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Freilebende Rinder fühlen sich wohl im Revier

Waltersdorf Freilebende Rinder fühlen sich wohl im Revier

Ein Waldspaziergang ist immer für eine Überraschung gut. Ganz besonders, wenn ausgebüxte Rinder eine Minifamilie gründen und in friedlicher Koexistenz mit den übrigen Waldbewohnern leben.

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So dicht kommt auch ihr Beschützer nicht an die Tiere heran. Dieses Foto gelang Anfang Mai nur dank Wildkamera.

Quelle: Heeschen

Waltersdorf. Uwe Heeschen ist ein Jäger mit Herz. Seit 27 Jahren ist der aus Langenhagen bei Hannover stammende Jagdpächter im Waltersdorfer Revier. Was ihm in seiner Heimat kaum ein Waidgenosse glauben würde, lässt seit knapp zwei Jahren bei jedem Waldspaziergang das Herz des 74-Jährigen erwartungsvoll höher schlagen. Bei einem Streifzug durch den gepachteten Forst entdeckte er plötzlich auf einer Lichtung einen grasenden Jungbullen. Ob aus einem Stall ausgebüxt oder von einem Schlachthof, konnte der Waidmann nur anhand der gelben Ohrmarke vermuten. Auf die Idee, das schöne Tier zu töten, kam Heeschen aus zweierlei Gründen nicht. „Erstens, weil ich fand, dass es ein schönes Tier ist und außerdem, weil kein Jäger ein Nutztier schießen darf“, sagt Heeschen.

Eins plus eins macht drei

Dass irgendwann noch eine Kuh, ebenfalls mit Ohrmarke, neben dem Bullen auf der Lichtung stand, war die zweite Überraschung. Bald hatte Heeschen das freiheitsliebende Paar in sein Herz geschlossen und die Tiere Betti und Oscar getauft. Während der strengen Wintertage fuhr er Heu in den Wald, an dem sich Rehe und Rinder gemeinsam gütlich taten. Als im Frühjahr ein Kälbchen zwischen seinen Eltern auftauchte, lachte das Herz des Tierfreundes.

Der Ordnung halber wandte er sich an das Veterinäramt, um anhand der Ohrmarken den oder die Eigentümer zu ermitteln, wie Heeschen erzählt. Dass er ein Jahr lang keine Antwort bekam, ärgerte und freute Heeschen, der bis zu seiner Pensionierung selber Amtstierarzt war, zugleich. „Denn den Tieren geht es wunderbar, was zeigt, dass die Urinstinkte noch intakt sind. Ginge es nach mir, könnten sie bleiben. Andererseits darf man nicht vergessen, dass sie auch auf den Feldern fressen und auf die Straße laufen können, wo dann die Frage wäre, wer bei einem Unfall haftet“.

„Bejagen macht keinen Sinn“

Dass das Kälbchen wenige Monate später spurlos verschwunden war, schiebt Heeschen auf Wilderei. „Diese Tiere zu schießen, um das Fleisch zu verwerten, ist in Deutschland wegen der strengen Hygiene-Auflagen nicht erlaubt. Deshalb macht des Bejagen auch keinen Sinn, weil die Tiere dann entsorgt werden müssen, was unsinnig wäre, wenn es ihnen so gut geht“, ist sich der Jagdpächter sicher.

Den Plan, die beiden Elterntiere zu betäuben und dann auf einen Gnadenhof zu bringen, hat Heeschen aus logistischen Gründen verworfen, seit in diesem Frühjahr „Free Willy“ , ein neues Kälbchen, auftauchte. Was nun das Beste ist, weiß Heeschen einfach nicht.

Kein Tierschutzfall

„Den Tieren geht es gut, so dass es kein Tierschutzfall ist und keinen Handlungsbedarf gibt“, sagt die Dezernentin des Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes, die jedoch zur Verwertbarkeit eine andere Auffassung hat. 2016 habe ein Nachbarpächter eine Abschussgenehmigung beantragt, die nur deshalb nicht erteilt wurde, weil die Gebühr zu hoch war.

Von Uwe Klemens

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