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Teltow-Fläming Flüchtlingsfamilie Yassin: Der lange Weg zu einer Arbeit
Lokales Teltow-Fläming Flüchtlingsfamilie Yassin: Der lange Weg zu einer Arbeit
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00:22 03.09.2018
Tochter Meis Yassin feiert ihren dritten Geburtstag. Quelle: Oliver Fischer
Ludwigsfelde

Wenn man Rabiaa Yassin fragt, wie es ihr geht, dann antwortet sie erst einmal „gut“. Danach verzieht sie allerdings das Gesicht und macht eine Geste, die eher das Gegenteil besagt. „Viel Stress“, sagt sie dann. Sie hat immer Stress.

Sie muss mit ihrem Sohn zum Arzt. Er hat sich die Hand gebrochen. Ihre Mutter in Syrien ist schwer erkrankt. Die beiden haben sich seit sieben Jahren nicht gesehen, Rabiaa will sie treffen. Aber wo? Und wie? Ein Kindergartenplatz muss organisiert werden, der nächste Deutschkurs steht an, sie braucht Bescheinigungen vom Jobcenter, einen Termin bei der Stadt, ein Gespräch mit der Lehrerin der Tochter wäre nicht schlecht. Ihr Alltag fühlt sich an wie ein Vollzeitjob.

Weg zur Arbeit scheint immer weiter zu werden

Die Yassins gehören zu den Hunderttausenden, die sich im Sommer 2015 auf den Weg nach Deutschland machten. Die Familie hatte damals schon drei Jahre im türkischen Exil hinter sich. Dort habe es aber keine Perspektive gegeben, sagen sie.

Die Familie lebt heute im obersten Stock eines Plattenbaus in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming). Drei Zimmer, Küche, Bad. Die Wohnung ist nicht riesig, aber besser als die Flüchtlingsunterkunft, in der sie vorher lebten. Sohn Rabiee (14) und Tochter Hala (10) teilen sich ein Zimmer. Die dreijährige Meis schläft bei den Eltern.

Eigentlich hatten sie sich eher in einer Großstadt gesehen: Berlin, Hamburg, Dortmund. Aber sie konnten es sich nicht aussuchen, und auch in Ludwigsfelde lässt es sich leben, sagen sie. Bislang aber nur auf Kosten des Jobcenters, und das ist ein Problem. In Syrien gehörten die Yassins zu den Gutverdienern, auch in der Türkei bestritten sie ihren Lebensunterhalt selbst. In Deutschland scheint der Weg zu einer Arbeit immer weiter zu werden. Im erste Jahr bewegte sich für Rabiaa und Mohammad Yassin wegen eines Dublin-Verfahrens überhaupt nichts, das zweite war ausgefüllt mit Sprachkursen.

Mehr zur MAZ-Serie

Die MAZ begleitet die Familie Yassin seit ihrer Ankunft in Ludwigsfelde im Februar 2016. Für diese Artikelserie ist die MAZ für den Journalistenpreis „Der lange Atem“ nominiert. Mehr lesen Sie hier.

Aber mit Mitte 40 fliegen einem Fremdsprachen nicht mehr zu, die Jüngeren in ihrem Umfeld sind ihnen längst meilenweit enteilt. Da ist Firas, der schon im fünften Semester Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Adel sucht gerade einen Job als Programmierer. Nour hat gerade seine Elektrikerlehre begonnen. Bei ihnen sieht alles einfach aus. Mohammad aber, ohnehin kein Mann vieler Worte, hat nach einem Jahr Sprachschule noch nicht einmal seinen B1-Abschluss geschafft.

Kinder sollen studieren

Auch Rabiaa braucht noch mindestens ein halbes Jahr, um überhaupt über Arbeitssuche nachdenken zu können. Sprache, Schule, Wohnungssuche, Führerschein – es ist, als ob sie zum zweiten Mal ihre Kindheit und Jugend durchleben. Aber diesmal im Schnelldurchlauf, und trotzdem rennt ihnen die Zeit davon.

Ihre Kinder sollen studieren, sagt Rabiaa. Aber was aus ihr und ihrem Mann werden soll, bleibt ungewiss. Mohammad hat sein Leben auf Hochseeschiffen verbracht, er war Erster Offizier im Maschinenraum. In Deutschland fehlt ihm dafür das nötige Studium. Einen Seereisepass hat er auch nicht mehr. Vielleicht wird er auf seine alten Tage noch Binnenschiffer, sagt er. Aber erst muss er den Deutschkurs bestehen.

Von Oliver Fischer

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