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Erziehermangel führt zu Personalengpässen

Kinderbetreuung Erziehermangel führt zu Personalengpässen

In der Ludwigsfelder Kita „Kinderland“ reichten in der vergangenen Woche ein paar Ausfälle, um den ordnungsgemäßen Betrieb fast zum Erliegen zu bringen. Das sei auch dem schlechten Personalschlüssel geschuldet, heißt es beim Träger – und ganz abwegig scheint das nicht zu sein.

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Der Job ist fordernd, die Ausbildung lang und unbezahlt. Unter anderem deshalb gibt es zu wenig Kita-Erzieher.

Quelle: C. Brandhorst

Dahmeland-Fläming. Am Donnerstag vergangener Woche wussten sich die Verantwortlichen in der Ludwigsfelder Kita „Kinderland“ nicht mehr anders zu helfen. Es ist Urlaubszeit, außerdem war eine Erzieherin krank, einer weiteren hatte der Arzt wegen einer Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot erteilt und eine dritte fehlte aus privaten Gründen. Drei Ausfälle plus Urlaub – die Situation stürzte die Belegschaft in eine derartige Notsituation, dass man einen Zettel aushing und die Eltern bat, die Kinder am nächsten Tag möglichst mittags abzuholen oder gleich ganz zu Hause zu lassen. „Die Situation war sehr unangenehm“, sagt Sophie Lüttich, Pressereferentin bei der Fröbel-Gruppe, die Träger der entsprechenden Einrichtung ist.

Verantwortlich dafür, dass eine solche Situation überhaupt entstehen kann, macht Sophie Lüttich aber nicht nur die unglücklichen Umstände. Zentrale Ursachen dafür seien vielmehr der schlechte Betreuungsschlüssel für Kitaerzieher und der Fachkräftemangel.

Betreuungsschlüssel soll angepasst werden

Brandenburg gehört im bundesweiten Vergleich zu den Schlusslichtern beim Personalschlüssel in den Krippen und Kitas. In der Kita „Kinderland“ arbeiten im Normalfall knapp 30 Erzieher. In Köln, so heißt es, würden in der gleichen Einrichtung 40 Erzieherstellen vom Land mitfinanziert. Mit solch einer Personaldecke lasse sich natürlich flexibler arbeiten, sagt Sophie Lüttich. „Wir wären dann kaum auf die Mithilfe der Eltern angewiesen.“

Beim Land arbeitet man daran, den Betreuungsschlüssel anzupassen, allerdings in relativ kleinen Schritten. Zum Sommer vergangenen Jahres wurde der Schlüssel bei den Unter-Dreijährigen angehoben, zum August soll es wieder eine kleine Anpassung geben. „In einigen, größeren Kitas wird das dazu führen, dass mehr Personal eingestellt werden kann“, sagt Sophie Lüttich. Dann allerdings stehen die Einrichtungen vor dem zweiten Problem: Woher nehmen?

Schulische Ausbildung schreckt ab

Kita-Erzieherinnen sind auf dem Arbeitsmarkt Goldstaub. Im Landkreis Dahme-Spreewald etwa sind bei der Arbeitsagentur derzeit 22 offene Erzieherstellen gemeldet, 15 davon im Norden. Arbeitslose Erzieher gibt es dagegen ganze sieben. „Und nicht alle sind sofort vermittelbar“, sagt David Fornfeist, stellvertretender Bereichsleiter der Agentur in Dahme-Spreewald. „Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist in den letzten zwei Jahren größer geworden, was mit dem Flüchtlingszustrom zusammenhängt, aber nicht nur damit.“ Es sei auch schwer, Erziehernachwuchs zu gewinnen. „Die Angebote sind oft wenig lukrativ“, so Fornfeist.

Das liege weniger an der Bezahlung im Job, als an der schulischen Ausbildung. Wer Erzieher werden will, muss sich in der Regel zwei Jahre lang zum Sozialassistenten oder Kinderpfleger ausbilden lassen, anschließend hängt man noch eine dreijährige Erzieherausbildung an. Das sind vier bis fünf Jahre, die – anders als eine Ausbildung im Betrieb – nicht vergütet werden. „Wir haben in der Berufsberatung oft Jugendliche, die unbedingt Erzieher werden wollen, aber die es finanziell nicht schaffen“, sagt Doreen Ließ, Sprecherin der Arbeitsagentur Potsdam.

Stadt Zossen kümmert sich selbst um den Erzieher-Nachwuchs

In Teltow-Fläming, für das die Potsdamer Agentur zuständig ist, stellt sich die Arbeitsmarktsituation zwar etwas entspannter dar als in Dahme-Spreewald – es gibt 25 arbeitslose Erzieher und 18 freie Stellen –, das heiße aber trotzdem nicht, dass jede Einrichtung, die Erzieher sucht, auch welche findet. „Das Angebot passt oft nicht auf Anforderung. Nachgefragt sind derzeit immer häufiger mehrsprachige Erzieher, oder Erzieher mit fachlicher Zusatzqualifikation. Da müssen wir schauen, wie wir eventuelle Defizite ausgleichen“, so Doreen Ließ.

In Zossen kümmert man sich inzwischen selbst um den Erzieher-Nachwuchs. Im September sollen wieder zehn Erziehungshelfer eingestellt und drei Jahre lang berufsbegleitend qualifiziert werden. Der Vorteil für die Azubis: Sie bekommen Geld. Der Nachteil für die Kommune: Sie muss einen gehörigen Aufwand betreiben. Bürgermeisterin Michaela Schreiber (Plan B) verfolgt dieses Modell trotzdem seit einigen Jahren, auch, weil sie sich bei ihren 13 Kindereinrichtungen nicht von äußeren Umständen abhängig machen will. Denn „solange die Landesregierung wie in der Vergangenheit Ausbildungsklassen an der Fachschule für Erzieher aus Mangel an geeigneten Lehrkräften und aus Sparsamkeitsgründen streicht“, sei auf dem Erziehermarkt keine Besserung der Situation in Sicht, sagt Schreiber.

Von dem Zossener Modell profitieren auch umliegende Kommunen, weil einige Erzieher sich nach der Ausbildung räumlich verändern wollen. Für die Ludwigsfelder Kita „Kinderland“ wäre eine solche Erzieherin jetzt ein Segen. Denn mindestens für die schwangere Kollegin muss eine Vertretung her. Am besten sofort.

Von Oliver Fischer

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