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Ernteergebnis ist gut, aber die Erlöse sind mies

Jüterbog Ernteergebnis ist gut, aber die Erlöse sind mies

Sie schuften, sogar in der Nacht mit Scheinwerfern an ihren Mähdreschern: die Landwirte. Die Zwischenbilanz zu den eingefahrenen Erträgen in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming ist gut. Zufrieden sein können die Bauern trotzdem nicht.

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Jörg Vogelsänger (M.) versuchte auf jede Frage eine Antwort zu geben.

Quelle: Foto: Uwe Klemens

Jüterbog. Eigentlich sollte der Besuch von Brandenburgs Landwirtschafts- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) nur ein Arbeitsbesuch zum Thema Ernte sein. Doch die Sorgenliste der Bauern, die am Mittwoch der Einladung des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming in die Jüterboger Agrargenossenschaft gefolgt waren, ist lang und reicht von der Altanschließer-Problematik über die Milchkrise bis zum Wunsch nach weiteren Zuwendungen für den Biolandbau. Zwei Stunden lang legten die Chefs der großen Agrarbetriebe in der Region ihre Nöte dar, bevor die Ernteergebnisse zur Sprache kamen.

Beachtliche Zwischenbilanz

Im Landkreis Teltow-Fläming ist die Ernte bereits zu 60 Prozent abgeschlossen. Die Wintergerste ist zu 100 Prozent unter Dach und Fach. Der Ertrag liegt hier bei durchschnittlich 70,3 Dezitonnen (dt) je Hektar.

Schätzungen bei anderen Getreiden belaufen sich auf 73,9 dt Winterweizen (33 Prozent geerntet), 44 dt Triticale (7 Prozent), 43,2 dt Roggen (28 Prozent) und 28,9 dt Winterraps (94 Prozent).

Diese Werte gelten als durchschnittlich bis gut.

Die Zahlen aus dem Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald sagen ähnliche Ergebnisse voraus.

Auch hier ist die Wintergerste komplett eingefahren. Der Ertrag liegt bei 58,4 dt je Hektar.

Folgende Durchschnittsernten werden erwartet: Winterweizen: 57,8 dt; Winterroggen 38,3 dt; Wintergerste 58,4 dt; Triticale 42,1 dt; Winterraps 30,1 dt; Sommergerste 36,9 dt und Süßlupine 17,7 dt. Zahlen zum Maisertrag gibt es aus den Landkreisen noch nicht.

„Der ländliche Raum ist weitestgehend abgehängt“, klagte Welsickendorfs Agrar-Chef Wilfried Krieg und nannte als Beispiel das Hin und Her bei der Trink- und Abwasserproblematik, mit dessen finanziellen Folgen viele Landwirte zu kämpfen haben. Dem Minister zur Seite sprang Landtagsabgeordneter Erik Stohn (SPD), der auf die notwendigen Investitionen in diesem Bereich verwies. „Die Einnahmen, die der WAZ gemacht hat, werden nicht gehortet, sondern sind in die Infrastruktur geflossen und längst verbuddelt, kommen am Ende aber auch allen Nutzern zu Gute“, gab Stohn zu bedenken. Mit dem Argument des Sanierungsstaus warb Vogelsänger um Akzeptanz für die von ihm geplante 15-Prozent-Erhöhung des Wassernutzungsentgeltes, die demnächst im Landtag zur Diskussion stehen wird.

Probleme bei Aus- und Weiterbildung

Als großen Problembereich hat Kreisbauernverbands-Geschäftsführerin Silvia Fuchs die Aus- und Weiterbildung ausgemacht. „Die Richtlinien sind zu kompliziert. Sich da durchzuarbeiten, verschlingt zu viel Zeit und Kosten. Besonders der Verwaltungsaufwand, um an EU-Mittel zu kommen, ist zu groß. Wir wollen doch einfach nur Bildung machen und keine Bürokratie.“

Dass dieser Eindruck stimme, bestätigten auch andere Teilnehmer in der Runde, die die Bestimmungen als „fast nicht umsetzbar“ bezeichneten. Zumindest die Angleichung der Richtlinien von Bund, Ländern und EU stellte Jörg Vogelsänger als mögliche Alternative in Aussicht und versicherte, dass man in seinem Ministerium bereits daran arbeite. „Verwaltet-Werden muss schließlich auch funktionieren“, so der Minister.

Zwischenstand liegt vor

Den Zwischenstand zu den Ernteergebnissen im Landkreis präsentierte dessen Amtsleiter Landwirtschaft, Berndt Schütze. 60 Prozent der 40 000 Hektar Anbaufläche in Teltow-Fläming sind demnach bereits abgeerntet. Komplett abgeschlossen ist das Einbringen der Wintergerste, kurz vor dem Abschluss steht die Rapsernte. „Auf den Roggen-, Triticale- und Weizenfeldern stecken die Betriebe gerade mitten in der Ernte“, weiß Schütze aus den wöchentlich eingeforderten Ernteberichten. Auch beim Mais, dessen Ernte im Herbst beginnt, rechnen die Landwirte aufgrund der großen Niederschläge in den zurückliegenden Wochen mit einem guten Gesamtergebnis.

Die Gesamtertragslage liegt im Durchschnitt etwa ähnlich, wie in den vergangenen Jahren, schwankt aber sehr stark von Region zu Region und von Anbaufrucht zu Anbaufrucht. Weit über dem Durchschnitt zurückliegender Ernten könnte demnach in diesem Jahr der Ertrag beim Weizen liegen, der etwa 74 Dezitonnen je Hektar betragen wird. Auch die Qualität der Erträge beurteilen die Experten in diesem Jahr als gut bis sehr gut.

Geringe Erlöse

Als größtes Problem sehen die Landwirte die geringen Erlöse, die sie mit dem Verkauf ihrer Produkte erzielen können. „Die Vermarktung erfolgt nicht, wie von uns erhofft und stellt uns, zusätzlich zur Milchkrise, vor große Probleme“, sagt Mario Schwanke, der die Jüterboger Agrargenossenschaft leitet. „Die Qualität der Ernte ist in diesem Jahr recht ordentlich“, pflichtet ihm sein Amtskollege Walter Schulze von der Jänickendorfer Agrargenossenschaft „Der Märker“ bei. „Die Erlöse liegen im Durchschnitt zwei bis drei Euro pro Doppelzentner unter dem, was wir gewohnt sind und was wir auch bräuchten. Bei diesen Marktpreisen decken wir jedenfalls unsere Kosten nicht und sind weiterhin auf Beihilfen angewiesen.“ Auf weit über 100 000 Euro beziffert der Landwirt die Verluste seines Unternehmens durch Dumpingpreise alleine in diesem Jahr.

Von Uwe Klemens

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