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Teltow-Fläming Freitagsgebet im Haus Sonnenschein
Lokales Teltow-Fläming Freitagsgebet im Haus Sonnenschein
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10:34 22.02.2018
Aufmerksam lauschen die Muslime Imam Sameh Elbehouti (r.) beim Freitagsgebet im Haus Sonnenschein in Luckenwalde. Quelle: Hartmut F. Reck
Luckenwalde

Darauf haben gläubige Muslime in Luckenwalde, Jüterbog und Umgebung lange gewartet: Seit Ende Januar können sie ihr Freitagsgebet, das wichtigste religiöse Ereignis der Woche, auch in Luckenwalde abhalten. Statt dass sie dazu extra nach Berlin fahren, fährt einer von ihnen in die Bundeshauptstadt und holt von dort einen Imam ab, der das Freitagsgebet in der Luckenwalder Begegnungsstätte Haus Sonnenschein leitet und seinen Glaubensbrüdern predigt.

An diesem Freitag war es Imam Sameh Elbehouti. Der Diplom-Chemiker und Islamwissenschaftler macht das ehrenamtlich, „weil ich dafür kein Geld nehmen möchte“, sagt der freundliche Mann, der in Berlin als Integrations-Coach sein Geld verdient. Seit 15 Jahren lebt der gebürtige Ägypter in Deutschland und ist inzwischen deutscher Staatsbürger. Er trägt eine weiße gehäkelte Gebetskappe, die ihn als Vorbeter ausweist.

Ein Glas Wasser für die vier Damen

Elbehouti hockt in der Ecke des Raumes, die Richtung Süd-Süd-Ost, also in Richtung Mekka weist, und wartet, bis alle Gläubigen – etwas mehr als 50 Männer und vier Jungen – eingetroffen sind, ihr erstes individuelles Gebet gesprochen und sich ebenfalls auf den Boden gehockt haben. Am anderen Ende des viel zu kleinen Saales haben vier Frauen auf Stühlen Platz genommen. Es sind Luckenwaldes Stadtverordnetenvorsitzende Heidemarie Migulla (Linke), die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Anke Habelmann und Pressesprecherin Sonja Dirauf sowie die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk, die Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises. Sie wollen sich einfach mal alles angucken. Vorher mussten sie wie alle Teilnehmer die Schuhe ausziehen und als Frauen werden sie gebeten, ihr Haupthaar mit einem Schleier bedecken. Schal, Mütze oder Kapuze tun es auch. Zuvorkommend reicht man jeder Dame ein Glas Wasser.

Predigt auf Arabisch und Deutsch

Der Ritus beginnt mit dem Ruf zum Gebet, den ein älterer Mann singend vorträgt. Anschließend erhebt sich der Imam und predigt auf Arabisch. Nach einer kurzen Pause wiederholt der Vorbeter die Predigt auf Deutsch. Nicht nur, damit es auch die einheimische Gäste verstehen, sondern auch diejenigen Muslime, die Arabisch nicht so gut beherrschen. Dazu gehört zum Beispiel Zaurben Mutalimov (27) aus Dagestan. Er ist zu Besuch bei Familienangehörigen in Luckenwalde und hat seine beiden Neffen Mohammed (4) und Alkamat (7) mitgebracht. Es ist ihr erstes Freitagsgebet, an dem sie teilnehmen dürfen, und sind mächtig stolz darauf.

Zaurben Mutalimov (M.) mit seinen beiden Neffen Alkamat und Mohammed unterhalten sich nach dem Freitagsgebet mit Imam Sameh Elbehouti. Sie sprechen Deutsch miteinander. Quelle: Hartmut F. Reck

Muslimische Frauen sind nicht anwesend. Sie müssten auf die Kinder aufpassen, heißt es. Außerdem sei der Raum zu klein. Dafür sind sie Gegenstand der Predigt. „Ich habe gehört, dass viele von Euch Eheprobleme haben“, sagt der 39-jährige Imam, „aber die Ehe ist Teil unseres Lebens.“ Elbehouti referiert in gutem Deutsch über die Rolle der Ehe, wie wichtig sie sei, um Allah zu preisen, die Kinder in seinem Sinn zu friedfertigen und charakterlich wertvollen Menschen zu erziehen, damit auch sie wieder der Welt Heil bringen und kein Unheil. Statt enttäuscht über den Lebenspartner zu sein, so der Imam, sollte man Geduld miteinander haben und die guten Seiten des anderen entdecken.

Glaubensbekenntnis und Lebensberatung

Die Predigt ist eine Mischung aus Glaubensbekenntnis, moralischer Wegweisung und Lebensberatung. Die Männer lauschen aufmerksam und andächtig. Anschließend erheben sie sich zum Gebet, erheben die Hände, verbeugen sich, werfen sich nieder mit Stirn, Nase und Handflächen auf dem mitgebrachten Teppich, danach sitzen sie wieder auf, hocken auf ihren Knien und Füßen und beten. Das wiederholen sie noch einmal. Danach ist das Freitagsgebet vorbei. Man reicht sich die Hand, wünscht sich Frieden und verlässt den Ort, nicht ohne vorher gründlich aufgeräumt und den Boden gewischt und die Tische an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt zu haben.

„Alles picobello sauber“

„Danach ist immer alles picobello sauber, als ob dort nichts gewesen wäre“, berichtete Evelin Kirschk diese Woche im Hauptausschuss. Die SPD-Stadtverordnete und Vorsitzende des Senioren- und Behindertenbeirats und zugleich Alltagshelferin für eine afghanische Flüchtlingsfamilie hatte am 20. Januar an einem interkulturellen Dialog mit Geflüchteten, Alltagsbegleitern und Laienlehrern teilgenommen. Dort wurde der Wunsch nach einem Gebetsraum laut, zumindest für das Freitagsgebet. Und da ausgerechnet am Freitag im Haus Sonnenschein sonst nichts los ist, bot Kierschk den Raum dafür an. Dafür bekommt der Seniorenbeirat einen Euro pro Teilnehmer als Obolus.

„Leider alles etwas zu eng“

Die Verantwortung trägt Khaled Fudeh, der bei der Flüchtlingsberatungsstelle der GAG in Luckenwalde arbeitet und die Schlüsselgewalt hat. Der seit 2014 in Luckenwalde lebende Syrer ist froh, dass er und seine Glaubensbrüder nun einen Ort haben, wo sie sich am Freitagmittag versammeln können, nur: „Leider ist es etwas zu eng, sonst wären noch mehr Leute hier“, sagt er. Zum Beispiel auch Frauen und Kinder. Letztere würden in der Regel während des Freitagsgebets in einem anderen Raum betreut. Aber dazu ist das Haus Sonnenschein einfach zu klein.

Muslime möchten Verein und Kulturzentrum gründen

Frauen, so Anke Habelmann, könnten in der Grabenstraße 6a, der Begegnungsstätte für Frauen, beten. Von diesem Angebot habe bisher aber noch niemand Gebrauch gemacht. Die Luckenwalder Integrationsbeauftragte weiß, dass es Bestrebungen der hier lebenden Muslime gebe, einen Verein zu gründen, um ein Kulturzentrum zu betreiben, in dem nicht nur gebetet werden soll, sondern wo man auch Anschluss finden kann. Denn: „Wer hierher kommt, fühlt sich erst einmal fremd“, weiß Imam Sameh Elbehouti. In der Gemeinde finde er Anschluss und auch Hilfe. Das helfe bei der Integration und diene nicht der Abschottung, betont er.

Pfarrerin Mechthild Falk freute sich jedenfalls darüber, dass es jetzt wieder mehr Menschen in der Region gibt, die beten und Gott preisen. Und wenn der Evangelische Kindergarten in der Dahmer Straße aus seinem alten Domizil ausziehe, würde da ja Platz frei werden, stellte sie mal eben so in den Raum.

Von Hartmut F. Reck

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