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Forscherin entwickelt Hunde-Snacks aus Mehlwürmern

Ernährungswissenschaft in Jüterbog Forscherin entwickelt Hunde-Snacks aus Mehlwürmern

Mit einem Hundepopcorn aus Mehlwürmern will sich die Jüterboger Ernährungswissenschaftlerin Ina Henkel selbstständig machen. Die Geschäftsidee hat bereits eine Wettbewerbsjury und auch einige Testhunde überzeugt. Doch langfristig soll der eigentliche Konsument des gesunden Snacks der Mensch sein.

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Die proteinhaltigen Mehlwürmer werden mit Reismehl zu sogenannten Pops von „Tenetrio“ verarbeitet.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Bestimmt haben Sie schon einmal aus Versehen eine Fliege verschluckt und sich dabei vielleicht geekelt. Dabei gelten Insekten bei Ernährungsforschern nicht nur als gesunde, sondern vor allem zukunftsträchtige Ernährungsquelle. Die Jüterbogerin Ina Henkel arbeitet am Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam, sie beschäftigt sich dort mit Ernährungstrends der Zukunft – und hat dabei ein Hundefutter aus Mehlwürmern entwickelt.

Die Menschheit braucht künftig Proteinquellen wie Insekten

„Beim sogenannten Futurefood kommt man neben Algen oder Hülsenfrüchten an Insekten nicht vorbei“, erzählt die 33-Jährige. Ohne solche Proteinquellen könne man die zehn Milliarden Menschen, die 2050 auf der Erde leben werden, nicht ernähren. „Der Fleischkonsum nimmt zu, gerade in den urbanisierten Regionen, aber wir haben nicht genug Fläche und Wasser für diese Produkte, um alle mit genügend Proteinen zu versorgen“, sagt Henkel. Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, werden 22 000 Liter Wasser benötigt. Bei Insekten ist es weniger als ein Liter für die selbe Menge. Ähnliche Verhältnisse gelten für den Verbrauch an Futter und Fläche, sowie den Ausstoß von Kohlendioxid.

Der Snack und die Geschäftsidee wurden bereits prämiert

Bislang ist es aber verboten, dass verarbeitete Lebensmittel für den Menschen aus Insekten hergestellt werden. Das soll sich schon in wenigen Jahren durch eine EU-Verordnung ändern, bereits jetzt ist es aber für Heimtiere erlaubt. Henkel hat daher mit ihren Kommilitoninnen Kathrin Kühn und Sabrina Jaap einen Hunde-Snack entwickelt und mit ihrer Produktidee kürzlich sogar den 3. Platz beim Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg belegt.

Ina Henkel aus Jüterbog ist Doktor für Ernährungswissenschaften an der Universität Potsdam und eine der drei Gründerinnen von „Tenetrio“

Ina Henkel aus Jüterbog ist Doktor für Ernährungswissenschaften an der Universität Potsdam und eine der drei Gründerinnen von „Tenetrio“

Quelle: Peter Degener

„Tenepops“ nennen die drei das unscheinbare Futter, das nur aus zwei Zutaten besteht – Mehlwurm als Proteinquelle und Reismehl für die Kohlenhydrate. Diese Reduktion der Zutaten ist vor allem für Tiere interessant, die auf viele Aroma- oder Zusatzstoffe allergisch reagieren. Im Vergleich zu anderen Hundesnacks könne man außerdem gefahrlos viele Tricks belohnen, ohne die gesunde Ernährung des Tiers zu gefährden, sagt Henkel. „Fett wird man davon nicht, aber satt.“ Ein Alleinfuttermittel ist das Hundepopcorn aber nicht.

„Tenetrio“ ist die erste deutsche Firma mit Hundefutter aus Insekten

Im Juni 2015 hatte das Team die Idee, im Herbst wandte es sich an den Gründerservice der Universität Potsdam. Nach dem Sieg im Wettbewerb will das Trio im Frühjahr 2017 ein Firma unter dem Namen „Tenetrio“ gründen, um die Produkte auf den Markt zu bringen. Die Firma wird „der erste Anbieter insektenbasierter Hundesnacks“ in Deutschland sein. So formulierte die Wettbewerbs-Jury das Alleinstellungsmerkmal von Tenetrio. Weltweit sind die drei Frauen nach eigener Aussage die ersten, die das Ernährungspotenzial des Mehlwurms zur Produktreife geführt haben. „Der Mehlwurm steht dem Rind in seiner Wertigkeit in nichts nach“, so Henkel. Und im Gegensatz zu anderen Insekten mit Flügeln oder Beinen ist er außerdem zu einhundert Prozent verzehrbar.

Auch Menschen können und sollen die Tenepops esse

Auch Menschen können und sollen die Tenepops esse.

Quelle: Peter Degener

Den Businessplan-Wettbewerb hätten sie gewonnen, weil ihre Geschäftsidee eine zeitgemäße Frage schlüssig beantworte, vermutet Henkel. „Alle Testhunde waren hellauf begeistert“, sagt sie. „Wir selbst haben alle drei gar keine Hunde“, gibt sie aber zu. Stattdessen gibt es bei den Forscherinnen schon seit Kindertagen einen Hang zu Insekten. Eine hatte tatsächlich bereits als Kind eine eigene Mehlwurmzucht. „Und wir haben eine gemeinsame höhere Vision – die Entwicklung für den Humanbereich“, betont Henkel immer wieder, denn „die vielen Menschen im Jahr 2050 sollen nicht nur irgendwie, sondern gut ernährt werden.“ Auch die Herrchen können die Tenepops deshalb gefahrlos naschen.

Der Name „Tenetrio“

Der Firmenname „Tenetrio“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen. „Tene“ entstammt der lateinischen Bezeichnung des Mehlwurms „Tenebrio Molitor“.

Mit dem Wort „Trio“ für die Zahl „drei“ soll der Name gleich mehrere Dinge verdeutlichen: Die drei Gründerinnen sind gemeint, aber auch die Metamorphose des Mehlwurms zu einer Puppe und als Drittes zu einem Käfer. Eine weitere Bedeutungsebene ist, dass das Produkt laut den Wissenschaftlerinnen das Beste von den drei Ernährungsgruppen Rindfleisch, Fisch, sowie Obst und Gemüse verbindet.

Von Peter Degener

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