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Erstmals Ausstellung mit Stolls Erbe

Wünsdorf Erstmals Ausstellung mit Stolls Erbe

Zum ersten Mal sind bisher unbekannte Details aus dem Leben des Schriftstellers Heinrich Alexander Stoll öffentlich zu sehen. Der Thyrower Burkhard Unterdörfer ist Erbe des kinderlosen Autoren und gründete in dessen Haus die eigene Familie.

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Heinrich Alexander Stoll

Quelle: privat

Wünsdorf. Zum ersten Mal gibt es eine Ausstellung über den Schriftsteller Heinrich Alexander Stoll, der die letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens in Thyrow verbrachte. Anlass für die Präsentation im Museum des Teltow in Wünsdorf ist der 40. Todestag am 4. März. Stoll hatte Theologie und Kunstgeschichte studiert, er schrieb Bücher wie „Der Traum von Troja“, „Götter und Giganten“ oder „Tod in Triest“ und er war Herausgeber von Büchern des Archäologen Heinrich Schliemann. Aufgebaut wird die Präsentation von Stolls Erben Burkhard Unterdörfer und Museumsleiter Silvio Fischer.

Kontakt über den Vater

Der homosexuelle und kinderlose Schriftsteller ist auch der Grund, warum der aus der Oberlausitz stammende Forstbeamte Unterdörfer in Thyrow heimisch wurde, im Haus des Schriftstellers an der Wilhelmstraße. Kennengelernt hatte Unterdörfer „Onkel Alexander“ als Kind zuhause: „Mein Vater war auch schriftstellerisch tätig und die beiden hatten sich 1956 bei einer Tagung kennengelernt.“ Es folgten 20 Jahre mit regem Briefwechsel und häufigen Besuchen. „Er hat mir immer was mitgebracht, wenn er kam, und überraschte mich oft“, erzählt der spätere Erbe. Zum Beispiel bekam er als Kind das Plüschtier Pit, den Affen. Später als junger Mann schenkte ihm Stoll bibliophile Raritäten, etwa ein ornithologisches Nachschlagewerk.

Heinrich Stolls Erbe Burkhard Unterdörfer (l) und Museumsleiter Silvio Fischer bauen in Wünsdorf die erste Ausstellung über den Schriftsteller

Heinrich Stolls Erbe Burkhard Unterdörfer (l.) und Museumsleiter Silvio Fischer bauen in Wünsdorf die erste Ausstellung über den Schriftsteller Heinrich Stoll auf.

Quelle: Jutta Abromeit

„Und ich erinnere mich, dass ich mit ihm kurz nach Erhalt meines Führerscheins mit dem Auto meiner Eltern nach Polen gefahren bin“, erzählt Unterdörfer. Das sei in jeder Beziehung eine Bildungsreise gewesen. „Nicht nur kulturhistorisch habe ich eine Menge gelernt, auch im Umgang mit einem schwierigen Menschen.“ Der Thyrower sagt, Stoll sei mal unterhaltsam, mal unwirsch gewesen. „Aber als wir mit dem Auto steckengeblieben sind, haben wir problemlos auf dem Feld übernachtet. Am nächsten Morgen half uns dann ein Bauer weiter, auch das war Stoll“; Burkhard Unterdörfer lacht bei der Erinnerung.

Stoll wurde 1935 mit Veröffentlichungsverbot belegt

Heinrich Alexander Stoll sprach zwölf Sprachen und hatte ein bewegtes Leben zwischen Ablehnung und Wohlwollen. 1935 mit Rede- und Veröffentlichungsverbot belegt, bekam er nirgends eine Arbeitserlaubnis, zog durch Europa. „Erst in Italien konnte er durch Sprachunterricht, Übersetzungen und kleine journalistische Arbeiten, die von schweizerischen Zeitungen gedruckt wurden, überleben“, heißt es in Unterdörfers Texten für die Ausstellung. Aber während 1941 alle Deutschen in Italien zu Kriegseinsätzen verpflichtet wurden, erhielt Stoll eine Dienstverpflichtung an die Deutsche Botschaft nach Rom. 1943 wurde er jedoch in eine Strafeinheit zur Wehrmacht eingezogen, erlebte nach dem Krieg Strafarbeit in Sibirien und engagierte sich in Schwerin im Kulturbund. Die Frage nach dem bewegendsten Moment des allein lebenden Schriftstellers beantwortet Unterdörfer sofort: „Das war zweifellos die Privataudienz 1966 bei Papst Paul VI.“ Dabei schenkte Stoll dem katholischen Kirchenoberhaupt sein in Italien handelndes Buch „Die Höhle am Toten Meer“. Er vererbte dem Sohn des Freundes nicht nur seinen wohlsortierten Nachlass, sondern auch das Haus in Thyrow, das vormals einem Kempinski-Hotelier als Sommerresidenz diente. Dort gründete Unterdörfer, nach Stolls Tod 1977, die eigene Familie.

Wer mehr über Heinrich Stoll und sein kompliziertes Leben, seine Bücher und seine Beziehung zu Heinrich Schliemann wissen möchte, findet ab 4. März in Wünsdorf vieles, was erstmals zu sehen ist.

Von Jutta Abromeit

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