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Teltow-Fläming Folge 63: Im Schein der Lichterkette
Lokales Teltow-Fläming Folge 63: Im Schein der Lichterkette
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18:11 30.10.2018
Alle Lichterketten aufgehängt, die sie finden konnte: Vorweihnachtszeit bei Familie Yassin. Quelle: Foto: Oliver Fischer
Ludwigsfelde

Wenn es dunkel wird rund um das Flüchtlingswohnheim, dann fällt erst auf, wie wenig feierlich es dort zugeht. Es strahlt, blinkt und lichtert: nicht. Während in der Ludwigsfelder Innenstadt die Geschäfte mit ihrer Deko nur so protzen, ist am Birkengrund kaum eine Lichterketten gespannt. Nur hinter einem Fenster glimmt es, das ist das Wohnzimmerfenster der Yassins.

Rabiaa hat schon vor Tagen alle Lichterketten aufgehängt, die sie finden konnte. Es sind zwei. Eine ist über die Wand des Flures drapiert, die andere hat sie im Wohnzimmer ausgebreitet. Außerdem hat sie Fichtenzweige auf den Tisch gestellt und mit Glitzerzeug aufgehübscht. Wegen der Stimmung.

Vielen anderen im Wohnheim ist die Stimmung herzlich egal. Das ist folgerichtig, schließlich leben derzeit fast ausschließlich Muslime dort. Die Afghanen sind Muslime, die Tschetschenen ebenfalls, und auch die verbliebenen Syrer haben alle einen sunnitischen Hintergrund. Ein oder zwei afrikanische Familien seien wohl Christen, sagt Rabiaa, aber auch die hätten sich bislang nicht um ein festliches Ambiente verdient gemacht. Zumindest hat sie bisher auf dem Heimgelände noch keinen Weihnachtsbaum gesehen. Schade, sagt sie. Sie mag Weihnachten.

Obwohl es natürlich nicht ihr Fest ist. Die Muslime begehen das Opferfest und den Tag des Fastenbrechens, an dem sie ihre Kinder mit Geschenken überhäufen. Wirkliche Bedeutung hat Weihnachten nur für Christen. Aber in Syrien habe diese Unterscheidung nie eine große Rolle gespielt. „Geschmückte Bäume standen bei uns überall in den Straßen, die Restaurants waren schon über Monate ausgebucht“, sagt Rabiaa. Man ging Essen, bekannte Sänger gaben Konzerte. Weihnachten hatte immer Volksfestcharakter. „Ich mag das sehr“, sagt Rabiaa.

Das hat sie auch einer Fernsehreporterin erzählt, die vor wenigen Tagen im Clubhaus ein Interview mit ihr führen wollte. Rabiaa hat keine Ahnung, auf welchem Sender es laufen wird, ihr war es auch etwas peinlich, weil ihr Deutsch noch immer recht holperig ist. Aber die Reporterin bat um nur zwei Minuten – und so erzählte Rabiaa ihr, dass ihr der religiöse Aspekt des Festes sympathisch sei. Im Koran stehe, dass sich alle Religionen schätzen sollen, deshalb habe sie auch ihren Kindern früh die Hintergründe des christlichen Weihnachtsfestes erklärt.

Geschenke bekommen die Yassin-Kinder übrigens trotzdem nicht. Das heißt: nicht von den Eltern. Von anderen schon. Freunde und Bekannte haben zuletzt immer mal wieder Kleinigkeiten vorbei gebracht. Sogar Rabiaa hat ein Parfüm bekommen. Süßigkeiten gab es auch. Aber was allen Yassins viel wichtiger ist, sind die freien Tage. Die können sie alle brauchen, sagt Rabiaa.

Im Deutschkurs wurden die Lektionen zuletzt immer anspruchsvoller. Relativsätze, Reflexivpronomen, Mohammed quält sich mit Texten ab, in denen ein Polizeihauptkommissar über Straftaten und Ordnungswidrigkeiten redet, er muss Wörter wie Bürgerdialog und Sondereinsatz verstehen können, während Rabiaa von ihrer Lehrerin durch amtliche Schreiben über Kündigungsfristen und Änderungen des Mietzinses gehetzt wird. „Diese Kurse sind für Leute gemacht, die den ganzen Tag nichts anderes zu tun haben, als Deutsch zu lernen. Ich bin aber auch noch Hausfrau und Mutter“, stöhnt sie.

Weil sie zu Hause keine Zeit zum Üben hat, geht sie im Zug oft noch einmal die wichtigsten Wörter durch. Zweimal hat sie deshalb schon ihre Haltestelle verpasst. „Wie soll das erst werden, wenn du den B1-Kurs machst. Dann fährst du bis nach Jüterbog“, hat Mohammad gesagt. Ja, antwortete Rabiaa, das könne durchaus passieren.

Denn an den Nachmittagen findet sich einfach keine freie Minute, um in die Grundlagen der Anwendung des „erweiterten Infinitivs mit zu“ einzutauchen. In der vorigen Woche etwa hat Rabiaa jeden Tag in der Stadt verbracht, um Tochter Hala Nachhilfestunden zu ermöglichen. Die Stunden wurden vom Jobcenter bewilligt, aber um sie nutzen zu können, musste ein Papier aus dem Rathaus besorgt werden, eine Unterschrift vom Heimleiter, ein Stempel vom Jobcenter, eine Bestätigung der Schule, dann wieder zum Rathaus oder Jobcenter – und zur Physiotherapie musste Rabiaa auch, was nichts mit Halas Schulnoten aber viel mit ihrem eigenen Knie zu tun hat. Und dann noch der Umzug.

Die neue Wohnung ist der Familie zugesagt, sie ist aber noch nicht bezugsfertig, weshalb die Yassins zwar im Geiste schon auf gepackten Koffern sitzen, sich in Wirklichkeit aber noch um rein gar nichts kümmern können. Rabiaa hadert auch immer noch etwas mit der Größe. Es wird eng bleiben, was wieder viel Organisation erfordert.

„Ein paar Tage frei und an nichts denken, das wäre gerade das Schönste“, sagt Rabiaa. Sie hatte deshalb sogar schon überlegt, mal wegzufahren, vielleicht sogar zu Mohammads Bruder. Aber wahrscheinlich läuft es doch wieder nur auf einen kleinen Trip nach Berlin raus. Einmal auswärts essen gehen. Und dann zu Hause Ruhe finden, im Schein der eigenen Lichterketten.

Von Oliver Fischer

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