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Freiwillig harter Entzug

Märkisches Kinderdorf Ludwigsfelde Freiwillig harter Entzug

Hannes (Name geändert) hatte sich für den harten Entzug von Drogen entscheiden. Da war er 15. Zwei Monate lebte er im Märkischen Kinderdorf von Ludwigsfelde. Seine Eltern hatten sich nicht mehr zu helfen gewusst. Rat fanden sie beim Jugendamt und den Kinderdorf-Erziehern. Gemeinsam stellten sie Hannes vor die Wahl: Entzug in der Klinik oder die harte Tour im Kinderheim.

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Kinderdorf-Geschäftsführerin Iris Wassermann

Quelle: Abromeit

Ludwigsfelde. Iris Wassermann hält einen Brief in den Händen, wie ihn die Leiterin des Märkischen Kinderdorfs Ludwigsfelde nicht alle Tage bekommt: Nach nur zwei Monaten in Gruppe 5 ist Hannes (Name geändert) wieder zu Hause. Und schreibt für einen Jugendlichen auf dem Weg zum Mann ungewöhnlich ehrlich, ungewöhnlich reflektiert und ungewöhnlich gefühlvoll.

Früher auf der Privatschule

Hannes und seine Eltern wohnen in Ludwigsfelde. Der Junge ging in Potsdam auf eine Privatschule. Er ist das einzige Kind seiner Eltern, in der Familie geht es offen und herzlich zu. Bis Hannes drogenabhängig geworden war. Als er anfing in der Schule zu fehlen, waren seine Eltern unruhig geworden. Sie suchten damals Hilfe beim Jugendamt Teltow-Fläming. Gemeinsam mit Erziehern im Märkischen Kinderdorf berieten sie verschiedene Szenarien, wie dem 15 Jahre alten Hannes geholfen werden kann: Entzug in der Klinik, oder der Junge versucht in einer Gruppe im Kinderdorf auf die harte Tour, von den Drogen wegzukommen  – harter Entzug. Hannes hatte die Wahl, die Erwachsenen bezogen ihn ein, sonst hätte keiner der Wege Erfolg versprochen. Hannes wählte letzteren Weg.

Hannes wurde aggressiv

Wie er so absackte, weiß er nicht mehr genau. Seine Clique in Potsdam hatte ihn im Griff. Gegen seinen Willen immer fester. Als er drei Tage in der Schule fehlte und seine Eltern schon fast die Polizei alarmiert hatten, beichtete er. Heute sagt er: „Ich war ein anderer Mensch. Ich wurde aggressiv und fing an, gewalttätig zu werden. Und es bestand die Gefahr, dass ich kriminell werde, um mir den Stoff zu besorgen.“ An den Tag, als ihn seine Mutter in Potsdam von der Schule abholte und mit ihm nach Ludwigsfelde fuhr, erinnert er sich genau. „Wir fuhren nicht den Weg nach Hause. Sie hielt vor dem Kinderdorf.“ Für zwei Monate war dort sein Zuhause, in Gruppe 5 mit den Erzieherinnen Julia Kaser und Marina Manzke. „Ich hatte einen ganz normalen Alltag, zwar ohne die Eltern jeden Tag, was auch ihnen nicht leicht gefallen ist. Aber ich hatte eben auch ganz anderen Umgang.“ Dann kam der Rest des Schuljahrs. „Dieser eine Monat wieder allein war der schwerste vom Entzug“, sagt der heute 17-Jährige im Rückblick. Inzwischen steht er in einer Lehre zum Einzelhandelskaufmann und sagt: „Ich will Soldat werden.“ Lachend ergänzt er: „Da stehe ich dann praktisch unter staatlicher Aufsicht, da kann und will ich mir sowas nicht wieder antun.“

Ein Brief ist etwas besonderes

Kinderdorf-Chefin Iris Wassermann sagt: „Ein Dankeschön in Form eines Briefes, einer Mail oder mit einem Bild bekommen wir öfters. Aber so etwas....“ Sie ist beeindruckt. Auch davon, dass Hannes Gefühle und Motivationen beschreibt. „Und dass er an die anderen appelliert.“ Zum einen auf sich aufzupassen, zum anderen angebotene Hilfe anzunehmen. „Das ist ungewöhnlich, vor allem in diesem Alter“, sagt die Pädagogin.

Der Brief an die Mitbewohner und Erzieherinnen beginnt mit dem Satz: „Ich war zwar nur zwei Monate hier, aber es waren die lehrreichsten meines Lebens.“ Etwas weiter: „Ihr alle habt dazu beigetragen, dass ich ein komplett neuer Mensch geworden bin.“ Und Hannes bittet seine Ex-Mitbewohner, nicht denselben Fehler zu machen wie er. „Stürzt nicht ab um zu merken, dass ihr den falschen Pfad geht.“ Und er schrieb: Vor allem, bei euch konnte ich wieder fröhlich sein.“

Von Jutta Abromeit

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