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Fatale Hoffnung auf schnelles Geld

Amtsgericht Zossen verurteilt Autoschieber zu Bewährungsstrafe Fatale Hoffnung auf schnelles Geld

250 Euro sollte Bartosz P. dafür bekommen, dass er einen gestohlenen VW Touran von Baruth nach Polen bringt. Die Polizei stoppte den 35-Jährigen auf der Autobahn. Am Donnerstag wurde er wegen Hehlerei vom Amtsgericht Zossen zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.

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Einen solchen VW Touran stahl Bartosz P. in Baruth.

Quelle: Zielke

Zossen. Fast täglich liest man in der MAZ die kurzen Berichte, dass wieder einmal ein Auto abhanden gekommen ist. Die meisten gestohlenen Wagen verschwinden auf Nimmerwiedersehen und tauchen allenfalls in der jährlichen Kriminalitätsstatistik auf. Wer sind die Menschen, die vor allem nachts zuschlagen und innerhalb weniger Minuten Türschlösser und Wegfahrsperren überlisten?

Einer von ihnen, Bartosz P., saß am Donnerstag im Amtsgericht Zossen. Der 35-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt, weil er am 13. März dieses Jahres einen in Baruth gestohlenen VW Touran nach Polen bringen wollte. Kurz vor dem Dreieck Spreewald stoppte ihn eine Polizeistreife. Fast zweieinhalb Monate verbrachte er in Untersuchungshaft, im Gerichtssaal bekam er kurz bevor das Urteil fiel die Handschellen abgenommen. Bartosz P. verlässt das Gericht als verurteilter Autohehler und kann zurück ins polnische Legnice zu seiner Frau und den drei Kindern. Von dort war er am 13. März mit mehreren Männern in Richtung Baruth aufgebrochen. Wie genau er dorthin kam, wusste er nicht mehr. Durch seinen Verteidiger Thomas Blanke ließ er ausrichten, dass er vor seiner Untersuchungshaft massive Alkohol- und Drogenprobleme hatte. Nach dem Tod seiner Mutter im November 2013 sei er in ein tiefes Loch gefallen, aus dem er nicht herauskam und war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch an dem besagten Abend, der ihm 250 Euro dafür einbringen sollte, dass er den gestohlenen neuwertigen Van über die polnische Grenze schafft, sei er berauscht gewesen. „Es ging um schnelles Geld für eine einfache Nummer“, sagte sein Anwalt.

Dass der Angeklagte sich wegen der Drogen nicht an die Komplizen erinnern konnte, glaubte ihm Richter Wolfgang Böhm nicht. Vielmehr war der überzeugt, dass der Angeklagte aus Angst vor den Konsequenzen nichts über seine Hinterleute preisgeben wollte. „Was genau passiert ist, werden wir hier und heute nicht aufklären können“, sagte Böhm. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass P. bald wieder vor Gericht sitzt – als Zeuge gegen seine ehemaligen Komplizen. Dass es dazu kommt, wäre aus Sicht des Richters ein Fortschritt in einer Zeit, da immer mehr Personal bei Polizei und Justiz abgebaut wird. „Wir schaffen einen Standortvorteil für Einbrüche und Diebstähle“, sagte Böhm.

Dass der Richter Bartosz P. dennoch nicht härter bestrafte, liege an dessen Geständnis, der in Deutschland bislang lupenreinen Weste und dessen guter Sozialprognose. In Polen lebt er bei seiner Familie und leitet eine eigene Handelsfirma. Die Zeit im Gefängnis habe ihm die Augen geöffnet und geholfen, von den Drogen wegzukommen. In seinem letzten Wort sagte er: „Ich möchte mich bei dem Geschädigten entschuldigen.“

Von Christian Zielke

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