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Familie Köhler kämpft um ihr Enkelkind

Petkus Familie Köhler kämpft um ihr Enkelkind

Wegen einer Missbrauchs-Anzeige gegen Unbekannt wird die zweijährige Paula überraschend aus dem Haus ihrer Großeltern geholt. Ihr jetziger Aufenthalt ist unbekannt. Weder Familie noch Anwalt erhalten Auskunft.

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Günter Koj (l.), Max Köhler mit dem Foto seiner Tochter und Ramona Köhler im Haus in Petkus.

Quelle: Elinor Wenke

Petkus. Familie Köhler aus Petkus ist verzweifelt. Von einem Tag auf den anderen ist ihr kleines Familienglück zersprungen. Die zweijährige Paula, Tochter von Max Köhler (22) sowie Enkelin von Ramona Köhler (52) und ihrem Mann Günter Koj (53), wurde völlig überraschend am 9. Mai vom Jugendamt aus der Familie geholt und lebt nun offenbar in einer Pflegefamilie. Der Grund: Es liegt eine Anzeige wegen Missbrauchs gegen Unbekannt vor. Weitere Informationen bleiben die Behörden der Familie schuldig.

Paulas Papa Max Köhler ist behindert, ebenso Paulas Mutter, die sich inzwischen von der Familie getrennt hat. Beide waren nicht in der Lage, ihr Baby zu betreuen. Deshalb lebte Paula aufgrund einer familiengerichtlichen Regelung des Amtsgerichtes Potsdam vom Januar 2016 unter Beobachtung einer „Vormünderin“, wie es im Fachjargon heißt, im Haushalt der Großeltern. Auch Max Köhler hat sich regelmäßig um seine Tochter gekümmert.

Es gab nie Beanstandungen

Einmal im Monat wurde die Situation von der Vormünderin kontrolliert. „Es gab nie Beanstandungen, im Gegenteil. Noch Ende April haben wir von der Frau ein Geschenk bekommen. Alles war in Ordnung“, berichtet Ramona Köhler. „Wir haben extra ein schönes, kleines Zimmer für Paula hergerichtet“, erzählt Günter Koj. Paula besuchte täglich die Kita in Petkus.

Dann wird bei dem kleinen Mädchen ein Hämatom im Intimbereich entdeckt. Ramona Köhler musste die Enkelin einem Arzt vorstellen. Von da an war die Behördenmaschinerie im Gange. Noch am selben Tag wird Paula ohne Kenntnis der Familie aus der Kita geholt und in eine Kindernoteinrichtung nach Potsdam gebracht. Am nächsten Tag steht die Kripo vor der Tür. Die Familie weist jeden Vorwurf zurück. „Wir haben Paula nicht missbraucht oder misshandelt“, versichert Ramona Köhler.

Kontakt zum Kind ist völlig abgebrochen

Einmal durften die Angehörigen Paula in Potsdam besuchen. Doch dann wurde der Kontakt völlig abgebrochen. „Wir werden offiziell nicht informiert“, sagt Ramona Köhler. Inoffiziell habe sie erfahren, dass Paula inzwischen in einer Pflegefamilie untergebracht ist. „Die Kleine kriegen Sie sowieso nicht wieder“, soll man zu Ramona Köhler gesagt haben.

Die Familie hat sofort einen Anwalt eingeschaltet. Ekkehard Jahn aus Jüterbog vertritt Ramona Köhler und Günter Koj. Ihm werden Informationen von Staatsanwalt, Jugendamt Teltow-Fläming und der Vormünderin ebenfalls vorenthalten. „Mir ist also gänzlich unklar, was den Großeltern konkret vorgeworfen wird“, sagte er der MAZ. Nach seinen Informationen erfolgte die Herausnahme von Paula nach einer problemlosen Zeit völlig überraschend, nachdem der Verdacht auf Kindesmissbrauch aufkam. „Das Ermittlungsverfahren soll sich aber wohl nicht gegen meine Mandanten richten“, so Jahn, sie seien als Zeugen von der Polizei vernommen worden, nicht als Beschuldigte.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Unbekannt

Staatsanwalt Christoph Lange bestätigte der MAZ lediglich, dass die Staatsanwaltschaft Potsdam seit wenigen Tagen wegen eines angezeigten Sexualdeliktes ermittelt. „Die Ermittlungen richten sich gegen Unbekannt. Wir stehen noch ganz am Anfang. Das ist alles noch sehr vage und ein Ergebnis in alle Richtungen offen“, sagte er.

Das Jugendamt erteilt „zum Schutz der Interessen des Kindes“ gegenüber der MAZ keine Auskunft. Es heißt lediglich, dass das Kind schon längere Zeit unter Vormundschaft stehe und der Vormund das Aufenthaltsbestimmungsrecht habe. „Damit darf der Vormund das Kind aus der Familie herausnehmen, es bedarf nicht der Erlaubnis der Eltern und Großeltern“, erklärte die Kreis-Sozialbeigeordnete Kirsten Gurske (Linke).

Dienstaufsichtsbeschwerde gegen das Jugendamt

Dem Anwalt teilte das Jugendamt am Donnerstag schriftlich mit, dass die Erteilung von Informationen definitiv abgelehnt wird. „Unglaublich! Ich habe sofort eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht“, so Ekkehard Jahn gegenüber der MAZ. Er hat das familiengerichtliche Verfahren von 2016 wieder aufgegriffen.

Der Familie läuft indes die Zeit davon. „Es wird sich herausstellen, dass wir unschuldig sind“, sagt Ramona Köhler, „aber uns geht Zeit mit dem Kind verloren. Wir wollen unsere kleine Paula wiederhaben.“

Von Elinor Wenke

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