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Film über Rudolf Thome kommt in die Kinos

Regisseur aus Niendorf Film über Rudolf Thome kommt in die Kinos

Der bei der Berlinale gefeierte Dokumentarfilm „Rudolf Thome – Überall Blumen“ über den Niendorfer Regisseur Rudolf Thome kommt nun regulär in die Kinos. Zum Filmstart am 15. September wird es in einigen Berliner Kinos auch Gespräche mit Thome und der Doku-Regisseurin Serpil Turhan geben. MAZ traf die beiden für ein Gespräch im Niendorfer Garten.

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Der Regisseur hat großes Vertrauen zu seiner Regisseurin: Rudolf Thome und Serpil Turhan, deren Doku über den Filmemacher nun in die Kinos kommt.

Quelle: Karen Grunow

Niendorf. Er hat natürlich den Fotoapparat dabei. Als Tochter Joya vorbeikommt, muss sie schnell die Gesprächsszene festhalten, hier an dem alten treuen Tisch in dem Niendorfer Garten, der herrlich grün die Scheunenmauer hochwuchert. Zwei Stunden später wird das Foto bereits online zu sehen sein, auf Rudolf Thomes Blog, der seit 13 Jahren sein öffentliches Tagebuch ist. Tagtäglich setzt er Bilder rein, erzählt von seinen Befindlichkeiten, den Begegnungen, den Sorgen. Und den Blumen, die um ihn herum wachsen. „Rudolf Thome – Überall Blumen“ heißt denn auch ein Dokumentarfilm, den Serpil Turhan über den Niendorfer gedreht hat. Der Film, der am 15. September bundesweit in die Kinos kommt, gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, den Mann, der selbst 28 Spielfilme gedreht hat, in seinem Alltag zu beobachten. „Es ist im Grunde genommen ein total intimer Film“, sagt Thome über Turhans Dokumentation. Und: „Keinem anderen hätte ich das erlaubt.“

Vor kurzem ist Serpil Turhan mal wieder bei ihm gewesen. Die Regisseurin und Schauspielerin war früher selbst Protagonistin in Thomes Filmen, dann auch seine Regieassistentin, sie studierte außerdem in Karlsruhe an der Hochschule für Gestaltung; schon für ihre Diplomarbeit, den Dokumentarfilm „Dilim Dönmüyor – Meine Zunge dreht sich nicht“ heimste sie viel Lob ein.

Mit tiefer Verbundenheit

„Rudolf Thome – Überall Blumen“ wurde im Februar bei der Berlinale vorgestellt und begeisterte und berührte Kritiker wie Publikum gleichermaßen. Genau und mit der Zärtlichkeit tiefer Verbundenheit beobachtet Turhan den Alltag des 76-Jährigen, die täglichen Radtouren zum See im nahen Körba, die Gartenpflege, das Schreiben und Zweifeln. Schaut zu, wie Thome in den in Niendorf lagernden Filmkopien und diversen Filmrequisiten stöbert, Dinge wiederentdeckt, Kostüme von Hannelore Elsner etwa. Vor einigen Monaten nun holte ein Team des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt/Main einiges von diesem Schatz ab. „Ich habe tagelang in diesen Räumen gedreht“, erinnert Serpil Turhan sich. Träumerisch ließ sie die Kamera über diesen Fundus gleiten. Es erschüttert, all das so verstaubt, vergessen zu sehen. Sie war bei dem Dreh nicht nur die Regisseurin, sondern zugleich ihre eigene Kamera- und Tonfrau und letztlich auch Sprecherin des Films.

Er hätte, sagt Thome, manchmal noch andere Szenen für die fertige Doku ausgewählt. „Aber Rudolf“, sagt Serpil Turhan da energisch und fängt an, ihre Auswahl zu erklären. „Für mich ging es nicht nur um Rudolf als Filmemacher, sondern auch um jemanden, der über das Älterwerden spricht“, sagt sie. Die beiden diskutieren und man spürt: Hier begegnen sich zwei auf Augenhöhe, menschlich wie künstlerisch, aber jeder von ihnen hat einen anderen Blick für die Bilder des Lebens.

Blick in Rudolf Thomes Garten in Niendorf

Blick in Rudolf Thomes Garten in Niendorf.

Quelle: Karen Grunow

Die Dokumentation setzt ein, als Thome beschließt, ein neues Drehbuch zu schreiben. Er kündigt an, es werde sein letztes sein, sollte sich die Finanzierung für den geplanten Film nicht klären. Für Rudolf Thome ist diese Arbeit an dem Drehbuch, das letztlich nicht realisiert werden wird, der rote Faden von Serpil Turhans Film über ihn. „Ich schreibe in einem Zustand extremer Konzentration. Das ist wie frisch verliebt sein“, sagt er. Als sie erfuhr, dass er ein neues Filmprojekt plant, packte sie eine Kamera ein und fuhr nach Niendorf. „Dass du da zugucken durftest, war für mich nicht einfach“, sagt er nun nachdenklich zu ihr an dem alten Tisch im Garten, auf dem neben seiner kleinen Kamera auch Zigaretten liegen und Weingläser stehen. Zwischendurch kommt seine Lebensgefährtin, die er immer als „meine ägyptische Freundin“ bezeichnet, vorbei, bringt Eis für den neugierig fragenden und gespannt lauschenden Gast, der schon, kaum dass er das Gehöft betreten hatte, zum schmackhaften Mittagessen eingeladen worden war.

Der Niendorfer Bauernhof, auf dem Thome seit nunmehr 25 Jahren lebt, hat sozusagen die zweite Hauptrolle in Turhans Film. Wie schrieb Thome gerade in seinem Tagebuch? Der Bauernhof sei ein Abbild seiner Seele geworden. „Das ist das, wovon ich geträumt habe“, sagt er über diesen Ort. Tochter Joya drehte dort eben ihren Kinderfilm „Die Königin von Niendorf“. Das Filmteam campierte wochenlang auf Thomes Hof, der nicht zum ersten Mal zur Kulisse wurde.

Hannah Herzsprung in der Badewanne

Auch er selbst filmte dort. Für drei seiner Werke wurde der Bauernhof zum Drehort. Hannah Herzsprung beispielsweise stieg für „Pink“ in die Niendorfer Badewanne. Wie verwurzelt Thome im Dorf ist, zeigten nicht zuletzt die Dreharbeiten seiner Tochter, die den ganzen Ort auf Trab hielten. Täglich schauen rund 250 Leser in sein Tagebuch, manchmal erhält er dann Grüße aus Nachbarorten, immer wieder auch Tipps für die Blumenpflege. Zur Berlinale-Premiere von Turhans Doku kamen auch Leute aus der Region.

Nun gibt es bald wieder Gelegenheit , diese faszinierend ehrlichen Einblicke in Thomes Leben zu sehen. Im Kino in den Hackeschen Höfen in Berlin wird es am 17. September auch ein Filmgespräch geben, im Berliner Kino fsk ist das für den 16. September geplant. Außerdem werden dort drei Filme Thomes gezeigt: Sein an die Nouvelle Vague erinnerndes gefeiertes Langfilm-Debüt „Detektive“ von 1968 mit Uschi Obermaier, Iris Berben, Ulli Lommel und Marquard Bohm. Der spielte auch 1970 in „Rote Sonne“ mit. Einer der bekanntesten Thome-Filme ist zweifelsohne „Berlin Chamissoplatz“ von 1980 mit Hanns Zischler, eine so wunderbare wie konfliktreiche Liebesgeschichte, zugleich ein Porträt jener Zeit in Berlin zwischen Hausbesetzerszene und drohender Gentrifizierung.

Thome bastelt schon wieder an seinem Blog, während Serpil Turhan später noch kurz mit dem Besuch am Dorfteich steht und plaudert. „Ich brauch mal deine Hilfe bei der Bildauswahl“, holt er sie zurück ins Haus. Man ahnt: Sie werden bestimmt wieder ein wenig diskutiert haben. Ganz liebevoll.

Info: Unter www.moana.de gibt es das Online-Tagebuch Thomes sowie Drehbücher seiner Filme und Infos dazu.

Von Karen Grunow

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