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Teltow-Fläming Flüchtlings-Engagement: Politiker wird bedroht
Lokales Teltow-Fläming Flüchtlings-Engagement: Politiker wird bedroht
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13:22 22.01.2016
Jan Hildebrandt beim Fensterputzen in der Flüchtlingsunterkunft am Kurparkring. Quelle: Christian Zielke
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Rangsdorf

Jan Hildebrandt sitzt in einem Zimmer in der Rangsdorfer Flüchtlingsunterkunft. Der Rettungssanitäter und Vorsitzende der Rangsdorfer Gemeindevertretung kam direkt von der Nachtschicht und hat in den Containern die Fenster geputzt. Nun beschriftet er die Schlüssel für die Zimmer, denn draußen steht schon der Bus mit den ersten 40 Menschen, die am Mittwoch in Rangsdorf ankamen.

Das Engagement des SPD-Gemeindevertreters für Flüchtlinge kommt nicht überall in Rangsdorf gut an. Am vergangenen Montag bekam er eine E-Mail. Der anonyme Schreiber nannte Hildebrandts Engagement „blöde Anreize“, sprach von Anwohnern, die wüssten, wo Hildebrandt wohnt und endete mit dem Hinweis „Man sieht sich immer zweimal...“

Hildebrandt: „Idioten gibt es leider überall“

Hildebrandt glaubt, dass sein öffentlich geäußerter Vorschlag, möglichst viele Flüchtlinge im Ort an einem Standort zu versammeln, eine der Ursachen für diese Mail war. Er hat Anzeige erstattet, die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Einfluss auf sein Engagement habe die Mail nicht. „Es hindert mich in keiner Weise, mich für Menschen, die in Not sind, einzusetzen. Idioten gibt es leider überall“, sagt er. In der Gemeindevertretung und im Ausschuss für Migration und Flüchtlinge, den er leitet, habe er Kritiker immer das persönliche Gespräch angeboten. „Ich stelle mich gerne jeder Diskussion. In einer Demokratie kann man sich streiten. Leider hat niemand mein Angebot angenommen“, sagt der 44-Jährige. Er hat Verständnis für die Ängste in der Bevölkerung. „Ängste haben wir alle, aber ich rate jedem ,Lasst es auf euch zukommen und geht offen und freundlich auf die Menschen zu’“. Angst vor der Drohung habe er nicht. Mit seiner Frau, die den Verein „Grenzenlos Rangsdorf“ leitet, der sich für Flüchtlinge einsetzt, habe er nach der Mail lange gesprochen. „Mich spornt das an, mich noch mehr für Integration einzusetzen“, sagt er.

Bürgermeister fordert Kritiker auf, Verantwortung zu übernehmen

Bürgermeister Klaus Rocher (FDP) verurteilt die anonyme Drohung scharf. „Hier wurde die Grenze des Anstandes überschritten“, teilt er in einer gemeinsamen Mitteilung mit allen Fraktionsvorsitzenden mit. Auch gegen ihn und Mitarbeiter der Verwaltung habe es wegen der Flüchtlingspolitik mehrfach Einschüchterungsversuche gegeben. Die Stimmung sei zunehmend gereizt. „Ich kann nicht das Grundgesetz und das Abendland verteidigen, wenn ich selbst wie im zwölften Jahrhundert lebe“, sagte Rocher. Wer Kritik an der Politik habe, solle zur nächsten Wahl kandidieren und Verantwortung übernehmen.

Von Christian Zielke

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