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Teltow-Fläming Fluchtbilder in Wünsdorf
Lokales Teltow-Fläming Fluchtbilder in Wünsdorf
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13:55 27.04.2016
Das jüngste Werk in der Ausstellung passt ins Heute. Quelle: Karen Grunow
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Wünsdorf/Oehna

Es ist ihr Thema. Die Millionen Menschen, die derzeit auf der Flucht sind, das Entwurzeltwerden, das Suchen, das Ankommen in der Fremde, das sich oft nicht wie ein Ankommen anfühlen mag. Emily Pütter malt das Geschehen der Zeit, sie tut es assoziativ. Wer sich einlässt auf ihre Bilder, begibt sich selbst auf eine Reise. Rund 50 ihrer aktuellen Arbeiten werden nun in der Neuen Galerie in Wünsdorf zu sehen sein. Am Sonnabend um 15 Uhr beginnt die Vernissage. Wendelin Renn, Leiter der Städtischen Galerie im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen, wird als Laudator erwartet. Der Komponist und Musiker Michael Neil plant elek-tronische Improvisationen.

Mit ihm zusammen hatte Pütter im vergangenen Jahr auch das Kunstfestival „Schlachten“ in Luckenwalde zum ersten Mal initiiert, auch da beschäftigten sich die ausgewählten internationalen Künstler mit Flucht und Vertreibung. „Woher kommen wir? Wo sind wir? Wohin gehen wir?“, Emily Pütter stellt sich diese Fragen permanent und eigentlich mit jedem Bild wieder neu. „Ich habe die Obsession zu verstehen, was politisch los ist auf der Welt“, sagt sie als sie durch die Räume der Neuen Galerie wandert, wo ihre Werke noch an die Wände ygelehnt auf dem Boden stehen. Gemeinsam mit Margitta Wünsche vom Amt für Bildung und Kultur des Landkreises Teltow-Fläming hat sie die Ausstellung zusammengestellt. In ihr hatte Pütter auch sofort eine begeisterte Unterstützerin des „Schlachten“-Festivals gefunden, das im nächsten Jahr fortgeführt werden soll. Dann in Kooperation mit dem marokkanischen Künstler und Mäzen Mostapha Romli, der die Biennale in Casablanca gegründet hat und mit seiner Stiftung eine Künstlerresidenz in der Fläming-Region aufbauen will. Emily Pütter hatte seine Neugier auf den Landstrich und das Projekt geweckt.

Irgendwo ist vielleicht auch das Ziel: Eine Reise ins Ungewisse, gemalt von Emily Pütter Quelle: Karen Grunow

Sie war selbst schon Gast von Romlis Stiftung und bei seiner Biennale in Marokko. Eine der vielen Stationen ihres Lebens, das 1955 in Freiburg begann und sie nach Mexiko und lange nach Spanien führte. Dieses Reisen, sich immer wieder neu zu finden und etablieren zu müssen, ist also ihr ureigenes Thema. In Oehna leben sie und Michael Neil seit einigen Jahren. Hier hatten sie auch zeitweilig Hühner. Das erklärt zumindest ein bisschen die Vielzahl an Hühner-Bildern, die überall in der Wünsdorfer Ausstellung auftauchen werden.

„Hühner gibt es überall auf der Welt“, sagt Emily Pütter und überlegt: „Eigentlich ist es das globalisierte Tier.“ Als sie vor Jahren die ersten Bilder der aus Syrien flüchtenden Menschen sah, waren dort immer auch Tiere, vor allem Schafe und Hühner. Tiere, die Heimat bedeuten können. Sie zitiert Rilke: „Die findigen Tiere merken es schon, daß wir nicht sehr verlässlich zu Haus sind in der gedeuteten Welt.“ So bekommen ihre Bewegungsstudien der gackernden Zeitgenossen ganz bewusst eine tiefere Dimension.

Tiere sind häufige Motive. Quelle: Karen Grunow

Vor wenigen Tagen erst hat Emily Pütter ein Gemälde fertiggestellt, auf dem im Vordergrund dicke Rollen Stacheldraht den Weg absperren, ein Menschenstrom zieht gleichförmig voran, manche laufen gebeugt, andere forscheren Schritts. Doch sie kommen nicht weiter an den Bahngleisen, den Grenzen. Ein Gedankenbild: „Die Schatten der Schatten der Masse, die auf der Schattenseite ist“, so interpretiert Pütter es selbst.

Fast ein Jahr lang hat sie an diesem Werk gearbeitet. „Ich weiß nie genau, was wird“, erzählt sie über den Prozess des Malens. Die Künstlerin legt Schichten über Schichten, lässt die Arbeit zeitweilig los. „Und plötzlich ist es da“, sagt sie über den Moment, in dem ihr klar wird, dass sie fertig ist. Mittlerweile arbeitet Pütter längst nicht mehr nur mit Öl, sie benutzt ab und an auch Sprayflaschen, sprüht Nebel oder Ornamente. Wie auf ihrem großen Wünsdorf-Bild, auf dem die charakteristischen, kegelförmigen Bunker auftauchen. Das alltägliche Leben vor Ort in und mit der militarisierten Landschaft hat sie dazu inspiriert. „Das ist wie ein Wünsdorf-Blues“, sagt sie über das Bild, ein Abgesang auf das Verschwinden in der Geschichte.

Hühner bevölkern die Galerie. Quelle: Karen Grunow

Emily Pütter wird auch am 7. Mai, zum Tag des offenen Ateliers, in ihrer Ausstellung sein ab 13.30 Uhr. Sie will dann eigene kleine Texte und Gedanken vortragen. Meist notiert während sie malt, spontane Eingebungen wie die Assoziation zum hier überschriftgebenden Auflauf: „Nicht umsonst hat Malen mit Kochen zu tun – Schicht auf Schicht“, ist eines von Pütters faszinierenden Gedankenspielen. Denn so wie bei einem Auflauf die Zutaten übereinander geschichtet werden, so entstehen auch ihre Bilder. Zutat um Zutat, Schicht für Schicht.

So verschwinden plötzlich die verblühenden Blumen, „Ausradierungen“ nennt sie jene großformatigen Bilder, bei denen sie teilweise auch mit Asche experimentiert hat. Sie sind von ihren Wurzeln getrennt, wie die merkwürdigen Menschenwesen auf einem anderen Bild, deren Füße weitreichendes Wurzelwerk sind und die trotzdem fort müssen aus der Heimat, zu Vögeln werden, die im Schwarm der Masse auf der Flucht sind.

Info: Emily Pütters Ausstellung „E-Motionen“ wird am Samstag um 15 Uhr in der Neuen Galerie in der Gutenbergstraße 1 in Wünsdorf-Waldstadt eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 12. Juni, geöffnet ist donnerstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Von Karen Grunow

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