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Fleischer: „Man stellt mich als Lügner hin“

Traditionsfleischerei beschäftigt jetzt den Kreis Fleischer: „Man stellt mich als Lügner hin“

Seit mehr als 20 Jahren betreibt Rainer Bendig in Mahlow eine Fleischerei mit Küche und Partyservice. Nun versagt ihm die Untere Bauaufsicht die Baugenehmigung. Bürger und MAZ-Leser sind empört. Der, so ein Politiker, „skandalöse“ Fall beschäftigt nun den Kreistag Teltow-Fläming.

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Rainer Bendig (l.) im – ruhigen – Gespräch mit Norbert Jurtzik nach der Sitzung des Kreisausschusses.

Quelle: Elinor Wenke

Luckenwalde. Mit dem Fall der Fleischerei Bendig in Mahlow befasste sich nun auch der Kreisausschuss des Kreistages Teltow-Fläming. Firmeninhaber Rainer Bendig (62) steht vor einem großen Problem. Er betreibt Küche und Partyservice derzeit ohne gültige Baugenehmigung. Nach Beschwerden eines Nachbarn wegen Belästigungen hatte die Untere Bauaufsicht des Kreises Anfang des Jahres verlauten lassen, dass die seit über 20 Jahren betriebene Küche ein Schwarzbau sei. Den nachgereichten Bauantrag lehnte sie in der vorigen Woche ab. Bendig hat dagegen Widerspruch eingelegt und erntet in sozialen Netzwerken und bei den MAZ-Lesern inzwischen große Sympathien.

Wo bleibt die Kompromissbereitschaft?

Ungeachtet dessen verteidigte Norbert Jurtzik, Chef der Unteren Bauaufsicht, die Entscheidung seiner Behörde. Ein Partyservice mit Betriebszeiten ab 4 Uhr – und das auch am Wochenende – könne in einem Mischgebiet, das vorrangig dem Wohnen diene, nicht genehmigt werden. Danny Eichelbaum (CDU) hingegen bezeichnet das Vorgehen der Verwaltung als „skandalös“. Er forderte sie zu Kompromissbereitschaft und Nutzung ihres Ermessensspielraumes auf. „20 Jahre lang hat die Behörde alles geduldet und nichts gemacht, jetzt stehen 80 Arbeitsplätze auf dem Spiel“, sagte Eichelbaum.

Fleischer trifft auf Landrätin

Bendig selbst ist enttäuscht. „Wir betreiben die Firma in fünfter Generation und sind seit 1959 in Mahlow ansässig, da hat man doch so was wie Bestandsschutz“, sagte er. Jurtzik will sich in Abstimmung mit Landrätin Kornelia Wehlan (Linke) mit Bendig an einen Tisch setzen. „Wenn man die Betriebszeiten anpasst oder möglicherweise Teile der Firma verlagert, könnte es eine Lösung geben“, so Jurtzik.

Das Nutzungsverbot für die Küche ist derzeit ausgesetzt. Am Tag nach der Kreisausschusssitzung gibt sich Rainer Bendig kämpferisch. Kompromisse ja, aber eine Verlagerung der Küche in ein Gewerbegebiet werde es nicht geben. 80 000 Euro habe man in den vergangenen Jahren investiert, um die gesetzlichen Anforderungen an Hygiene und Arbeitsschutz zu erfüllen.

„Man stellt mich als Lügner hin“

Ihn ärgert, dass die Bauaufsicht ihm nicht glaubt, dass er 1993 eine rechtmäßige Genehmigung für den Umbau der alten Schmiede bekommen hat. „Man stellt mich als Lügner und Betreiber eines Schwarzbaus hin“, ärgert sich Rainer Bendig. Weder er noch die Behörde können das wichtige Schriftstück vorlegen. Ihn wundert, dass das Veterinäramt des Kreises die Küche stets für in Ordnung befunden hat. „Offenbar haben die kein Problem, dass sie jahrelang einen Schwarzbau kontrolliert haben“, sagt er. Dennoch ist Rainer Bendig überzeugt, dass er keinen Fehler gemacht hat.“Damals musste alles schnellgehen, man musste flexibel sein“, erinnert er sich an die wilden Nachwendejahre.

Der aktuelle Schwebezustand verunsichert die Mitarbeiter und die Kunden, sagt Geschäftsführer René Raböse. 17 Hochzeitsfeiern im kommenden Jahr wurden abgesagt, einige haben ihre Weihnachtsgansbestellung storniert. „Wir müssen Entscheidungen treffen“, sagt Raböse. Er will in Berlin einen neuen Laden eröffnen und eine mehrere zehntausend Euro teure Maschine anschaffen.

Möglicherweise Lösung für Vereinshaus

Zumindest im Streit um das Vereinshaus könnte sich eine Lösung anbahnen. Laut Blankenfelde-Mahlows Bürgermeister Ortwin Baier verzichtet die Gemeinde auf einen Gerichtsstreit mit dem Kreis wegen der zurückgezogenen Baugenehmigung. „Stattdessen wollen wir eine Baugenehmigung, die mit allen Beteiligten abgestimmt ist“, sagt Baier. Möglich sei, die Dauer oder die Zahl von Feiern im Vereinshaus zu begrenzen. „Wir werden eine Lösung finden“, sagte Baier. Er ist zuversichtlich, dass diese bis Anfang Dezember auf dem Tisch liegt.

Von Elinor Wenke

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