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Feldarbeit wie vor 100 Jahren

Traditionelle Roggenernte in Blankensee Feldarbeit wie vor 100 Jahren

Einmal im Jahr pflegen die Blankenseer Feldarbeit wie vor 100 Jahren. Die Männer mähen das Getreide per Hand mit der Sense, die Frauen binden die Halme zu Garben zusammen.

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Die Männer, allen voran Werner Bellin (l.), mähten das Getreide mit der Sense.

Quelle: Elinor Wenke

Blankensee. „Wir wollen heute nach Altväterart die Sense scharf machen und für unser Brot sorgen“, begrüßte der Leiter des Blankenseer Bauernmuseums, Karsten Bartoll, gestern gegen 9 Uhr die Freiwilligen, die zur traditionellen Roggenernte gekommen waren. Etwa zwei Dutzend Blankenseer und Gäste fuhren per Traktor, Auto oder Fahrrad zu einem Acker in Richtung Stücken, um die Ernte wie vor 100 Jahren mit der Hand einzubringen. „Die Fläche hat uns dankenswerterweise Landwirt Karl-Ludwig Syring zur Verfügung gestellt“, sagte Bartoll und erinnerte an die schwere körperliche Arbeit der Vorväter auf dem Acker. „Der Weg vom Pflug bis zum Brot war lang und schwer, das gerät heute manchmal in Vergessenheit“, sagte er.

Auf etwa einem halben Morgen Land (rund 1200 Quadratmeter) mähten die Männer das Getreide per Hand mit der Sense. Werner Bellin aus Blankensee ist schon ein alter Hase. Ihm ging die Arbeit flott von der Hand. „Das Getreide steht recht dünn, deshalb lässt es sich ganz gut mähen“, urteilte er. Den Neulingen gab er Experten-Tipps. „Ihr müsst gerade stehen und nicht gebückt. Und nicht mit der Spitze in den Boden stechen“, führte er die Handgriffe vor.

Dörfliche Traditionspflege

Die Blankenseer Dorfgemeinschaft und das Bauernmuseum laden jedes Jahr zur Roggenernte wie anno dunnemals ein. Damit soll an das Leben auf dem Lande in früheren Zeiten erinnert werden. Besucher sind willkommen.

Das Bauernmuseum befindet sich im ältesten Wohnhaus des Dorfes. Das 1649 erbaute Fachwerkhaus ist ein märkisches Mittelflurhaus in Form eines Wohn-Scheune-Stall-Gebäudes. Es wurde in den Jahren 1976 bis 1981 rekonstruiert.

In Blankensee werden neben der Roggenernte weitere dörfliche Traditionen gepflegt. Dazu gehören das Federnreißen, das Schnitzen von Quirlen und das Klemmkuchenbacken. Museumsfeste, Weihnachtsmarkt, Osterfeuer, Faschingsveranstaltungen und ein intakter Lehmbackofen sind weitere Beispiele der Brauchtumspflege.

Auch Dietmar Hausding aus Glau ist schon seit zehn Jahren dabei, er chauffierte gestern den Erntewagen. „Eigentlich müsste man morgens um 6 Uhr aufs Feld, da ist es noch etwas feuchter und lässt sich besser mähen“, erklärte Karsten Bartoll.

Karla Brundisch (73) und ihr Mann Jürgen Würtele (80) waren aus Blönsdorf gekommen. „Ich will für die Agrargenossenschaft einen Kalender gestalten. Da interessiert mich neue Technik, aber auch die Arbeitsweise von früher“, sagte Hobby-Fotograf Würtele.

Aus der Großstadt Berlin erst vor wenigen Tagen nach Blankensee gezogen, waren auch Annett Martini und ihr Mann Ulrich Krämer neugierig auf die Feldarbeit. „Mähen kann ich bisher nur mit dem Mund“, sagte Ulrich Krämer und scherzte: „Määäh.“ Auf dem Feld halfen beide dann tatkräftig mit.

Heike Arndt (l) und Evelyn Liebner beim Garbenbinden

Heike Arndt (l.) und Evelyn Liebner beim Garbenbinden.

Quelle: Elinor Wenke

Die Frauen und auch ein paar Männer banden die Halme zu Garben zusammen und verknoteten sie wie einen Blumenkranz. Kita-Leiterin Evelyn Liebner war mit traditioneller Leinenbluse, Rock und weißem Hegeländer gekommen. „Bei Hitze ist der Hut optimal“, sagte sie und schwärmte: „Es macht Spaß, diese Tradition zu pflegen. Viele kennen heute kaum noch diese schwere Arbeit.“ Etwas weniger begeistert von ihrer Montur war Heike Arndt aus Blankensee, die zum ersten Mal mithalf. „Ich bin heute der Lehrling“, bekannte sie und befand ihren Hegeländer als unpraktisch. „Jeans und T-Shirt wären ideal, aber das kannten die früher ja nicht“, sagte sie.

Zu den jüngsten Helfern zählte Lenny Borchert (6). Er war mit seinem Papa René Borchert bereits zum dritten Mal dabei und hatte erstmals auch seine Mutter Michaela mitgebracht. Die Potsdamerinnen Laura (6) und Clara (8) waren mit ihren Großeltern Ricarda und Bodo Gutezeit aus Ludwigsfelde angereist. „Das ist genau das Richtige für Stadtkinder“, lobte Ricarda Gutezeit.

Nachdem die Feldarbeiter in der prallen Sonne mächtig ins Schwitz gekommen waren, gab es im Schatten ein zünftiges Feld-Picknick. Gedroschen wird das Getreide beim Museumsfest am 20. September.

Von Elinor Wenke

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