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Teltow-Fläming "Fensterrätsel" offenbar gelöst
Lokales Teltow-Fläming "Fensterrätsel" offenbar gelöst
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08:11 09.08.2013
Die Fenster der katholischen Hedwigskirche in Jüterbog heute Quelle: Kathrin Burghardt
Jüterbog

Das Rätselraten um die 1940 spurlos verschwundenen expressionistischen Kirchenfenster der St.-Hedwigs-Kirche in Jüterbog scheint nun endlich gelöst. Zeitzeugen meldeten sich bei dem ehemaligen Kunstlehrer Karl Várdaru und berichteten, warum die Fenster einst nach nur sieben Jahren wieder ausgebaut wurden. Politische Gründe, wie Várdaru bislang vermutete, hatten damit offenbar nichts zu tun. Stattdessen berichteten die Zeitzeugen über andere Probleme: Die Fensterbemalung schien nicht den Geschmack der damaligen Gemeinde zu treffen und war zudem fehlerhaft in der Verarbeitung.

Mit einem Aufruf in der MAZ begab sich Karl Várdaru im Februar 2012 auf Spurensuche nach dem Verbleib der Fenster. "Ich konnte einfach nicht glauben, dass solch künstlerisch wertvollen Glasmalereien keine Spuren hinterlassen haben sollen", sagte er und bat Zeitzeugen, sich zu melden. Nach monatelanger Recherche fand er nicht nur zwei ehemalige Gemeindemitglieder, die etwas dazu sagen konnten, sondern auch eine Kunstzeitschrift von 1933, die sich mit dem Thema beschäftigte. Demnach schuf der expressionistische Künstler Hannes Schulz-Tattenpach 1930 für die Hedwigskirche tatsächlich elf Glasfenster, die nach einiger Zeit wieder ausgebaut wurden. In den Jüterboger Kirchenbüchern sind Gründe für den Ausbau nicht angegeben; "Fenster gefielen nicht", war dort nur vermerkt. Várdaru vermutete daher, dass der Fensterausbau von den Nazis aus erfolgte. Tattenpachs Werke galten damals wie viele andere auch als "entartete Kunst". "Was lag denn näher, als das Verschwinden der Fenster politisch aus der Zeit zu erklären?", sagt Várdaru heute.

Diese Woche stellte er der MAZ seine neuesten Erkenntnisse vor: Der Künstler Tattenpach experimentierte 1930 in seinem Berliner Atelier mit neuen Glasfarben, den sogenannten Kollonfarben, hat Váradaru herausgefunden. "Er hatte noch keine Erfahrung damit und tat sich schwer, die christliche Thematik damit umzusetzen. Die damals sehr moderne Fenstermalerei im expressionistischen Stil hatte offenbar einfach nicht gepasst", sagt Várdaru. Es muss wie moderne Straßengraffiti im historischen Gemäuer gewirkt haben. Dargestellt wurde offenbar der Leidensweg Christi bis zur Himmelfahrt. "Neu war die Wucht der vereinfachten Darstellungen und Formen. Seine Fenster hatten zu der Kirche keine formalen Beziehungen. Sie saßen isoliert wie Fremdkörper in dem sonst gotischen Raum", erklärt der pensionierte Kunstlehrer.

Zudem hätte sich wohl bei der neuen Fenstermaltechnik Schwitzwasser zwischen den beiden Glasscheiben gebildet, was die Malerei beschädigte. "Der Farbfilm hatte sich gelöst. Im Übrigen schienen die Kollonfarben besonders schlecht auf hohe Temperaturen zu reagieren. Die Farbe platzte wohl ab und rollte sich auf. So erklärte es die Fachzeitschrift ,Diamant'", sagte Várdaru. "Man kann sich leicht vorstellen, dass das Ergebnis nach gewisser Zeit den Betrachtern im Gottesdienst nicht gefiel, so stimmte man dem Austausch der Glasfenster zu."

Tattenpachs Atelierkollege Egbert Lammers bekam dann den Auftrag, auf traditionelle Weise die Fenster zu gestalten. Er entwarf die drei heutigen, großformatigen Heiligen-Bilder: den Heiligen Joseph (den Schutzpatron der gesamten christlichen Kirche), die Heilige Hedwig (Namenspatronin der Jüterboger Kirche) und die Heilige Barbara (Schutzpatronin der Artillerie, die damals in Jüterbog stationiert war) sowie acht weitere Fenster für das Gotteshaus. Diese sind noch bis heute in der Hedwigskirche zu sehen. "Im Ergebnis lässt sich sagen, dass die entfernten Glasfenster von Tattenpach nicht das Ergebnis der politischen Umtriebe der Nazizeit geschuldet sind", sagte Karl Várdaru.

Auch Anselm Schadow, katholischer Pastor der Gemeinde, zeigt sich aufgrund der neuen Erkenntnisse erleichtert. "Ich bin dankbar und froh, dass die katholische Gemeinde Jüterbog nicht in den Zusammenhang mit dem braunen Unsinn gebracht werden kann, und dem gegenüber anscheinend resistent war."

Von Kathrin Burghardt

Weitere Hinweise gesucht

Hannes Schulz-Tattenpach (1905 bis 1953) schuf eine große Wandplastik für das damalige Bundestagsgebäude in Bonn. Skizzen, Zeichnungen oder Fotos der Tattenpach-Fenster für Jüterbog sind bislang nicht bekannt. In der Kirchenchronik ist recht unscheinbar erwähnt, dass die von Schulz-Tattenpachs gestalteten Fenster 1940 ausgetauscht wurden
Der Künstler arbeitete bei der Herstellung der Fenster mit der Berliner Glasmosaiken-Werkstatt „Puhl & Wagner, G. Heinersdorff“ zusammen. Auch namhafte Künstler wie Otto Dix und Edgar Lammers, von dem die heutigen Fenster der Hedwigskirche stammen, waren für die Firma tätig.
Wer Weiteres zum Verbleib der Fenster sagen kann oder noch alte Fotografien der Kirchenfenster von Schulz-Tattenpach – zum Beispiel von Taufen oder Trauungen – besitzt, kann sich in der Lokalredaktion der MAZ in Jüterbog melden.

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