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Flinke Hufe im Traber-Finale

Horstfelde Flinke Hufe im Traber-Finale

Deutscher Amateurmeister im Trabrennsport! Davon hat André Pögel schon seit vielen Jahren geträumt. Nun ist der Traum des 44-jährigen Hufschmiedes aus Klein Ziescht endlich in Erfüllung gegangen. Auf der Trabrennbahn in Hamburg stürmte er mit der Stute Mon Etoile (zu Deutsch: Kleiner Stern) zum lang ersehnten Sieg.

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Ein erfolgreiches Gespann: Trainer Thorsten Tietz, Pflegerin Josephine Schiller und André Pögel (v. l.) mit der Traberstute Mon Etoile in der Horstfelder Dorfaue.

Quelle: foto: Frank Pechhold

Horstfelde. Mon Etoile macht André Pögel zum Deutschen Amateurmeister im Trabrennsport. In Hamburg trabte der Hufschmied aus Klein Ziescht im Sulky mit der vierjährigen Stute zum Sieg. Damit darf er 2018 bei der Europameisterschaft in Budapest an den Start gehen.

„Ein Traum ist wahr geworden“, sagte der frisch gekürte Champion am Mittwoch in Horstfelde. Dort steht das von Josephine Schiller gepflegte und Berufstraber Thorsten Tietz trainierte Siegerpferd Mon Etoile (zu Deutsch: Mein Stern) im Stall. Eigentlich sei er Sonntag auf der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld krasser Außenseiter gewesen, so Pögel. In allen drei Vorläufen über die Distanz von 2000 Metern hätten andere gewonnen. Aber im Finale ging Pögels Stern auf. Auf der Sandbahn fuhr er ein taktisch diszipliniertes Rennen. Kurz vor der Ziellinie sprintete Mon Etoile an Montecore Mo mit Christoph Pellander vorbei und holte mit einer Halslänge Vorsprung den Sieg. „So ein bedeutendes Rennen zu gewinnen, ist ein sehr schönes Gefühl“, freut sich André Pögel über seinen bisher größten sportlichen Erfolg.

Drei Pferde aus dem Stall von Trainer Thorsten Tietz im Finale am Start

In dem Zwölfer-Feld musste er sich auch starker Konkurrenz aus dem eigenen Stall erwehren. „Wir hatten drei Pferde im Finale am Start“, sagt Trainer Thorsten Tietz. Hans-Jürgen von Hold mit Muscle Design belegte den fünften Platz. Dritte wurde Sarah Kube mit Unforgettable. Als bestplatzierte Traberin vertritt sie damit Deutschland 2018 bei der Frauen-Europameisterschaft in Italien. „Mit Mon Etoile hat am Ende das beste Pferd gewonnen“, sagt Tietz. „Das ist schon eine sehr spezielle Stute: launisch und zickig“, so Pflegerin Josephine Schiller. Eigentlich hätte ihre „Lieblingszicke“ schon viel mehr Siege einfahren können, wenn sie ihre Nerven besser im Zaum behalten hätte, nicht galoppiert statt getrabt wäre und deshalb disqualifiziert wurde. „In Hamburg ist es mir gelungen, das Temperament von Mon Etoile zu zügeln“, sagt André Pögel.

Pferde sind für den deutschen Amateur-Meistertraber „das Größte, gleich nach meiner Familie”. Pögel wurde in Klein Ziescht auf dem elterlichen Bauernhof mit Pferden groß. Schon als Achtjähriger konnte er sicher mit Pferd und Wagen umgehen. Sportlich verdiente er sich seine Sporen beim damaligen SC Mückendorf. Dort widmete er sich der Vielseitigkeits-Reiterei. Von den drei Disziplinen Springreiten, Dressur und Military machte ihm das Springen am meisten Spaß. Von Bezirksspartakiaden brachte er Gold-, Silber- und Bronzemedaillen mit nach Hause.

Von Unfällen bisher weitgehend verschont geblieben

Nach der Wende wechselte er zum Trabrennsport. Um den Amateurstatus zu erlangen, erwarb Pögel 1997 die dafür erforderliche Lizenz. Voraussetzung waren Schulungen. Vermittelt wurde Wissen über die Anatomie des Pferdes, Grundlagen des Trabrennsportes und die Kleiderordnung eines Fahrers: Overall mit buntem Oberteil und ausschließlich weißer Hose, Helm und Schuhe.

Von Unfällen blieb er bis auf wenige Ausnahmen verschont. Aber es habe schon Rennsituationen gegeben, in denen Fahrer aus dem Sulky gefallen wären, an denen er gerade noch vorbei gekommen sei, so Pögel. „Einmal habe ich leider die Leine und damit die Kontrolle verloren.“ Traberpferde werden ausschließlich über die Fahrleine dirigiert. Während die Hände arbeiten, stecken die Füße fest in dem schmalbereiften Sulky. In den über ein Gestänge mit den beiden Rädern und dem Pferd verbundenen Kunststoff-Sitz passt wirklich nur der Po des Fahrers rein. „Wenn man in so einer Sitzsituation bei einem Rennen die Leine verliert, ist das so, als ob plötzlich im Auto das Lenkrad abfällt“.

Knapp 500 Rennen bisher gefahren

Unbeeindruckt von den wenigen Missgeschicken ist André Pögel immer wieder aufgestanden und weiter getrabt. Höhepunkte seiner bisherigen Amateur-Laufbahn waren 2011 die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Frankreich und 2010 der Start bei der Europameisterschaft in Belgien. Fünf Mal wurde er Berliner Champion. Insgesamt stehen 2500 Rennen zu Buche. „Davon habe ich knapp 500 gewonnen.“ Viele Siege und gute Platzierungen errang der 44-Jährige auf den beiden Berliner Trabrennbahnen in Karlshorst und Mariendorf.

Trotz dieser beeindruckenden Bilanz bleibt Trabrennsport für ihn ein schönes Hobby. Im Gegensatz zu den Berufsfahrern stehe weniger der finanzielle als der sportliche Erfolg im Vordergrund, so Pögel. Beruflich verpasst der gelernte Hufschmied weiter nicht nur seinen, sondern auch anderen Pferden in Brandenburg, Berlin und Schleswig Holstein flinke Hufe. Aktuell ist Hochsaison. Da beschlagen Pögel und sein Gehilfe Sebastian Gläser schon mal elf, zwölf Pferde am Tag. „Zeit zum Training bleibt da nicht.“

Von Frank Pechhold

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