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Flugplatz auf historischem Grund

Kummersdorf/Sperenberg Flugplatz auf historischem Grund

Auf schon damals historischem Boden ist Ende der 1950er Jahre der Flugplatz Sperenberg für die sowjetischen Streitkräfte errichtet worden – quer über die Schießbahn der Versuchsstelle Kummersdorf. Bei einer Wanderung konnten Interessierte jetzt das Gelände erkunden.

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Rest vom Tower am Flugplatz Sperenberg. Drei solcher Gebäude gab es auf dem Gelände.

Quelle: Gudrun Ott

Kummersdorf-Gut. Am Sonntag hatte der Förderverein Historisch-Technisches Museum Versuchsstelle Kummersdorf zu einer Führung über das als Sperrgebiet deklarierte Gelände eingeladen. Der frühere Schieß- und spätere Flugplatz ist heute Eigentum das Landes Brandenburg. Vereinsmitglied Martin Schnittler konnte an die 30 Interessierte begrüßen. In einer Fahrzeugkolonne ging es vorbei an einer großen Halle, in der einst Teile für die Brücke, die über den nahegelegenen Schumkasee führt, gefertigt wurden. Seit 1889 bildete man hier Eisenbahnpioniere aus. Unweit befindet sich auch das älteste Naturschutzgebiet der Region, der Teufelssee. Er erhielt 1937 den Naturschutzstatus und ist nach seiner Renaturierung wieder zur Moorlandschaft geworden.

Erste Startbahn ab 1958 gebaut

Der Militärflugplatz wurde durch die Bau-Union Potsdam und Dresden und den Einsatz von Strafgefangenen aus dem Zuchthaus Brandenburg von 1958 bis 1960 realisiert, weil nach einer Vereinbarung von DDR und Sowjetunion der Flugplatz Schönefeld von den Militärs freigezogen werden musste, um eine Nutzung für die zivile Luftfahrt der DDR vorzubereiten. Sperenberg war der Ersatz. Im ersten Abschnitt entstand eine Start- und Landebahn von 2500 Metern Länge, die quer über die Schießbahn der Versuchsstelle Kummersdorf gebaut wurde. „Selbst unter dieser Start- und Landebahn könnten noch Munitionsteile liegen“, erläuterte Schnittler, denn in Kummersdorf wurde auch mit der „Dicken Berta“, dem legendären Krupp-Geschütz, geschossen. Deren Granaten drangen in eine Tiefe von bis zu zwölf Metern in den märkischen Sand ein und sind vermutlich nicht alle geborgen.

Versuchsstelle Kummersdorf

Auf dem Gelände bei Kummersdorf-Gut gab es seit 1874 einen Artillerieschießplatz, der bis 1945 auch als Heeresversuchsanstalt genutzt wurde. Dort wurden diverse Waffensysteme getestet, unter anderem die ersten Raketen von Wernher von Braun. Ab 1939 wurde dort auch am deutschen Uranprojekt gearbeitet.

Ein Teil des Geländes wurde ab 1957 für den sowjetischen Militärflughafen Sperenberg genutzt.

Den zweiten Bauabschnitt übernahm das sowjetische Militär in Eigenregie. Es kamen Rollbahnen, Abstellplätze für Flugzeuge und Hubschrauber sowie ein Hangar für Reparaturarbeiten hinzu. Martin Wegner und Manfred Rauschelbach aus Ludwigsfelde erinnerten daran, dass DDR-Betriebe monatelang Kies für den Untergrund der Landebahn fuhren. Und Wolfgang Frey aus Kleinmachnow stellte fest: „Wir hatten hier im Gelände auch mal eine Baustelle.“ Seit 1987 verfügte der Militärflugplatz über ein Passagierterminal. Hier verbrachte Erich Honecker seine letzte Nacht auf deutschem Boden, bevor er nach Moskau abflog.

Vereinsmitglied Martin Schnittler (2vl) erläutert auf dem Flugfeld anhand einer Karte den Verlauf der Schießbahnen

Vereinsmitglied Martin Schnittler (2.v.l) erläutert auf dem Flugfeld anhand einer Karte den Verlauf der Schießbahnen

Quelle: Gudrun Ott

Am 7. September 1994 um 2.25 Uhr startete die letzte Maschine. In den Jahren danach galt Sperenberg als bevorzugter Standort für den Großflughafen – bis 2006. Inzwischen wachsen Gräser auf der Landebahn, Moose, Heide, Birken und Kiefern gestalten die Landschaft. Wenn die 23 Mitglieder des Vereins sich nicht so engagieren würden, wäre manch Weg längst zugewachsen und die Geschichte dem Vergessen anheimgegeben. „Wir wollen hier touristische Entwicklungen zulassen, das schafft mehr Arbeitsplätze als ein Windpark, den sich ein paar Investoren wünschen“, so Martin Schnittler. Er war jahrelang Kummersdorfer Ortsbürgermeister und sehnt den Aufschwung seiner Gemeinde herbei. „Interessante Geschichte habe ich heute erfahren“, sagte die 14-jährige Linda Catholy. Sie war aus Erkner angereist, weil sie unbedingt bei solch einer Führung dabei sein wollte.

Von Gudrun Ott

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