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Fast wie Baywatch, nur entspannter

Rettungsschwimmer mit Nachwuchssorgen Fast wie Baywatch, nur entspannter

Den Rettungsschwimmern in Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gehen die jungen Leute aus. Nachwuchs, vor allem die 18- bis 30-Jährigen, wird dringend gesucht. Die MAZ hat mit jungen Rettern gesprochen und sich erklären lassen, warum die Arbeit Spaß macht und was die TV-Stars Joko und Klaas damit zu haben.

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Großer Badespaß am Strandbad Neue Mühle
 

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen .  Es gibt wahrlich stressigere Arbeitsplätze als das Strandbad Neue Mühle in Königs Wusterhausen. So wirkt es zumindest an diesem sommerlichen Donnerstagnachmittag: Ein paar Kleinkinder planschen im knietiefen Wasser, einige Ältere ziehen weiter draußen ihre Bahnen, alles unter den wachen Augen von Hanna Lohe. Aber Zeit für einen Plausch hat die DRK-Rettungsschwimmerin allemal.

„Ich glaube, viele Jugendliche wissen gar nicht, was für einen Spaß dieser Job macht und was man damit alles erleben kann“, erzählt die 18-Jährige aus Zeuthen. Um wie sie eigenverantwortlich ein Strandbad zu überwachen, muss man mindestens 18 sein und das Rettungsschwimmabzeichen in silber haben. Für viele Jugendliche in der Region offenbar eine große Hürde, denn den Rettungsorganisationen fehlt der Nachwuchs.

„Wir haben jede Menge Kinder und Jugendliche, die schwimmen lernen wollen“, berichtet Frank Seidlitz vom DRK-Ortsverband Wildau, der auch das Strandbad in Neue Mühle betreut. „Aber von 20 Kindern im Schwimmkurs bleiben vielleicht ein oder zwei, die Rettungsschwimmer werden wollen.“ Mit zwölf kann man den ersten Rettungsschein machen, mit 16 frühestens Einsätze schwimmen. „Aber gerade bei den 12- bis 16-Jährigen bricht es dann ein“, sagt Frank Seidlitz. „Dann werden Freundinnen und Kumpels plötzlich wichtiger.“

Privatleben gerät nicht in den Hintergrund

Für Hanna Lohe schließen sich Privatleben und ihr Einsatz als Rettungsschwimmerin nicht aus, im Gegenteil: „Wenn man eine tolle Gruppe und Spaß daran hat, können bei den Rettungsschwimmern richtig gute Freundschaften entstehen“, erzählt die Abiturientin. Wie zum Beispiel zwischen ihr und Friedrike König, die an diesem Nachmittag auch im Strandbad ist. Für den selbstständigen Einsatz am Wasser ist sie mit ihren 17 Jahren noch zu jung, darum macht sie die Kasse: „Bisher habe ich immer hier im Strandbad gearbeitet, aber Rettungsschwimmer braucht man ja bei allen möglichen Anlässen.“

Zum Beispiel bei Dreharbeiten für die Pro-Sieben-Show Circus Halli Galli oder beim Helene-Beach-Festival bei Frankfurt an der Oder: „Natürlich hat man seine Schichten, aber danach kann man die Show genießen“, erzählt Hanna Lohe. Dafür trainiert sie einmal in der Woche mit den anderen Rettungsschwimmern in der Wildauer Schwimmhalle. Außerdem gibt es einen Abend in der Woche mit Fortbildungen, wo die Retter bestimmte Techniken lernen, etwa, wie man sich aus dem Griff eines Ertrinkenden befreit: „Wenn der Mensch in Panik ist, klammert er sich ja auch an dem Retter fest“, erklärt Friederike König. „Dann muss man wissen, wie man sich befreit und die Person auf den Rücken dreht, um sie zu retten. Sonst sterben ja beide.“ In wirklich brenzlige Situationen sind die zwei Freundinnen allerdings noch nie graten. Vor ihrer Rettungs-Ausbildung beim DRK waren beide schon viele Jahre lang aktive Schwimmerinnen. Kondition sei wichtiger als Geschwindigkeit, sagen sie. Tauchen, tieftauchen, schwimmen in voller Montur, retten in voller Montur, Nothilfe: Das und vieles mehr haben sie in der Ausbildung gelernt. „Ich habe das Rettungsschwimmen als sinnvoller empfunden als das bloße Schwimmen“, sagt Hanna Lohe, die mit zwölf Jahren den ersten Schein machte und Medizin studieren will. „Man hat immer ein Ziel, man lernt unheimlich viel, trifft viele nette Menschen und für eine Ausblidung kann es auch sehr nützlich sein.“ Darum findet sie es schade, dass so viele Jugendliche wieder aufhören.

Vor diesem Problem steht auch die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) im Ortsverband Ludwigsfelde-Zossen. Dort klafft die Nachwuchs-Lücke bei den 18- bis 30-Jährigen, wenn Studium oder Ausbildung rufen. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Angeboten wie Schwimmkursen: „Inzwischen haben wir auf einen Platz im Anfängerkurs fünf Bewerber“, berichtet Patrick Müller, der Vorsitzende des Ortsverbands. „Selbst aus Berlin kommen Eltern auf der verzweifelten Suche nach einem Kurs für ihre Kinder.“

Wie also genügend ehrenamtliche Helfer rekrutieren? „Wir haben gemerkt, dass es den Jugendlichen nicht ums Geld-Verdienen geht“, sagt Patrick Müller. „Die wollen helfen und Gemeinschaft erleben.“ Darum bietet der Ortsverband inzwischen mehr Gemeinschaftsaktionen an, zelten, grillen, gemeinsame Übungen: „Damit klar wird, dass Arbeit im Team Spaß macht“, so Patrick Müller. Hanna Lohe und Friederike König beschweren sich freilich auch nicht über das 400-Euro-Zubrot, das sie sich bei der Arbeit für das DRK im Strandbad verdienen: „Ist doch ein super Arbeitsplatz“, sagt Hanna Lohe. „Ich finde es toll, dass ich jetzt nach dem Abi ein bisschen hier jobben kann.“

Von Martin Küper

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