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Für Drohnenpiloten gelten strenge Richtlinien

Ludwigsfelder nutzt zwei Kamera-Multicopter Für Drohnenpiloten gelten strenge Richtlinien

In Deutschland verdienen immer mehr Menschen mit Drohnen ihren Lebensunterhalt. Ein Blick nach Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) zeigt, dass Piloten für ihr Gewerbe ordentlich Zeit und Geld investieren müssen. Fotograf Harald Friedrich erklärt, welche Vorschriften er beachten muss und warum ihn die rechtliche Unsicherheit in Deutschland umtreibt.

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Der Ludwigsfelder Fotograf und Geschäftsinhaber Harald Friedrich mit einem seiner beiden „fliegenden Augen“. Für deren Einsatz haben er und sein Sohn und Geschäftspartner Manuel strenge Auflagen zu erfüllen.

Quelle: Jutta Abromeit

Ludwigsfelde. Bilder aus Perspektiven zu machen, die sonst nur Vögel kennen, Menschen jedoch selbst mit Leitern nicht gelingen  – einfach verlockend. Kamera-Drohnen sind bei Technik- und Fotobegeisterten gefragt wie nie. Der Ludwigsfelder Fotograf Harald Friedrich und sein Sohn Manuel setzen seit 2012 zwei Kamera-Drohnen gewerblich ein. Sie nennen die Geräte ihre „fliegenden Augen“ – und haben mittlerweile eine gewisse Skepsis gegenüber den Geräten entwickelt. Um sie fürs Geschäft nutzen und die Lizenz behalten zu können, müssen sie strenge Auflagen erfüllen.

Zulassung der brandenburgischen Luftfahrtbehörde

Inzwischen kommen Ängste hinzu. Friedrich senior gesteht heute: „Meine anfängliche Technik-Begeisterung für diese Geräte ist angesichts der rechtlichen Ungewissheit in Deutschland massiven Bedenken gewichen.“ Ein Jahr hatten Vater und Sohn damals an ihrem Konzept gesessen. Vor allem war es darum gegangen, den Anbieter zu finden, dessen Geräte auch wirklich die Zulassung der brandenburgischen Luftfahrtbehörde bekommen. „Es nützt ja nichts, ein tolles Gerät zu haben, das dann rumsteht“, sagt Harald Friedrich. Privat dürfte er fast jede fliegende Kamera haben, gewerblich geht das nicht. Equipment mit Fluggerät und Steuermodul kostete die Friedrichs so viel wie ein mittlerer Kleinwagen.

Um solch eine fliegende Kamera bedienen zu können und das Flugzeugnis dafür zu bekommen, mussten beide Männer die vom Hersteller ausgerichtete Schulung absolvieren. Außerdem mussten zwei aufwendige Versicherungen abgeschlossen werden. Friedrich sagt: „Diese Geräte können bis fünf Kilogramm schwer sein und bis zu 70 km/h schnell sein. Wenn die abstürzen, weil bei einem Sonnensturm das GPS abreißt oder weil ein Motor ausfällt, können sie einen Menschen verletzen oder töten.“ In solch einem Fall stünden Schäden in Millionenhöhe zur Debatte, sagt der Fotograf. Erst mit all diesen Papieren gibt es für Gewerbetreibende die behördliche Zulassung  – für vorerst zwei Jahre.

Lizenzverlängerungen werden zum Hürdenlauf

Um die Lizenz danach verlängert zu bekommen, dürfe in der Zwischenzeit nichts Auffälliges passiert sein, erklärt Harald Friedrich. „Und wir müssen eidesstattlich erklären, dass alle bisherigen technischen Zustände an dem Gerät nicht verändert wurden.“ Um mit seiner Neuanschaffung von Behördenseite keine Überraschungen zu erleben, habe er nach der Erstanmeldung Polizei und Ordnungsamt in der Stadt vom Besitz der Geräte informiert.

Für ihn und andere Kollegen, die solche fliegenden Kameras einsetzen, gehe Sicherheit unbedingt vor Auftragserfüllung. „Wenn wir beim Kunden vor Ort dann feststellen, dass Mängel bestehen, ob technisch oder privatrechtlich, dann machen wir das nicht.“ Harald Friedrich sieht die aus dem militärischen Bereich stammende Technik trotz ihrer zivilen Nutzung inzwischen als Waffe: „Solch ein Gerät, ob groß oder klein, ist eine Gefahr. Einfach weil es aus den unterschiedlichsten Gründen vom Himmel fallen kann.“

Werbung gaukelt vor, dass jeder fliegen darf

Für Privatleute sehe die Situation anders aus. Friedrich verunsichert es, dass die Werbung vorgaukele, jeder könne solch ein Gerät fliegen, selbst Kinder. „Es ist wirklich anstrengend, sich aufs Steuern und die Sicherheit zu konzentrieren und dann mit der Kamera auch noch gute Bilder zu machen“, erzählt Friedrich. Zehn Minuten fliegen, zehn Minuten Pause, anders gehe das kaum. Spannend sei das unbedingt, sagt der leidenschaftliche Fotograf. Wäre er jünger, würde er eine ganze Flotte fliegender Augen für unterschiedlichste Gelegenheiten aufbauen.

Derzeit jedoch treibt ihn die rechtliche Unsicherheit in Deutschland um. Andere Länder seien mit Bestimmungen über Mindesthöhen über fotografierten Objekten und Zustimmungen abgelichteter Personen viel weiter. „Ich befürchte , dass bei uns erst wieder was passieren muss, ehe sich daran was ändert“, sagt Harald Friedrich. Er versteht nicht, dass man für Fahrzeuge, Sportflugzeuge oder Waffen in Deutschland eine Zulassung braucht, für Drohnen aber nicht. „Weil das in Deutschland bisher so locker gehandhabt wird, drückt die Industrie zurzeit so viel Produkte auf den Markt wie es geht und so lange es geht“, sagt er.

Die Gesetze fehlen sowohl privaten Nutzern fliegender Kameras als auch Unbeteiligten.

Hintergrund

400 000 Drohnen wurden bisher in Deutschland verkauft. In der Regel ist die private Nutzung genehmigungsfrei möglich.


Zu beachten ist jedoch, dass der Betrieb von unbemannten Luftfahrtgeräten außerhalb der Sichtweite des Piloten grundsätzlich verboten ist. Hilfsmittel wie Ferngläser zählen dabei nicht. Weitere Einschränkungen gelten für Drohnen, die Sensoren, also Film-, Fotoausrüstung und ähnliches, tragen.

Drohnen dürfen grundsätzlich nicht über bestimmten Gebieten fliegen. Dazu zählen etwa Krankenhäuser, Katastrophengebiete, Einsatzorte der Polizei, Gefängnisse, Kraftwerke, Menschenansammlungen, Naturschutzgebiete oder Militäranlagen.

Ein Flug mit einer Drohne ist in einer 1,5 Kilometer breiten Schutzzone um den Zaun der 16 internationalen Flughäfen in Deutschland grundsätzlich verboten. Dazu zählt auch der Flughafen Schönefeld. Außerhalb dieses Abstandes benötigt jedes Luftfahrzeug, das in die Kontrollzone einfliegt, eine Freigabe der Flugsicherung.


Für Fluggeräte mit einem Gewicht unter fünf Kilo ist eine maximale Flughöhe von 30 Metern erlaubt, für Quadrokopter, die weniger als 25 Kilogramm wiegen, sind 50 Meter Höhe erlaubt. Für diese Grenzen hat die Flugsicherung pauschal eine Freigabe innerhalb der Kontrollzone erteilt. Wird ein solches Fluggerät nicht als Hobby betrieben, bedarf es einer Aufstiegserlaubnis. Dies gilt vor allem für gewerbliche Aktivitäten wie Luftbildfotografie.

Wer eine Drohne besitzt, muss über eine spezielle Haftpflichtversicherung verfügen. Für unbemannte Flugobjekte besteht in Deutschland seit 2005 eine Versicherungspflicht. Nur wenn sie als Spielzeug gilt, springt die private Haftpflicht ein. Allerdings gibt es eine rechtliche Grauzone: Ab wann ein Flugobjekt als Spielzeug gilt, ist seitens des Gesetzgebers nicht exakt definiert. Viele eingesetzte Drohnen dürften nicht mehr als Spielzeug gelten. Ihre Betreiber müssen in diesem Fall eine eigene Versicherung dafür abschließen.

Der in Ludwigsfelde lebende Anwalt Markus Zimmermann von der Kanzlei Burazi und Riedel sagt, in seiner Kanzlei gebe es noch keinen Spezialisten für das Fachgebiet, doch die Fragen würden unweigerlich kommen – und wenn es zwischen Grundstücksnachbarn sei, meint Zimmermann. „Es ist ja schon verboten, ohne Erlaubnis mit stationären oder mobilen Kameras auf Nachbargrundstücken zu fotografieren oder zu filmen.“ Dagegen könnten zu Unrecht Gefilmte Unterlassungsansprüche geltend machen, sagt er. Das würde sich erst ab einer bestimmten Höhe ändern. „Nämlich dann, wenn der öffentliche Luftraum anfängt. Aber das Recht am eigenen Bild bleibt ja trotzdem bestehen“, erklärt der Anwalt.

Juristische Spielregeln für private Drohnenflüge seien nötig, sagt Zimmermann. Auch er versteht nicht, warum Werbung suggerieren dürfe, schon Kinder könnten solche Geräte fliegen. Es gebe Fragen, die geklärt werden müssten. Dazu gehören: Ab wann ist eine Drohne kein Spielzeug mehr? Was dürfen die Kameras von Drohnen? Fallen Drohnen unter motorgetriebene Geräte? „Wenn ja, dann greift unter Umständen die private Haftpflichtversicherung nicht mehr“, sagt der Jurist.

Von Jutta Abromeit

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