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Teltow-Fläming Flüchtlinge bringen Rieselfelder auf Vordermann
Lokales Teltow-Fläming Flüchtlinge bringen Rieselfelder auf Vordermann
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05:40 15.11.2016
Ramona Albert (3.v.l.) hat die jungen Männer aus Syrien und Eritrea angeleitet und bei der Arbeit auf dem Rieselfeld begleitet. Quelle: Zielke
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Großbeeren

„Na, ob sie kommen?“, fragt sich Christa Henkel. Sie ist Mitglied im Fachbeirat für die Großbeerener Rieselfelder und nicht sicher, ob die jungen Männer aus der Flüchtlingsunterkunft an diesem nasskalten Tag zum Arbeiten kommen. Ein paar Minuten später sind sie da und greifen sofort zu Grabegabel und Schubkarre.

Projekt vom Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg

Wie immer in den vergangenen Wochen werden sie von Ramona Albert begleitet. Sie absolviert derzeit ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) beim Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg. Dessen Vorsitzender Stephan Parsiegla hatte die Idee, Flüchtlinge für die Arbeit in der Natur zu gewinnen. Landschaftswerkstatt nennt sich das Projekt, bei dem die jungen Männer aus Krisengebieten im Frühjahr die Obstbäume auf den früheren Rieselfeldern in Form geschnitten haben.

Im Herbst haben sie sich des technischen Teils des Denkmals angenommen und den Sockel des meterhohen Standrohrs sowie das Absetzbecken vom Wildwuchs befreit.

Wael Zeron: Ich wollte nicht zur Armee, ich wollte nicht in den Krieg“

Wael Zeron ist der Regen in Deutschland allemal lieber als der Bombenhagel in seiner Heimat Syrien. Von dort ist der 21-Jährige mit seinem jüngeren Bruder Ahmad vor einem Jahr geflüchtet. „Ich wollte nicht zur Armee, ich wollte nicht in den Krieg“, sagt er. Die Arbeit auf dem Rieselfeld sei eine willkommene Abwechslung zur Langeweile des Übergangswohnheims. „Ich lerne jeden Tag 50 deutsche Wörter, aber ich kann sie nicht benutzen. Manchmal unterhalte ich mich mit dem Spiegel“, sagt er. Deutschland sei seine zweite Heimat. „Ich möchte arbeiten, weil ich Rechte und Pflichten habe“, sagt Wael Zeron. Am liebsten würde er Journalismus und Politik studieren.

Langeweile in der Gemeinschaftsunterkunft

Wie Wael hat auch Malik Al Hassan arabische Literatur studiert. Und wie Wael ist auch er mit seiner Flucht der Einberufung in die syrische Armee zuvorgekommen. „Ich komme aus einem Gebiet, wo der IS geherrscht hat“, sagt der 27-Jährige, der seit einem Jahr in Großbeeren lebt und als Flüchtling anerkannt ist. „Ich suche eine Wohnung, aber ich finde nichts“, sagt er. Die Langeweile in der Gemeinschaftsunterkunft sei oft nur schwer auszuhalten. „Ich würde gern ein neues Leben beginnen, aber dort geht das nicht“, sagt Malik Al Hassan.

„Am Anfang war ich skeptisch, ob überhaupt jemand mitmacht“, erinnert sich Ramona Albert. Ein fester Kern von fünf Leuten hat sich jede Woche zum Arbeitseinsatz getroffen. Immer wieder habe sie gehört, dass die Flüchtlinge mit ihrer Hilfe dem Land, das sie aufgenommen hat, etwas zurückgeben wollen. Und das Zertifikat, das es anstelle von Geld gibt, soll als Start in ein neues Leben dienen.

Von Christian Zielke

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