvorsteher und fügt hinzu: „Jeder weiss doch, dass das Informationssystem der Autofahrer klappt, wenn ein Blitzer gesichtet wird.“

Auch das Argument, doch erst einmal einen Gehweg zu bauen, zieht bei dem Ortsvorsteher schon lange nicht mehr. Denn die Planung dafür ist im aktuellen Haushalt der Stadt Dahme vorgesehen. Der Etat 2018 wird derzeit beraten. Da jedoch in den kommenden zwei Jahren nicht mit einer Umsetzung zu rechnen ist, müsse schon vorher etwas geschehen.

Zuspruch von den Stadtverordneten

Bestärkt in seiner Empörung über das ignorante Verhalten des Straßenverkehrsamtes wurde Nerlich bei der jüngsten Sitzung der Dahmer Stadtverordneten. „Wir sollten unsere Ortsbeiräte bei diesem Thema nicht allein lassen und uns einmischen“ warb Matthias Ochs (SPD).

In der heutigen Sitzung des Gebersdorfer Ortsbeirates um 19 Uhr im Heimatstübchen sollen weitere Vorgehensweisen zur Problematik besprochen werden.

Von Isabelle Richter

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