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Strom und Wärme aus Essensresten

Food-Recycling in Ludwigsfelde zum Gewinn von Biogas Strom und Wärme aus Essensresten

Jährlich werden etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Den Überfluss in der Konsumgesellschaft kompensiert das Ludwigsfelder Unternehmen „Becker + Armbrust“ mit Food Recycling. Sie verwerten Essensreste, um Biogas für Strom und Wärme zu erzeugen. 

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Der Speisemüll landet direkt aus der Mülltonne in der Verwertungsanlage und wird dort zu einem energiereichen Brei verarbeitet.

Quelle: Peter Degener

Ludwigsfelde. Von radioaktivem Material und Tierkadavern einmal abgesehen, kann man beim Ludwigsfelder Unternehmen „Becker + Armbrust“ jede Art von Müll entsorgen. Seit fünf Jahren hat die Firma sich im Bereich des sogenannten Food-Recyclings etabliert. Bei jährlich etwa elf Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel in Deutschland war das eine ökonomisch weise Entscheidung – doch auch ökologisch ist das Wiederverwerten von Biomasse sinnvoll.

Überfluss mit Food-Recycling kompensieren

In Ludwigsfelde wird der Müll von Restaurants und Catering-Firmen, Groß- und Supermärkten aufbereitet, so dass er in Biogas verwandelt werden kann. Überlagerte oder fehlerhafte Produkte von Lebensmittelherstellern kommen hinzu. Aus dem westlichen Brandenburg und Berlin kommen täglich Transporter mit einer Mischung von Resten, Verdorbenem und Überlagertem. „Alles, was es im Supermarkt zu kaufen gibt“, ist laut Betriebsleiter Michael Risse in den Mülltonnen zu finden. „Das ist eine der besten Varianten, um den vorherrschenden Überfluss zu kompensieren“, sagt er mit Blick auf die Konsumgesellschaft.

Der "Häckselheinz" verarbeitet Müll zu energiereichem Brei

Zwölf Mitarbeiter sind jeden Tag damit beschäftigt, aus dem Müll einen „Speisebrei“ zu machen, dessen Energie wieder genutzt werden kann. Das Prinzip ist simpel: Der Müll wird direkt aus den Tonnen in zwei große „Bunker“ gekippt, von wo er zu einer Zerkleinerungsmühle gelangt, die so groß ist wie ein Kleinwagen. Auf dem Weg dorthin werden im Müll enthaltene Kunststoffe und Metallteile durch Siebe und Magneten herausgefiltert. Im „Häckselheinz“, so lautet der Spitzname der robusten Mühle, geschieht dann die eigentliche Arbeit.

Aus den Speiseresten wird ein Brei gemacht. 69 Klingen rotieren dazu in der Mühle rund 26 Mal pro Sekunde. Wegen der harten Fremdstoffe, vor allem Plastik, Steine und Metall, aber auch nicht aufgetaute Tiefkühlkost, müssen die Klingen regelmäßig getauscht werden. Nach drei Wochen ist aus der einst scharfen Kante eine „Haifischflosse“ geworden, sagt Vorarbeiter Thomas Schliffke. Er und seine Kollegen holen auch regelmäßig aus der Mühle Besteckteile heraus, die im Müll gelandet sind.

Vorarbeiter Thomas Schliffke hält eine abgenutzte und eine neue Mühlklinge in der Hand.

Quelle: Degener

Am Ende des Prozesses liegt der Anteil von Fremdstoffen in dem Brei bei unter drei Prozent. Mit Brauchwasser verdünnt, wird der Brei anschließend in den Silos gelagert. Jeden Tag werden gut einhundert Kubikmeter dieser energiereichen Flüssigkeit produziert.

Eigene Biogasanlage geplant

Bislang fährt das Unternehmen dieses Zwischenprodukt mit Tanklastern nach Mecklenburg-Vorpommern, wo es in einer Biogasanlage zum Gären gebracht wird. Das dabei entstehende Methan wird anschließend in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt. Aus einer Tonne können rund 170 Kilowattstunden Strom und 340 Kilowattstunden Wärme erzeugt werden. Beides wird ins öffentliche Netz eingespeist. Doch weil die Tonnage bei „Becker + Armbrust“ seit der Inbetriebnahme der Mühle jährlich steigt, plant das Unternehmern den Bau einer eigenen Biogasanlage in der Nähe von Ludwigsfelde.

In den nächsten fünf Jahren könnte es so weit sein, sagt Niederlassungsleiter Dirk Nachkunst. Derzeit produziert das Entsorgungs-Unternehmen etwa 18000 Tonnen Speisebrei jährlich. Eine eigene Biogasanlage würde sich laut Nachkunst ab etwa 25000 Tonnen rentieren. Für die Firma mit Stammsitz in Frankfurt (Oder) ist die Weiterverwertung von Speiseresten schon jetzt von Bau-Abfällen abgesehen zum wichtigsten Standbein der Ludwigsfelder Niederlassung geworden.

Von  Peter Degener

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