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Frischer Wind in der Kirche

Steffen Karas ist seit 100 Tagen katholischer Pfarrer in Blankenfelde Frischer Wind in der Kirche

Vom Krisengebiet zur Großbaustelle: Anfang November übernahm Steffen Karas die katholische St.-Nikolaus-Gemeinde in Blankenfelde. Zuvor war er Militärseelsorger am Fliegerhorst in Holzdorf und mehrfach mit der Bundeswehr in Kriegsgebieten unterwegs. In Blankenfelde sind vor allem seine Fähigkeiten als Bauleiter gefragt.

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Seit November ist Steffen Karas katholischer Pfarrer in Blankenfelde.

Quelle: Christian Zielke

Blankenfelde. Der frische Wind riecht nach Farbe und Tapete. Er klingt nach Hämmern und Sägen. In den ersten 100 Tagen als Pfarrer der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde in Blankenfelde war Steffen Karas vor allem als Bauleiter gefragt.

Als der 43-Jährige am 1. November die Pfarrstelle übernahm, war das Gemeindehaus eine Großbaustelle. Mittlerweile sind die neuen Schallschutzfenster und Lüfter eingebaut, die Wände sind frisch gestrichen und Steffen Karas kann zum ersten Mal ans Ankommen denken. „Irgendwie passt es ja“, sagt er, „das Leben ist ja auch eine Baustelle.“ Sein neues Leben in Blankenfelde ist ein anderes als zuvor. Da war er Militärpfarrer bei der Bundeswehr am Fliegerhorst in Holzdorf im Süden von Brandenburg. In den acht Jahren hat er immer wieder das Evangelium im Ausland verkündet. Er war in Mali, Somalia und Afghanistan.

Die Zeit in den Krisengebieten, wo deutsche Truppen nicht nur mit Spaten sondern auch mit dem Gewehr im Einsatz sind, haben ihn verändert. „Wenn man in Krisengebieten war, merkt man, wie wichtig es ist, den Frieden zu sichern“, sagt er. Krieg und Frieden – das sind Worte, die er oft verwendet. Als er erwachsen wurde, war der Kalte Krieg vorbei. „Für mich war das eine riesige Befreiung. Ich dachte, das wäre das Ende der Geschichte und jetzt beginnt eine Zeit des ewigen Friedens“, erinnert er sich. Eine Illusion, die sich bald als trügerisch herausstellte, als die Völker auf dem Balkan mit Waffen aufeinander losgingen und Bundeswehrtruppen in Afrika zum ersten Mal den Atem des Krieges spürten. Wenn Steffen Karas von dieser Zeit spricht, die er als Theologiestudent erlebte, klingt er nicht wie ein Schönwetterpazifist. Frieden falle nun einmal nicht vom Himmel, Frieden müsse man notfalls verteidigen. Die Weimarer Republik, für deren Geschichte er sich schon als Jugendlicher interessiert habe, sei ihm ein mahnendes Beispiel.

Was Krieg bedeutet, hat er erlebt, als er die Truppe vor der libyschen Küste und in Afghanistan begleitet hat. Er kennt die Ängste der Soldaten, die um ihr Leben fürchten, während die Familie in der Heimat wartet. „Man muss ansprechbar sein“, sagt er. Manchmal reichen ein paar Worte, manchmal ist ein langes Gespräch über Gott und die Welt nötig. Seelsorge bedeutet eben, dass man sich um die Seele der Menschen sorgt. Glaube bedeutet für ihn die Verantwortung für die Welt und der Respekt gegenüber Gott und den Menschen. „Nächstenliebe setzt voraus, dass ich mich selbst respektiere“, sagt Steffen Karas. Er sehe sich als Anhänger der christlichen Soziallehre, die unter Papst Franziskus wieder stärker in den Blick geraten sei.

Die Blankenfelder Gemeinde ist seine erste Zivilgemeinde. „Ich lerne jeden Tag dazu“, sagt er. Er müsse herausfinden, wie die Gemeinde tickt und wie man die bleiverglasten Kirchenfenster so umbaut, dass sie den Schall der Flugzeuge abschirmen.

Von Christian Zielke

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