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Flüchtlinge an der TH Wildau

Welcome-Center startet Flüchtlinge an der TH Wildau

Das neue Welcome-Center der Technischen Hochschule Wildau kümmert sich um studieninteressierte Geflüchtete. International besetzt ist das derzeit sechsköpfige Team, das als erstes großes Projekt eine Summer School für Flüchtlinge realisiert hatte.

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Das Team mit Summer-School-Teilnehmern.

Quelle: TH Wildau/Bernd Schlütter

Wildau. Sie alle haben die Hoffnung, hier studieren zu können. Und ich ebenso“, sagt Mustafa Ramiz Ahmadi. Seit Oktober 2015 ist der junge Afghane in Deutschland. Nachdem er zunächst in der Flüchtlingsunterkunft in Uckley untergekommen war, hat er nun eine kleine Wohnung in Wildau. Und er gehört zum Team des neuen Welcome-Centers der Technischen Hochschule Wildau, das sich um studieninteressierte Geflüchtete wie ihn kümmern will. „Das Ziel der Gruppe ist, eine weltoffene Hochschule zu schaffen, wo alle Menschen der Welt gleiche Rechte, Chancen und Möglichkeiten haben“, sagt der Ungar Peter Tóth.

Seit wenigen Wochen erst gibt es dieses Welcome-Center, Friederike J. Geithner ist die Koordinatorin. Gemeinsam mit ihrem internationalen Team hat sie soeben eine Summer School für Flüchtlinge durchgeführt, 19 Interessenten aus Unterkünften der Region, unter anderem aus Massow, Uckley und Wernsdorf, hatten sich angemeldet. Neben Deutschkurs und Campus-Rundgang gehörten auch Ausflüge zum Programm der zwei Wochen. Nicht immer konnten alle Teilnehmer dabei sein, etwa weil sie oft noch andere Termine erledigen mussten oder teilweise in ihren Unterkünften als Dolmetscher für andere Geflüchtete fungieren.

„Viele waren offen und hilfreich“

Weit mehr als 30 Unterkünfte hatten Geithner und ihre Kollegen zuvor aufgesucht, um das Projekt vorzustellen. „Viele waren offen und hilfreich“, sagt sie. Manche aber schotteten sich ab, auch diese Erfahrung mussten sie und ihre Mitstreiter hin und wieder machen.

Für die Inderin Madhuri Gullakuntla, die in Wildau den Master-Studiengang Aviation Management absolviert, war gerade diese Marketing-Woche eine besonders intensive Zeit: „Ich bin dankbar für diese unglaubliche Erfahrung, helfen zu können“, sagt sie. Kommilitone Deep Raghubanshi aus Nepal hatte zuvor genauso wenig persönliche Berührungspunkte wie sie zu Menschen, die aus ihren Heimatländern fliehen mussten. Für ihn, erzählt er, sei auch bei den Ausflügen vieles selbst neu gewesen, er habe beispielsweise bei einem Besuch im Berliner Dom einiges dazugelernt über den hiesigen Umgang mit Religion.

Mustafa Ramiz Ahmadi, der in Afghanistan schon einen Studienabschluss erworben hat und nun hierzulande gern weitermachen würde, aber noch immer auf seine Aufenthaltserlaubnis wartet, hatte für den Beginn der Summer School eine Präsentation vorbereitet. Er sprach über das Hochschul- und Bildungssystem in Deutschland und einen Vergleich zu dem in Afghanistan. Solche informativen Summer Schools gibt es auch an einigen anderen deutschen Hochschulen, sagt Friederike J. Geithner. Dort werden sie jedoch oft von Studenten organisiert. Derartiges Engagement fehle ihr noch bei den Studierenden der TH.

Friederike J

Friederike J. Geithner (2. v. r.) und einige Mitarbeiter: Ahmad, Alnaeb, Mustafa Ramiz Ahmadi, Deep Raghubanshi und Madhuri Gullakuntla.

Quelle: Karen Grunow

Aber auch dafür will das Team des Welcome- Centers arbeiten: Das seit langem an der Hochschule existierende Buddy-Programm, bei dem neuen Studierenden aus anderen Nationen das Ankommen durch Kontakte zu älteren Studenten erleichtert werden kann, soll intensiv ausgebaut werden. Schon Ahmad Alnaeb vom Welcome-Center hat in den vergangenen Tagen gemerkt, wie motivierend der Kontakt für die studieninteressierten Flüchtlinge ist. Er selbst ist Syrer und kam bereits vor einigen Jahren zum Studium nach Deutschland, zur Zeit ist er Master-Student an der TH im Fach Wirtschaftsinformatik. „Es hilft ihnen, wenn sie sehen, dass ich Deutsch spreche. Sie merken, dass können sie auch lernen“, sagt er.

Nun muss noch die Finanzierung für die Projekte des Welcome-Centers geklärt werden. Ab Oktober bereits soll es ein Studienvorbereitungsprogramm für Geflüchtete geben. Idealerweise in zwei Gruppen, einmal für die mit bereits guten Deutschkenntnissen, dann aber auch für diejenigen, die kein Deutsch sprechen. Schon seit längerem gibt es Sprachkurse für Geflüchtete an der TH. Das Engagement ist in vielen Bereichen groß. Dass nun das Welcome-Center überhaupt möglich wurde, geht maßgeblich auf die TH-Vizepräsidentin Ulrike Tippe zurück und auf Daniela Schultz, die frühzeitig die ersten Sprachkurse für Flüchtlinge initiiert hatte.

In kurzer Zeit viel gelernt

Es hilft natürlich ungemein, dass in dem Team viele Sprachen gesprochen werden. Trotzdem hatten sich Geithner und ihre Mitarbeiter für die Teilnehmer der Summer School auch Aufgaben überlegt, die sie in Gruppen und ohne Dolmetscher lösen mussten. Einer hatte ihnen nach den zwei Wochen gesagt, dass er während der Summer School mehr gelernt habe als in dem ganzen Jahr zuvor, das er bereits in Deutschland verbringe. Für viele war die Zeit in Wildau auch Anstoß, sich nun intensiver mit der hiesigen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Gerade die Informationen zur deutschen Geschichte seien für viele ganz neu gewesen.

„Jetzt ist die große Aufgabe, künftige Studierende zu gewinnen. Wir werden erneut in die Unterkünfte gehen“, sagt Geithner. „Wir hoffen auch, dass die Summer-School-Teilnehmer nun Multiplikatoren werden in den Unterkünften“, so Geithner. „Hoffentlich können wir helfen für die Zukunft der Menschen“, sagt Deep Raghubanshi. „Damit sie unsere Kommilitonen und Kollegen werden können“, hofft Ahmad Alanaeb.

Info: Informationen zu den Angeboten der TH gibt er unter www.th-wildau.de/refugees

Von Karen Grunow

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