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Erzählerische Kraft

Ausstellung in Wünsdorf Erzählerische Kraft

Der Dabendorfer Maler Jürgen Melzer hat sich zum Geburtstag ein eigenes Geschenk gemacht: Er hat eine Ausstellung in der Neuen Galerie in Wünsdorf gestaltet. Der bald 75-Jährige zeigt dort seine Bilder mit kraftvollen Farben und intensiven Eindrücken.

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Die „Zossener Dächer“ hat Jürgen Melzer erst 2015 pastos und kraftvoll mit Öl auf Spanplatte gemalt.

Quelle: Karen Grunow

Wünsdorf. Sommerglühen in Marienbad. Irreal schön leuchtet das Orange im Gras vor der Kirche, am Himmel, in den Sonnenflecken auf dem Gemäuer. Vor einem anderen Gemälde des Dabendorfer Malers Jürgen Melzer stehen zwei Besucher, begeistern sich über die in kräftigem Gelb aus dem Schrott und Unrat heraus leuchtende Kajüte eines gestrandeten Fischkutters. Diese Farben, dieses Licht. „Ein Melzer bleibt zu meiner Freude ein Melzer“, sagt Heide Galley, als sie mit warmen Worten die Ausstellung des Künstlers in der Neuen Galerie in Wünsdorf eröffnet. Seit 50 Jahren kennt die Vorsitzende der Kunstfördergemeinschaft Neue Galerie den Maler, der dieser Tage 75 wird. Ein guter Anlass für die erste große Ausstellung des neuen Jahres in der vom Landkreis Teltow-Fläming betriebenen Galerie.

Jürgen Melzer

Jürgen Melzer

Quelle: Karen Grunow

Die Bilder entfalten große erzählerische Kraft, vor allem in dem Raum, in dem gleich mehrere Selbstbildnisse Melzers versammelt wurden. Er selbst, winkt er ab, habe gar nicht groß vorgegeben, was er zeigen möchte, er hat auswählen lassen. Und auch auf die Konzeption wollte er keinen großen Einfluss nehmen. So ist nun gerade jener Raum, in dem der Maler malend gemalt ist, einer mit persönlicher Geschichte. Denn hier sind einige ältere Bilder zu sehen, vom Sohn Moritz etwa, auf dem Porträt von 1981 ein blonder quirlig-neugieriger Bub mit roten Strümpfen. Und dann Moritz noch einmal 2011, ein kräftiger junger Mann mit Baby im Arm, sorgsam behütend. Reizvoll sind die Bilder positioniert, denn der Blick des frischgebackenen Vaters geht zur Seite und damit zu den über Eck gehängten Gemälden vom eigenen Vater als junger Mann und sich selbst als Kind.

Vor allem aber sind es Landschaften und Ortsansichten, die in der Geburtstagsausstellung versammelt werden. Italien-Impressionen mit gleißend-warmem Licht, Fischerkaten, Steilküste, Reisebilder aus Marokko und Mallorca. Doch danach gefragt, welche der präsentierten Werke ihm besonders nah seien, kommt die Antwort prompt: „Die Zossen-Bilder.“ Er habe vor ein paar Jahren gemerkt, dass hier auch ganz schöne Landschaften seien, sagt er fast lapidar. Gerade jene Gemälde sind es, die die zahlreichen Vernissage-Besucher besonders ansprechen. Den dargestellten Wasserturm kennt jeder, bei den verschachtelten Dächern aber rätseln manche, wo genau diese Ansicht denn zu entdecken sei. „Gar nicht so verkehrt, diese Hinterhöfe in Zossen“, befindet Jürgen Melzer über das Motiv, aus dem er kürzlich erst das Ölbild werden ließ. Wenn er etwas entdeckt, macht er sich Notizen und Skizzen. Schnell gehe das, erzählt er, „das dauert vielleicht fünf bis zehn Minuten“. „Wenn man etwas zeichnet, dann sind das Dinge, die einen interessieren. Wenn man fotografiert, dann ist das erbarmungslos objektiv“, bleibt er dem Sehen und Wahrnehmen des Besonderen mittels Stift auf Papier treu.

Melzers Sohn Moritz mit Enkelin

Melzers Sohn Moritz mit Enkelin.

Quelle: Karen Grunow

Ein aufgestelztes Haus am Hang in Bayern, umwabert von Feuchtigkeit. Ein Bahnübergang, bei dem das rotblinkende Licht den nahenden Zug ankündigt. Reetgedeckte Häuser unter dem grell nach einem Gewittersturm aufglänzenden Himmel. „Es ist eine feinfühlige, stimmungsvolle und effektfreie Malerei, die auch magnetisch wirkt“, lobt Heide Galley in ihrer Laudatio. Und erinnert sich, wie der 1941 in Berlin geborene und 1968 als Maler in Dresden diplomierte Jürgen Melzer in der Region anfing. „Er hatte ganz schreckliche Arbeitsbedingungen: ein Dachdomizil in Ludwigsfelde, in das es hineinregnete und -schneite“, schildert sie. Danach in einem Autowerk. „Die Farbtöpfe hüpften unberührt, allein durch die Presslufthammerschläge“, so Galley. In Dabendorf lebt Melzer seit 1968. Öffentlich präsent sind seine Werke seit jeher, er selbst war außerdem lange als Dozent an den Volkshochschulen Teltow-Fläming und in Berlin-Tempelhof tätig. Noch heute leitet er Malkurse der Akademie der zweiten Lebenshälfte in Zossen.

Im ersten Raum der großen Wünsdorfer Ausstellung sind auch einige Aktbilder zu sehen, auf Packpapier gemalt. „Jetzt finde ich noch Aktzeichnungen aus der Dresdner Schule“, erzählt Melzer. Auch viele Jahre später werden solche Skizzen und Vorlagen eben manchmal Inspiration für ihn. Dass er seinen zahlreichen Bewunderern außerdem immer noch Neues im Gewohnten entdecken kann, zeigt die Ausstellung wunderbar.

Info: Bis zum 28. Februar sind Jürgen Melzers Arbeiten in der Neuen Galerie in der Gutenbergstraße 1 in Wünsdorf zu sehen. Geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Von Karen Grunow

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