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Teltow-Fläming Flughafen rechnet sich Schallschutz schön
Lokales Teltow-Fläming Flughafen rechnet sich Schallschutz schön
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01:09 27.09.2014
Rund um den Flughafen werden viele Anwohner mit mehr Lärm rechnen müssen. Quelle: dpa
Blankenfelde

Im April machte Flughafenchef Hartmut Mehdorn mit der Aussage vom „weltbesten Schallschutz“ Schlagzeilen. Für Kurt Kirscht klingen diese Worte wie Hohn. Der Blankenfelder wohnt mitten in der Einflugschneise. Er ist einer von vielen Betroffenen, die unter die 30-Prozent-Kappungsgrenze zu fallen drohen.

"Schallschutzbezogener Verkehrswert" hat Methode

Weil die Kosten für den Schallschutz an seinem Haus voraussichtlich höher sind als 30 Prozent des Verkehrswertes, könnte es sein, dass er mit einer einmaligen Entschädigungszahlung abgefunden wird. „Ich fühle mich betrogen“, sagt der 71-Jährige.

Kurt Kirscht lebt mitten in der Einflugschneise. Seit Jahren streitet er um Schallschutz für sein Haus. Quelle: Zielke

Die Sache hat Methode und die heißt „schallschutzbezogener Verkehrswert“. Aus dem rechnet der Flughafen Garagen und Nebengebäude großzügig heraus. So kommt das Haus der Kirschts auf zwei Werte. Wenn sie es verkaufen würden, bekämen sie laut Verkehrswertgutachten von 2010 rund 380.000 Euro dafür, dem Flughafen ist dasselbe Haus 260.000 Euro wert. 30 Prozent davon sind 78.000 Euro und die müssen für den weltbesten Schallschutz genügen.

Mangelhafter Lüfter

Anfang Dezember entscheidet das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg über die Anwendung der DIN-Norm 1946-6. Sie sieht ein Belüftungskonzept mit Zu- und Abluft für jeden zu dämmenden Raum vor.

Die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow hat gegen die bisher vom Flughafen eingebauten Lüfter geklagt, da diese Luft in den Raum pusten, verbrauchte Luft aber nicht abgeführt wird.

Nach Ansicht von Experten kann sich in den Wänden Feuchtigkeit sammeln und Schimmel bilden.

Schimmelsporen können Krankheiten wie Asthma, Bronchitis, Allergien oder Neurodermitis verursachen.

Kirscht weiß nicht, ob das Geld reicht. „Ich bin Rentner, ich kann nicht viel dazuschießen“, sagt er. Noch mehr als die Ungewissheit stört Kirscht die Informationspolitik des Flughafens und der Gutachter. Bis heute habe er keinerlei Einblick nehmen dürfen, was die Experten in seinem Haus gemessen und berechnet haben. „Es wird gemauert, was das Zeug hält“, ärgert sich der Hausbesitzer. Er habe keinerlei Mitspracherecht, welche Maßnahmen gegen den Fluglärm in seinem Haus umgesetzt werden könnten. „Die Bewertung ist nicht transparent“, sagt Kirscht.

Gemeinde auf Seiten der Anwohner

Alexander Fröhlich, Referent der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow, kennt die Probleme bei der Umsetzung des angeblich weltbesten Schallschutzes gut. Die Gemeinde hat deshalb im Mai Beschwerde gegen die Wertermittlungspraxis bei der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LuBB) und die darin enthaltene 30-Prozent-Kappungsgrenze eingelegt. „Wir wollen, dass die Leute den optimalen Schallschutz bekommen“, sagt Fröhlich. Eine Antwort steht noch aus.

Blankenfelde-Mahlow erwägt Klage

Bleibt die Behörde bei der bisherigen Praxis, will die Gemeinde klagen. Fast täglich hört Alexander Fröhlich von Betroffenen, die Ärger mit dem Schallschutz haben, weil Räume wegen zu niedriger Deckenhöhen oder weil sie zu klein sind nicht als Wohnräume anerkannt werden. „Das sind keine Einzelfälle, das hat System“, sagt er. Die Flughafengesellschaft weist jegliche Täuschungsabsicht weit von sich und beruft sich auf den Planfeststellungsbeschluss. Die Praxis der Verkehrswertermittlung sei mit den zuständigen Behörden abgestimmt. „Die Flughafengesellschaft hat ein großes Interesse daran, dass in möglichst vielen Fällen bauliche Schallschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Daher empfehlen wir auch all jenen Anwohnern, die eine Entschädigungszahlung erhalten, dieses Geld für die Umsetzung baulicher Maßnahmen zu verwenden“, teilte Flughafensprecher Ralf Kunkel schriftlich mit.

Lärm im nächsten Jahr wird zunehmen

Drei Mal hat die Flughafengesellschaft das Haus, in dem Kurt Kirscht und seine Frau Edeltraut seit 1999 wohnen, bereits begutachtet. Drei Mal haben die Kirschts Widerspruch dagegen eingelegt. „Notfalls werden wir klagen“, sagt Kirscht. Die Zeit drängt. Eine Mieterin, die mit im Haus wohnt, ist schwer herzkrank und wartet sehnsüchtig auf Abhilfe gegen den Fluglärm. Spätestens, wenn im kommenden Jahr die nördliche Startbahn saniert wird, wird es noch lauter über dem Blankenfelder Zentrum. Kurt Kirscht hofft, dass Hartmut Mehdorn bis dahin sein Versprechen wahr macht. „Alles andere wäre gefährliche Körperverletzung“, sagt er.

Von Christian Zielke

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