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Fastenbrechen am Moscheeplatz

300 junge Muslime in Zehrensdorf Fastenbrechen am Moscheeplatz

Zehrensdorf war bisher für sie nur ein weißer Fleck auf der Landkarte: Samstag machten sich rund 300 überwiegend junge Muslime mit der Geschichte jenes Ortes vertraut, auf dem fast auf den Tag genau vor 100 Jahren die erste nur zu Glaubenszwecken in Deutschland gebaute Moschee eingeweiht wurde. Auf dem Moscheeplatz wurde am Abend gemeinsam Fastenbrechen gefeiert.

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Chronist Werner Leese vom Förderverein Garnisonsmuseum Wünsdorf übernahm die Führung auf dem Friedhof in Zehrensdorf.

Quelle: Frank Pechhold

Wünsdorf. So eng lagen Geschichte und Gegenwart an diesem Ort lange nicht mehr beieinander. Wo vor 100  Jahren in Wünsdorf die erste Moschee in Deutschland eingeweiht wurde, feierten Samstag mehr als 300 Muslime  Fastenbrechen. Veranstalter war der türkische Jungunternehmer-Verein Young Müsiad Berlin.

Vor dem Fastenbrechen besuchten die meisten Gäste den Zehrensdorfer Friedhof. „Noch nie habe ich hier so viele geschichtsinteressierte junge Leute begrüßt“, freute sich Chronist Werner Leese. Er brachte seinen Zuhörern die Geschichte der Moschee, des Halbmondlagers und des einzigen muslimischen Friedhofes in Brandenburg  nahe. Im Halbmondlager waren während des Ersten Weltkriegs rund 4000 Muslime interniert,  die als Soldaten aus den Kolonien auf Seiten Englands, Frankreichs und Russlands gegen Deutschland und das mit ihm verbündete Osmanische Reich gekämpft hatten. Mit Gehirnwäsche und besseren Haftbedingungen sollten die Gefangenen dazu gebracht werden, in den  Heiligen Krieg (Dschihad) gegen ihre Kolonialmächte zu ziehen. Diese Rechnung ging nur bedingt auf.

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Eine außergewöhnliche Veranstaltung fand Samstag in Wünsdorf an dem Ort statt, wo vor 100 Jahren die deutschlandweit erste nur für religiöse Zwecke gebaute Moschee eingeweiht wurde. Der türkische Berliner Jungunternehmer-Verein „Young Müsiad“ hatte zum Fastenbrechen eingeladen. Rund 300 Berliner Muslime kamen.

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„Auf dem Friedhof wurden  fast  900 Christen, Moslems, Hindus und Sikhs einträchtig nebeneinander bestattet“, sagte  Leese. Vor einem Gedenkstein  für arabische Kriegsgefangene sprach Fatih Kücük ein Bittgebet für alle hier Beerdigten. „Die  meisten von uns sind genau wie ich zum ersten Mal auf diesem Friedhof“, sagte der 24-jährige  Student der Islam-Wissenschaften. Auch von der Moschee, die am  13. Juli 1915 im Halbmondlager eingeweiht wurde, habe er vorher nichts gewusst.  „Dabei liegt Wünsdorf nicht mal eine Autostunde von Berlin entfernt“, so Ömer Igac,   Young-Müsiad-Vorsitzender, auf dem Moscheeplatz.

Gut informiert zeigte sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber. „Im Gegensatz zu den meisten Bundespolitikern weiß ich, dass  es hier mal eine Moschee gab“, so der Historiker.  Damals hätten die  Kriegsgefangenen das Lager nicht  verlassen können. „Und heute gehört der Islam zu Deutschland, leben  rund zwei Millionen Menschen muslimischen Glaubens unter uns“. Dafür gab es  viel Beifall. „Es ist schön, wenn Sie das so sehen, Herr Tauber“, sagte der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu. Allerdings habe die Alternative für Deutschland (AfD) die größten Probleme damit, spielte er auf den mit Frauke Petrys Wahl zur Parteivorsitzenden vollzogenen Rechtsruck der AfD an.

Zossens Bürgermeisterin  Michaela Schreiber (Plan B) lud alle Gäste dazu ein, noch einmal wiederzukommen und sich den Friedhof und  die Stadt in Ruhe anzuschauen. Diese Einladung nimmt Seher Agsu Nak gerne an.  Die Zehntklässlerin  war mit ihrer  Mutter Kudret Nak und ihrem Bruder  Ibrahim Zengin nach Wünsdorf gekommen.   Von dem Treffen habe ihr ein Koran-Lehrer erzählt. „18 Stunden zu fasten  fällt natürlich bei 38 Grad im Schatten besonders  schwer“, sagte  sie. Im Fastenmonat Ramadan dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken.  Samstag ging die Sonne um 21.39 Uhr unter. Kurz zuvor wurde mit  Einbruch der Dunkelheit eine Tonaufnahme von 1916 per Lautsprecher eingespielt.  Ein Muezzin rief die  Gefangenen  im Halbmondlager zum Gebet auf.    Nach einem eigenen Gebet  unterbrachen alle Gäste das  Fasten,  begann das sogenannte Iftar-Essen. Vor den beiden Essenausgaben bildeten sich lange Schlangen. Gereicht wurden Plasteplatten mit  Hühnchenkeulen,  Rindfleisch,  Reis,  Salat, Linsensuppe. Traditionell aß  Seher erst  eine Dattel. „Den Dattelkern stecke ich ins Portemonnaie. Das bringt Glück.“

Von Frank Pechhold

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