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„Es gab keine Rettungsgasse“

Schwerer Unfall auf der A10 „Es gab keine Rettungsgasse“

Wegen des schweren Lkw-Unfalls am Dreieck Nuthetal war die A10 für Tage gesperrt. Auf der Autobahn kam es zu chaotischen Szenen. Die MAZ hat mit dem Einsatzleiter über den Unfall und den Feuerwehreinsatz gesprochen. Die Helfer standen vor allem vor einem Problem: der fehlenden Rettungsgasse. Nun werden Strafen gefordert.

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Nach dem Unfall musste die A10 tagelang gesperrt werden.

Quelle: Stähle

Ludwigsfelde. Der Ludwigsfelder Stadtwehrführer André Schütky war beim Flusssäure-Unfall diese Woche auf dem Autobahn-Südring zwischen dem Dreieck Nuthetal und der Abfahrt Ludwigsfelde West Einsatzleiter für insgesamt mehr als 150 Feuerwehrleute.

Gegenüber der MAZ sagt Schütky, was er nach diesem mehrtägigen Gefahrgut-Einsatz ändern würde.

Was haben Sie am Unfallort zuerst gemacht?

André Schütky: Das war ja das Schlimme – als die am nächsten stationierte Feuerwehr kamen wir gar nicht an die Unfallstelle ran, denn es gab keine Rettungsgasse. Die Alarmierung am Dienstag um 12.42Uhr hieß VU Lkw, also Lkw-Unfall. Schon aus drei Kilometern Entfernung habe ich Rauchwolken gesehen, also Unfall mit Brand. Nur rangekommen sind wir nicht. Deshalb habe ich sofort fünf Tanklöschfahrzeuge vom Nachbarkreis PM angefordert.

André Schütky, Einsatzleiter

André Schütky, Einsatzleiter.

Quelle: Abromeit

Wann war Ihnen klar, dass ein Gefahrgut-Transporter verunglückt ist?

Schütky: Etwa nach einer halben Stunde direkt am Unfallort ahnte ich es, aber erst nach etlichem Fax-Verkehr gegen 15.30Uhr war es klar.

Da mussten Sie auch die eigenen Leute in Sicherheit bringen?

Schütky: Nein, unsere Fahrzeuge standen weit genug weg, etwa 70 Meter. Näher ran kommt man im Ernstfall immer, aber weg nur noch schwer. Das Schlimme war: Ohne Rettungsgasse mussten wir gleichzeitig den Brand bekämpfen und die 20 bis 30 am dichtesten stehenden Staufahrzeuge mit mehr als 50 Personen irgendwie von der Fahrbahn ableiten. Das ging nur, indem wir die Leitplanken beseitigten. Also haben wir sie zerschnitten und aus der Verankerung gezogen, damit die gefährdeten Fahrzeuge irgendwie an dem umgekippten Lkw vorbeikamen, der lag ja quer über alle drei Fahrbahnen. Das ging zwar alles schnell, hat aber eben 15 bis 20 Minuten gedauert. Soll ein Schwerverletzter in einer Stunde im Krankenhaus sein, damit er überhaupt eine Überlebenschance hat, fehlt diese Zeit.

Die Ludwigsfelder Stadtwehr ist spezialisiert auf Autobahn- und Gefahrgut-Einsätze, waren Sie auf einen Einsatz mit Flusssäure-Unfall vorbereitet?

Schütky: Na klar, wir haben mit unserem Gefahrgut-Gerätewagen auch die richtige Technik. Aber für alle Gefahrgüter einzeln kann man nicht trainieren, da hätten wir nichts anderes zu tun.

Was würden Sie mit der Flusssäure-Erfahrung dieser Woche jetzt anders machen?

Schütky: Die Säure war nicht das Problem, man nimmt andere Schutz- und andere Löschmittel. Ganz klar würde ich Rettungsgassen-Verhinderer mit dreistelligen Summen bestrafen. Und irgendwann brauchen wir in Regionen mit Industrie, Flughafen, Schienen und Autobahnen andere Feuerwehren, welche, die tagsüber nicht wegen fehlender Leute um die Einsatzfähigkeit bangen müssen. Die Autobahn-Feuerwehr kommt, wenn die Politik das begriffen hat. Denn das sind ganz andere Herausforderungen als in reinen Wohngebieten.

Von Jutta Abromeit

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