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„Erste Hilfe für die Seele“

Notfallseelsorge in der Region „Erste Hilfe für die Seele“

Olaf Beier (53) ist der Pfarrer der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Lübben und seit 13 Jahren ehrenamtlicher Notfallseelsorger im Landkreis Dahme-Spreewalde. Mit der MAZ sprach er über seine Erfahrungen in Extremsituationen des Lebens und darüber, was ihm selbst nach seinen Einsätzen hilft. Halt gibt ihm der Glaube an Gott, aber auch regelmäßiges Joggen.

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Im Hauptamt Pfarrer: Olaf Beier aus Lübben.

Quelle: Martin Küper

Dahmeland-Fläming.   


MAZ:
In welchen Situationen kommen Notfallseelsorger zum Einsatz?

Olaf Beier: Wir leisten gewissermaßen Erste Hilfe für die Seele in den Extremfällen des Lebens. Wir begleiten zum Beispiel die Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten, sind etwa nach einem Unfall oder dem Suizid eines Angehörigen zur Stelle. Denkbar sind auch Einsätze am Unfallort, wie zum Beispiel bei dem Unglück eines polnischen Reisebusses am Schönefelder Kreuz vor einigen Jahren. Und wegen des Flughafens können auch Großschadenslagen zu unserem Spektrum gehören. In diesem Jahr hatten wir bislang 58 Einsätze.

Wie reagieren Menschen, wenn sie vom Tod eines Angehörigen erfahren?

Beier : Die Reaktionen sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Manche versinken in Tränen und kommen da auch gar nicht mehr heraus, manche wollen es nicht wahrhaben und laufen vor der Nachricht weg. Andere sind durch den Schock völlig sprachlos. Wir Notfallseelsorger gehen auch nicht in eine Situation und wissen sofort, was zu tun ist. Das muss man jedes Mal erst erspüren.

Was können Notfallseelsorger in solch einer Situation tun?

Beier : Das Wichtigste ist, dass die Menschen nicht alleine sind, wenn ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Es geht darum, das Leid gemeinsam auszuhalten, aber auch zu schauen, welches die nächsten Schritte sind. Wir wollen Orientierung geben, zum Beispiel durch Rituale wie das Anzünden einer Kerze oder gemeinsame Gebete. Außerdem aktivieren wir das soziale Netzwerk der vertrauten Menschen, Freunde und Familie, klären ab, wer auch nachts da sein kann. An dem Punkt endet unsere Arbeit, für die weitere Begleitung gibt es bessere Ansprechpartner, etwa Psychologen oder Trauergruppen.

Welche Einsätze sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Beier : Wir unterliegen der Verschwiegenheit, deshalb kann ich darauf nur allgemein antworten. Ich erinnere mich an manche Einsätze auf der Autobahn oder bei Familien. Besonders hart ist es, wenn Kinder betroffen sind, sei es, dass ein Kind stirbt oder dass es selbst eine schlimme Nachricht aufnehmen muss. Das geht uns immer besonders nah und brennt sich auch ein. Es ist nicht einfach, Not und Elend zu sehen und dabei professionell zu bleiben.

Wie verarbeiten Sie Ihre Erlebnisse als Notfallseelsorger?

Beier : Ich finde Halt im Glauben, für mich ist es wichtig, dass ich das Erlebte im Gebet auch vor Gott bringen und spüren kann, dass ich nicht alleine bin. Wir besprechen unsere Fälle aber auch in der Gruppe, wir haben ein sehr persönliches Verhältnis untereinander und können uns aufeinander verlassen. Nach schwierigen Einsätzen schaue ich aber auch, was mir gut tut, zum Beispiel joggen gehen oder wandern im Urlaub. Die Bewegung gibt mir viel Kraft und hilft mir, mich zu sortieren.

Welche persönlichen Eigenschaften braucht man, um Notfallseelsorger zu werden?

Beier : Es gibt Kriterien, die man erfüllen sollte, eine gefestigte Persönlichkeit zum Beispiel. Man sollte seine eigenen Krisen reflektieren können und seine eigenen Lebenserfahrungen nicht verdrängen, sondern verarbeiten und gestärkt daraus hervorgehen können. Es gibt auch die Empfehlung für ein Mindestalter von 25 Jahren. Das Wichtigste ist aber sicherlich Einfühlungsvermögen, damit man im Einsatz erspüren kann, was den Betroffenen am besten hilft.

Wie läuft es ab, wenn ich Notfallseelsorger werden will?

Beier : Wer Interesse an der Arbeit als Seelsorger hat, nimmt am besten Kontakt mit dem Landkreis auf. Es gibt dann ein Erstgespräch mit Mitgliedern des Teams über die Aufgaben. Dabei können Interessenten auch ihre Vorstellungen mitteilen. Wenn sich beide Seiten eine Zusammenarbeit vorstellen können, lernt man sich in der Gruppe kennen und nimmt dann an einem Grundkurs teil. Die Leiter empfehlen anschließend, ob jemand als Seelsorger arbeiten sollte oder besser nicht. Wer in seinem Leben selber noch unbearbeitete Baustellen hat, sollte das vielleicht erst einmal klären.

Zurzeit hat das Team 13 Mitglieder, brauchen Sie überhaupt Verstärkung?

Beier : Es ist immer mal Bewegung drin, darum haben wir auch immer Bedarf an Interessenten. 13 ist schon eine gute Zahl, aber weniger sollten es auch nicht sein. Es ist aber ein Ehrenamt, das Zeit und Verständnis von der Familie und auch vom Arbeitgeber erfordert: Ein Dienst bedeutet 24 Stunden Bereitschaft und ein Einsatz kann auch während der Arbeitszeit stattfinden. So etwas sollte man vorher mit dem Arbeitgeber klären, oder seine Bereitschaftszeiten auf das Wochenende legen.

Von Martin Küper

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