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Teltow-Fläming Fotografen-Duo zieht es in Ruinen
Lokales Teltow-Fläming Fotografen-Duo zieht es in Ruinen
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00:18 12.02.2017
Michèle Eike und Daniel Sasse sind nicht nur beste Freunde, sie teilen auch die Leidenschaft für das Fotografieren und sind stolze Besitze einer eigenen Marke. Quelle: Streunerfotografie
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Jüterbog

Blätternder Putz, zerborstene Scheiben, vergammelte Sitzecken neben einem Haufen abgestürzter Dachziegel – das ist die Idyle, in die es Michèle Eike und Daniel Sasse zieht. Die beiden Jüterboger kennen sich seit 2008 und fanden ein gemeinsames Hobby: Sie fotografieren gern in Ruinenlandschaften. Unter der Marke „Streunerfotografie“ haben sie sich inzwischen zusammengetan.

Michèle Eike erinnert sich noch ganz genau, wie sie zu dem Namen kamen: „Wir waren mal wieder unterwegs und haben dann aus Spaß gesagt, dass wir dort so rumstreunern. Und dann fanden wir den Begriff irgendwie passend und haben daraus unseren Namen gemacht.“

Ein bisschen wie Schnitzeljagd

Unterwegs sind die beiden Freunde hauptsächlich an verlassenen Orten, die sonst kaum jemand aufsucht und in denen die Vergangenheit schlummert. Das frühere Treiben dort lässt sich nur noch erahnen. Genau deswegen zieht es die „Streuner“ in alte Gemäuer. „Mich fasziniert einerseits die Ruhe. Andererseits ist es auch ein Abenteuer fast wie eine Schnitzeljagd“, erzählt Daniel Sasse über die menschenleeren Orte. Der 28-Jährige erinnert sich daran, wie ihr gemeinsames Hobby in Jüterbog seinen Anfang nahm. „Irgendwie sind wir mal nach Jüterbog II gekommen“, sagt er, „das war der Auslöser.“ Die verlassenen preußischen und sowjetischen Kasernengebäude zogen sie in ihren Bann.

Sie suchten danach immer weitere Orte in Berlin und Brandenburg auf. Für Michèle Eike haben diese einen „melancholischen Zauber“. Manchmal finde man auch noch ein Kuscheltier oder andere Dinge, die an das frühere Leben dort erinnern. Bisher lichtete das Foto-Duo unter Anderem alte Industriegebäude, Krankenhäuser, Kasernen, Fabriken oder kleine Villen ab. Auch Klassiker wie die Heilstätten in Beelitz, der alte Spreepark oder das ehemalige Berliner Spaßbad „Blubb“ gehören dazu.

Selbstporträt der beiden Fotografen. Quelle: Streunerfotografie

Ein besonders beeindruckender Ort für beide ist die verlassene Lungenheilanstalt in Grabowsee. „Dort steht so ein altes Klavier ohne Tasten auf einer Bühne“, erklärt Daniel Sass. Für Michèle Eike haben außerdem alte Theater einen besonderen Reiz, denn sie strahlen ihrer Meinung nach „Präsenz und Macht“ aus. Trotzdem haben die einsamen Orte auch etwas Beklemmendes, Gruseliges. „Ich würde nie allein dort hingehen“, sagt sie.

Auch Daniel Sass schießt auf den Touren durch die alten Gebäude öfter das Adrenalin ins Blut. „Manchmal knallen Türen oder man denkt, man ist allein, aber auf einmal sind da Obdachlose und schlafen“, erzählt er. „Wir haben sogar schon mal Schrottdiebe auf frischer Tat ertappt“, ergänzt Michèle Eike. Teilweise werden die alten Gemäuer als Spielfeld für Paintball genutzt.

Recherche nach spannenden Locations

Die Jüterboger suchen sich die Motive für ihre Fotos selbst. In manchen Fällen gibt es offizielle Fotoführungen. Die anderen Orte müssen sich die Fotografen mit etwas Recherchearbeit suchen, denn unter Fotografen ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sie den Ort an dem sie waren nicht verraten.

Zum Glück gibt es heutzutage soziale Netzwerke wie Instagram, wo viele ihre Bilder mit sogenannten Hashtags versehen. Das sind Schlagworte, die das jeweilige Bild beschreiben. Unter diesen Schlagworten werden die „Streuner“ oft fündig. Ansonsten heißt es einfach Augen aufhalten und selbst draußen nachforschen.

Foto-Palette ausgebaut

Doch irgendwann hatten das Foto-Duo den Eindruck, keine neuen Orte mehr finden zu können. Deshalb hat „Streunerfotografie“ das Spektrum des fotografischen Angebotes etwas erweitert und bietet nun zusätzlich Porträt- und Veranstaltungsfotos an.

Die 25-jährige Michèle Eike studiert Medienwissenschaften in Würzburg, Daniel Sasse ist Mediengestalter in Potsdam. Das macht die Koordination ihrer Projekte etwas schwierig und das Fotografieren bleibt ein Hobby. Trotzdem arbeiten die beiden eifrig daran, ihre Marke zu pflegen, denn sie haben Zukunftspläne. Zum Beispiel planen sie eine Ausstellung.

www.streunerfotografie.de

Von Isabelle Richter

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