Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Erste Frau am Industrieroboter in Ludwigsfelde

Arbeit Erste Frau am Industrieroboter in Ludwigsfelde

Eileen Seyfert startete als Make up Artistin auf Fashion Weeks ins Berufsleben, jetzt steht sie als erste Frau in der Produktion bei der Umformtechnik Ludwigsfelde mitten in einer Männerwelt an Schweißrobotern.

Voriger Artikel
Alarmknöpfe im Luckenwalder Rathaus
Nächster Artikel
Bio-Mozzarella aus dem Fläming

Eileen Seyfert an einem der sechs Roboter, die zu ihrem Arbeitsplatz gehören.

Quelle: Privat

Ludwigsfelde. Eine Staplerfahrerin gab es neben den Verwaltungsfrauen schon bei der Firma Gestamp (früher Thyssen) im Industriepark Ludwigsfelde, und auch in der Qualitätskontrolle arbeitete bereits eine Frau. Doch direkt in der Produktion zwischen all den schweren Teilen, zwischen Pressen und Schweißrobotern, da ist sie die erste in 25 Jahren Umformtechnik: Eileen Seyfert, eine gelernte Kosmetikerin.

Die 28-Jährige lacht. Sie findet nichts dabei, dass es sie von ihrem Job als Make-up-Artist auf Fashion Weeks über die Station Label Designerin in den rustikalsten Teil des Autobaus verschlagen hat. Fröhlich erzählt sie, dass sie lernen und sich qualifizieren will, damit aus ihrer befristeten Arbeit möglichst noch dieses Jahr ein unbefristeter Job wird. Der Gestamp-Betriebsratsvorsitzender Mathias Martens freut sich über das „weibliche Element“ in den traditionsreichen Werkhallen. Er sagt: „In gemischten Teams arbeitet es sich immer gut. Frau Seyfert ist mit ihrem unkomplizierten Naturell ein absolut positiver Farbtupfer in der Belegschaft.“ Und ihre Jugend sei vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung auch erfreulich, meint Martens.

Nach dem Feuer in der alten Firma wurde ihr gekündigt

Eileen Seyfert war der Job als Kosmetikerin auf Modewochen irgendwann zu stressig. Sie beschloss, sich selbstständig zu machen. Das Geld dafür wollte sie sich nebenbei verdienen. Sie landete als Label-Designerin in einer Werkzeugbau-Firma im Berliner Stadtteil Reinickendorf. Dort nahm sie der Chef mit in die Produktion, sie war beim Verpacken dabei, erlebte die Produktion vom Rohmaterial bis zum Verpacken der Werkzeuge und war bei Konferenzen des Werkleiters dabei. „Obwohl ich Quereinsteigerin war hat mir das Spaß gemacht“, erzählt sie.

Ihre „Geldbeschaffung“ für die Selbstständigkeit dauerte vier Jahre, sie entwarf Labels und Layouts für namhafte Kunden, darunter Rolls Royce. Doch dann brannte die Firma zur Hälfte ab. „Ich bekam die Kündigung, wollte aber gern in der Branche bleiben“, erzählt sie. Anfang 2015 bewarb sie sich als Produktionsmitarbeiterin bei Gestamp. Sie sagt: „Ich war völlig offen, ich wollte einfach einen Job haben.“ Sie bekam ihn. Sozusagen als Testlauf in der für Frauen ungewöhnlichen Branche arbeitete sie als Leiharbeiterin bei Gestamp, „und gleich im Schichtbetrieb rund um die Uhr“, sie lacht wieder. Nach einem halben Jahr wird sie befristet eingestellt.

Arbeitsplatz am Industrieroboter

Zu ihrem Arbeitsplatz gehören sechs Industrie-Roboter. Die schweißen im Vier-Minuten-Takt vorgeformte Teile für BMW-Dachaufbauten. Auf jeder Palette liegen 24 Dachschalen. „Ich lege die Teile in die Vorrichtungen, mache das Tor zu, und wenn sie rauskommen, muss ich die Schweiß- und Klebestellen prüfen“, erklärt Eileen Seyfert. Außerdem muss sie die Programme schreiben, nach denen die Roboter arbeiten sollen, und behebt kleinere Störungen selbst. „Manchmal muss der Takt nachjustiert werden oder es sind Schrauben nachzuziehen; manchmal muss ich Elektroden wechseln.“

Während ihrer Schichten arbeitet sie allein, auch nachts. Die Kollegen sieht sie in den Pausen und bei Dienstbesprechungen. „Manchmal kommt der Vorarbeiter vorbei, wie alle anderen auch. Ich will da keine Sonderbehandlung“, sagt sie. Und lacht wieder. „Am Anfang ist mir oft angeboten worden, mir was abzunehmen. Es wusste ja keiner, wie man in diesem Job mit ’ner Frau umgeht....“ Sie fühlt sich wohl in der Männerwelt. „Männer sind lockerer im Umgang miteinander, nicht so zickig wie Frauen manchmal“, sagt sie. Und sie genießt die Aufmerksamkeit, auch in Arbeitsschutzkleidung mit Stahlkappenschuhen, Schutzbrille und langärmligen Oberteilen. Sie strahlt beim Erzählen: „Ich arbeite zwar in einem Männerberuf, aber ich darf doch Frau bleiben.“

Der Freund findet ihren Job cool

Ihren Freund störe das nicht. „Am Anfang war er zwar erstaunt. Aber dann hat er sich nach Absprache mit dem Vorarbeiter das mal angeschaut und findet den Job cool“, sagt sie. Inzwischen sei er stolz, dass seine Freundin Ahnung vom Autobau hat. Die will weiterlernen, ihren Facharbeiter als Anlagenfahrerin schaffen. Dazu braucht sie Roboter- und Schweißlehrgänge.

Von Jutta Abromeit

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg