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Teltow-Fläming Frau Hannelore
Lokales Teltow-Fläming Frau Hannelore
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16:25 03.09.2016
Hannelore aus Ludwigsfelde übt Deutsch mit Rabiha und Mohammed. Die ehemalige Lehrerin ist ehrenamtlich tätig. Quelle: Anja Meyer
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Ludwigsfelde

„Ich spreche, du sprichst, er spricht . . .“ Langsam wiederholt Rabiha die Worte, die sie in ihr liniertes Schulheft geschrieben hat. Es ist Montagnachmittag – ein guter Wochentag im Hause Yassin. Denn montags kommt „Frau Hannelore“, wie Rabiha ihre deutsche Freundin nennt, immer zu Besuch. Dann üben die beiden Frauen am Tisch im Wohn- und Schlafzimmer der Familie mindestens eine Stunde Deutsch. Jede Woche kommen ein paar neue Worte dazu. Von Zeit zu Zeit klinkt Mohammed sich mit ein.

Ehemalige Lehrerin hilft

Hannelore, die nur mit ihrem Vornamen angesprochen werden möchte, ist MAZ-Leserin und über diese Serie auf Familie Yassin aufmerksam geworden. Ursprünglich wollte sie eine Vorschulgruppe für die Kinder im Asylbewerberheim am Birkengrund aufbauen. „Ich möchte mich für Flüchtlinge einsetzen, weil ich den Menschen helfen will, die hier fremd sind“, sagt die 69 Jahre alte Ludwigsfelderin, die früher an der Realschule Arbeitslehre unterrichtete. „Nur mit Engagement kann Integration gelingen“, sagt sie.

Doch es gab organisatorische Schwierigkeiten, der Vorschulkurs kam nicht zustande. Als sie den Artikel über die Yassins las und, dass sie so gern Deutsch lernen möchten, dachte sie sich: „Wenn ich schon keine Kinder unterrichten kann, dann doch eben eine Familie.“ Kurz darauf, es war im März dieses Jahres, klopfte sie an der Tür der Familie.

Freundschaft ist entstanden

Seitdem hat sich eine Freundschaft zwischen ihr und den Yassins entwickelt, vor allem zu Rabiha hat sie einen engen Draht. „Ich habe meine Mutter in Syrien zurücklassen müssen“, sagt Rabiha, „aber hier in Ludwigsfelde ist Hannelore wie eine Mutter für mich.“ Und auch Hannelore fühlt sich mittlerweile fast wie ein Teil der Familie. „Ich gehöre hier schon zum Inventar“, sagt sie. Fast wöchentlich bringt sie ausrangierte Möbel oder Kleidung mit, die sie aus ihrer eigenen Wohnung, von ihren Kindern, Enkeln oder Freundinnen aus der Nordic-Walking-Gruppe bekommt. Wenn die Yassins die Sachen nicht brauchen, geben sie sie an andere Freunde im Heim weiter.

Beim Deutschunterricht mit Rabiha geht Hannelore ganz strukturiert vor. Mal sind Vokabeln aus der Küche dran, ein anderes Mal übt sie Wörter um den menschlichen Körper zu beschreiben, die Woche darauf Obst und Gemüse. Zwischendurch wiederholt sie alles, damit es hängenbleibt. „Es macht viel Spaß, gerade weil Rabiha voll und ganz dabei ist und sich so über den Unterricht freut.“ Auch die kleine Meis hat mit Hannelore einen ersten Kontakt zur Sprache. „Ich merke, dass sie einiges versteht“, sagt Hannelore. „Wenn ich mit ihr ‚Hoppe, hoppe Reiter‘ spiele, wirft sie sich genauso fröhlich zurück wie meine Enkelkinder damals.“

Hilfe auch bei Mathe

Neben dem Deutschunterricht mit Rabiha, spielt Hannelore viel mit den Kindern oder unterhält sich einfach mit den Yassins – auch das nur auf Deutsch, denn Hannelore spricht weder Arabisch noch Englisch. Jetzt, in den Sommerferien, übt sie mit Rabi und Hala zusätzlich Mathematik. Damit sie bis zum Schulanfang nicht alles vergessen und der Wiedereinstieg nach sechs Wochen leichter fällt. So hat Hannelore es damals auch mit ihren eigenen Kindern gemacht.

Mathematik ist nicht die große Stärke von Rabi und Hala, Hannelore hätte für ihr Alter ein schnelleres und sichereres Rechnen erwartet. Im Gespräch mit Rabi wird später klar, woran es bei ihm liegen könnte. „Das war das erste Mal seit sieben Monaten, dass ich Mathematikaufgaben gerechnet habe“, sagt er. In seiner Willkommensklasse lernte er im vergangenen Schuljahr vor allem Deutsch. Ihm habe es Spaß gemacht, auch mal wieder Rechenaufgaben zu lösen. Eine wichtige Information für Hannelore, die sie darin bestärkt, mit den beiden Kindern weiterzumachen.

Doch für heute ist genug mit dem Pauken. Jetzt ist Meis an der Reihe. Mit einem Lachen zupft sie an Hannelores Hose. Sie möchte auf ihren Schoß und „plumps machen“.

Von Anja Meyer

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