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Fragen rund ums Thema Schallschutz

Schönefeld Fragen rund ums Thema Schallschutz

Zu bürokratisch, zu kompliziert – Die Kritik am BER-Schallschutz war groß. Der Flughafen hat in diesem Jahr mit der zweiten Auflage der Schallschutztage den Lärmbetroffenen erneut die Möglichkeit gegeben, ihre Fragen zu stellen. Einige von ihnen könnten bald ein neues „Möbelstück“ in ihrem Zuhause haben, das am Freitag in Schönefeld vorgestellt wurde.

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Kurt Nelles von der Firma Siegenia zeigt den neuesten Schalldämmlüfter am BER, der alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen soll.

Quelle: Fotos: Christian Zielke (2)

Schönefeld. Lob für das BER-Schallschutzprogramm war lange Zeit so selten wie Frauen in den Führungszirkeln des Vatikans. „Zu bürokratisch, zu formalistisch, an der Realität vorbei“, klagten Betroffene, Interessenvereine und regionale Politik.

Ralf Wagner, der das Programm seit 2013 leitet, empfindet die Kritik als ungerecht. „Wir wollen die Ansprüche so befriedigen, wie es im Planfeststellungsbeschluss vorgegeben ist.“ Das bedeute auch, dass man Wohnräume, die nicht der Bauordnung entsprechen oder ohne Genehmigung errichtet wurden, nicht so schützen kann, wie dies bei gesetzeskonformen Räumen der Fall ist. Für diese Haltung wurde der BER lange Zeit als schlechter Nachbar gebrandmarkt – vor einem Jahr hatte die Kritik Erfolg. Zur Premiere der Schallschutztage 2016 wurden Module für bisherige Härtefälle vorgestellt. Für besonders niedrige Räume, Wohnküchen und Wintergärten hatte die Flughafengesellschaft FBB plötzlich das Prinzip der Kulanz entdeckt. Für diejenigen, die bisher bei den bisherigen Maßnahmen leer ausgingen, wurden sogenannte Module eingeführt, die einen Schutz nach dem Fluglärmgesetz garantieren soll, das jedoch nicht so strenge Vorgaben hat wie der BER-Planfeststellungsbeschluss.

Neuer Lüfter erinnert an einen Schrank

Auch zu den diesjährigen Schallschutztagen, die am Freitag in den Räumen des Dialogforums in Schönefeld begannen, hatte sich die FBB eine Premiere vorbereitet. Erstmals wurde die neueste Generation Schalldämmlüfter der Öffentlichkeit ausgestellt. Das 68 mal 62 Zentimeter große Gerät, das seit Januar auf dem Markt ist, erinnert in seinen Abmessungen eher an einen Wandschrank, erfüllt aber die Voraussetzungen aus dem sogenannten Lüfter-Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom Mai 2016. „Das ist das der neueste Stand der Technik“, sagt Kurt Nelles vom Hersteller Siegenia über das Modell „Aerovital“. Die technischen Daten klingen beeindruckend. Nur 35 Dezibel Eigengeräusch, Zu- und Abluft mit Wärmerückgewinnung, ein Wirkungsgrad von 80 Prozent und nur 14 Watt Energieverbrauch. Statt wie bei den bisherigen Lüftern Kaltluft in den Raum zu pusten, erwärmt die warme Abluft einen Keramikblock, der die einströmende Frischluft aufheizt. „Bei einer Zimmertemperatur von 20 Grad und Null Grad Außentemperatur kommt die Luft mit 16 Grad herein“, erklärt Nelles.

Mit Widersprüchen zum Erfolg

Ob er so einen Lüfter möchte, darüber ist sich Detlef Pikarski noch nicht sicher. Der Mahlower, dessen Haus 1937 gebaut wurde, ist mit einem dicken Aktenordner und vielen Fragen zu den Schallschutztagen gekommen. 2012 hatte er den ersten Antrag auf Schallschutz gestellt. Drei Mal waren Ingenieure bei ihm zu Hause und haben alles vermessen, fotografiert und kartiert. Drei Mal hat Detlef Pikarski Widerspruch eingelegt – mit Erfolg, denn jedes Mal kam ihm der Flughafen ein Stück entgegen. „Wir sind nicht ganz unzufrieden, aber es ist noch einiges offen“, sagt er. Einen Heizkörper im Wohnzimmer hat das Ingenieurbüro falsch eingezeichnet. Außerdem möchte Detlef Pikarski wissen, ob die neuen Schallschutzfenster auch einen innenliegenden Rollladenkasten haben. Lars Neumann vom Beschwerdemanagement der Schallschutzabteilung, hört sich die Fragen an und vergleicht sie am Computer mit der Akte. Manches müssten die Fachfirmen entscheiden. Vor allem in Detailfragen könnten die Leistungsverzeichnisse der Ingenieurbüros nicht immer klar Auskunft geben.

Schallschutz paradox

Lärmschutz am BER ist auch immer eine Frage von Paradoxien. Weil das Haus von Detlef Pikarski im Tagschutzgebiet liegt, im dem die Lärmgrenze in den Räumen bei 55 Dezibel liegt, gelten für Gäste- und Wohnzimmer höhere Schutzanforderungen als für das Schlafzimmer. Dort darf es nachts auch mal lauter werden. „So ist nun einmal die Rechtslage“, sagt Lars Neumann.

Detlef Pikarski möchte im kommenden Frühjahr mit dem Schallschutz in seinem Haus beginnen. Kein unrealistisches Ziel, sagt Lars Neumann, der verspricht, sich um die offenen Fragen zu kümmern und sich in spätestens zwei Wochen zu melden. „Man muss dranbleiben“, sagt Detlef Pikarski nach dem Gespräch. Oft fühle er sich gegenüber den Firmen allein gelassen. „Ich bin kein Bauexperte, aber für den Flughafen musste ich einer werden.“

Von Christian Zielke

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