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Europas seltenste Gänseart am See gefunden

Rangsdorf Europas seltenste Gänseart am See gefunden

Am Rangsdorfer See ist eine seltene Zwerggans unterwegs. Es handelt sich um ein Exemplar mit Sender, das der Vogelexperte Bernd Ludwig zwar auf dem PC verfolgen kann, das er aber noch nicht gesehen hat. Das berichtete er bei einer Beobachtungstour an die Ufer des Sees.

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Bernd Ludwig (Mitte) mit Teilnehmern seiner Vogelbeobachtungstour im Seebad Rangsdorf.

Quelle: v. Fournier

Rangsdorf. „Gestern habe ich in einem Maisstoppelfeld am Flughafen im Auto sitzend nach ihr gesucht, aber eine einzelne zwischen 6000 Gänsen? Ich habe sie nicht gefunden!“ Und dann stieg jemand aus einem Auto aus, die Vögel flogen davon. Damit war Bernd Ludwigs Chance vergeben, endlich die mit einem Sender versehene Zwerggans zu erspähen, die sich in der Region herumtreibt. Zwerggänse sind Europas seltenste Gänseart und akut vom Aussterben bedroht. Über die Zwerggans wurde Bernd Ludwig per Mail informiert. Er verfolgt das Tier, das in einem Bless- und Tundrasaatgänse-Schwarm mitfliegt, am PC und sucht nach ihm.

Regelmäßige Beobachtungstouren

Es sind Geschichten wie diese, mit denen Ludwig, Rangsdorfs „Storchenvater“ und Fachmann in Sachen Wildvögel, sein Publikum fasziniert. Und das gelang ihm auch am Sonntagnachmittag bei einer Vogelbeobachtungstour am Rangsdorfer See. Nicht zuletzt deshalb kommen viele Teilnehmer regelmäßig zu diesen Touren, die Ludwig für den Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg (LPV) durchführt. Wie das Ehepaar Nadja und Volker Fischer aus Wildau. Sie haben ihr eigenes Spektiv mitgebracht und es den anderen Besuchern zur Verfügung gestellt. Zur letzten Wildvogelbeobachtung des Jahres konnten Sabine Zimmermann vom LPV und Bernd Ludwig mit fast 50 Teilnehmern besonders viele Interessenten begrüßen.

4000 Kraniche auf dem See

Das lag nicht nur am „Zwischenhoch, extra für unsere Tour“, wie Bernd Ludwig feststellte. Jedes Mal wartet er mit aktuellen Zahlen und Fakten auf und hat Antworten auf alle Fragen der Teilnehmer. Ludwig war Naturkundelehrer und ist froh, dass er die Menschen noch heute begeistern kann. Über eine Stunde harrte die Gruppe am Ufer des Strandbads aus, bevor es zur Plattform an der Seeschule ging. Dort konnten alle, die ausharrten bis zur Dämmerstunde, das Einfliegen verschiedener Vogelschwärme mit den Kommentaren des Experten erleben. Dass viele Rangsdorfer mit offenen Augen und Ohren durch den Tag gehen, wurde bei den Fragen, die Bernd Ludwig beantworten musste, klar. „Welche Vögel machen das Riesengeschrei, wenn sie im Pulk über unser Haus fliegen?“. Das seien Kraniche, von denen in der letzten Woche noch 4100, jetzt 4000 im See nächtigten, wusste Ludwig. Eine Schülerin fragte, wie ein aufgeschreckter Schwarm wieder zusammenfände. Das geschähe durch Stimmfühlung, erklärte Ludwig.

Ungewöhnliches Paar

Ein ungewöhnliches Paar, ein Grau- und ein Silberreiher, letzterer eigentlich kein Gast in unseren Gefilden, kam wie bestellt ins flache Wasser vor den Besuchern. Die griffen zu den Ferngläsern. Bernd Ludwig erläuterte, dass zurzeit 13 Silberreiher am See leben. Viel war über Gefahren für Bless-, Grau- und Tundrasaatgänse zu erfahren, die 30 Jahre alt werden könnten, wenn sie nicht so stark gejagt würden. Bleihaltige Schrotladungen sorgen dafür, dass auch Aasfresser wie Seeadler, die verendete Vögel fressen, an Bleivergiftung eingehen.

Von Andrea von Fournier

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