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Für Ichthys auf dem Jakobsweg

Mahlow Für Ichthys auf dem Jakobsweg

300 Kilometer zu Fuß, zahlreiche Blasen an den Füßen und mehr als 7000 Euro für suchtkranke Menschen – Frank Rudersdorf aus Mahlow ist für den guten Zweck auf dem Jakobsweg gepilgert. Er kommt nicht nur mit viel Geld für das Sozialwerk Ichthys zurück, sondern auch mit vielen Eindrücken und Erkenntnissen.

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Frank Rudersdorf und Kathrin Mohn auf dem Pilgerweg.

Quelle: Privat

Mahlow. Die Blasen an den Füßen sind verheilt, die ersten Eindrücke verarbeitet. Seit einigen Tagen ist Frank Rudersdorf aus Spanien zurück, doch der Jakobsweg geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. „Atemberaubend“, „wunderschön“, „unglaubliche Erfahrung“ – das sind die Attribute, die der 46 Jahre alte Mahlower benutzt, wenn er über den Pilgerweg spricht.

Pigern für den guten Zweck

Zwölf Tage, vom 26. Juni bis zum 7. Juli ist er mit seiner Begleiterin Kathrin Mohn die mehr als 300 Kilometer lange Route von Léon bis Santiago des Compostela gelaufen. Sie waren nicht nur in privater, sondern in wohltätiger Mission unterwegs. „Pilgern für den guten Zweck“ lautete das Motto der Reise. Unterstützt von Spendern und Sponsoren wollten Frank Rudersdorf und Kathrin Mohn Geld für die Suchthilfeeinrichtung Ichthys in Mahlow „erlaufen“. Dort ist Frank Rudersdorf als Musiktherapeut tätig. Das Geld – mehr als 7000 Euro kamen zusammen – soll in den Bau eines neuen Aufenthaltsraumes für die Ichthys-Bewohner fließen. „Es ist mehr geworden, als wir gedacht haben“, sagt Frank Rudersdorf.

Über 7000 Euro übergaben Frank Rudersdorf und Kathrin Mohn an Ichtys-Leiterin Katrin Nowak-Dennewill

Über 7000 Euro übergaben Frank Rudersdorf und Kathrin Mohn an Ichtys-Leiterin Katrin Nowak-Dennewill

Quelle: Tobias Mohn

„Ich bin total runtergefahren“

Und so führt der Jakobsweg nicht nur zu Veränderungen an dem Gebäude in Mahlow sondern auch in der Gedanken- und Gefühlswelt von Frank Rudersdorf. „Nach drei Tagen haben wir vergessen, welcher Wochentag ist“, sagt er. Vor lauter Konzentration auf den Weg und den vielen Eindrücken am Wegesrand verlieren Dinge wie Zeit an Bedeutung. Er und seine Begleiterin sind oft stundenlang gelaufen, ohne ein Wort zu sprechen. Mal ging es durch flache, fast steppenartige Gebiete, mal befanden sie sich über den Wolken. „Ich bin total runtergefahren“, sagt Rudersdorf.

Am berühmten Cruz de Ferro

Am berühmten Cruz de Ferro

Quelle: privat

Wie ein unsichtbares Band sind alle Pilger miteinander verbunden. „Der Weg macht alle gleich“, sagt er. Auf dem Jakobsweg spielen Hautfarbe und Herkunft keine Rolle. „Alle haben das gleiche Ziel“, sagt er. Spätestens abends, wenn man in einer der vielen Herbergen einkehrt und gemeinsam mit Menschen aus aller Welt isst und über das Erlebte spricht, fühlt man sich wie auf einer Mission. „Am Anfang war mir die Ausstrahlung innerer Ruhe bei einigen Leuten fremd, aber nach ein paar Tagen habe ich es selbst gespürt, wie ich angekommen bin“, sagt Frank Rudersdorf.

Ein Stein für Ichtys

Ein Stein für Ichtys

Quelle: privat

Der Weg ist das Ziel, das alle Pilger vereint. Da werden auch die Wehwehchen, die das Laufen verursacht, bald zur Nebensache. Besonders schlimm waren die Bergetappen, die auch die besten Wanderschuhe an ihre Grenzen bringen. „Ab dem 20. Kilometer tat mir regelmäßig der mittlere Zeh weh“, erinnert sich Rudersdorf. Ans Aufgeben habe er nie gedacht, sondern jeden Tag im Schnitt 25 Kilometer abgespult. Fünf Kilo Gewicht hat er auf dem Weg verloren, dafür aber Tonnenweise Eindrücke gefunden.

Professionelle Pilger-Infrastruktur

Dazu gehört auch die professionelle Pilger-Infrastruktur der Spanier. Alles sei perfekt ausgeschildert, so dass man sich praktisch nicht verläuft. In jeden Dorf gibt es günstige Herbergen, die für wenige Euro pro Nacht ein Bett und spezielle Pilger-Menüs anbieten. Entlang des Weges bieten Bauern Obst und Gemüse und eine Bank zum Verweilen an. Alles mit Kasse des Vertrauen, Pilger sind schließlich ehrliche Menschen.

Nach zwölf Tagen in Santiago angekommen

Nach zwölf Tagen haben Frank Rudersdorf und Kathrin Mohn Santiago de Compostela erreicht, das Ziel der meisten Jakobsweg-Wanderer. In der Kathedrale nahmen sie an einer Messe teil. Besonders im Gedächtnis blieb ihnen das riesige Weihrauchfass. Es stammt aus einer Zeit, als die Pilger sich noch nicht unterwegs waschen konnten und dementsprechend viel Körpergeruch an sich hatten. Trotz aller Strapazen ist Frank Rudersdorf sicher: „Es war nicht das letzte Mal.“

Info:
www.pilgernfuerdengutenzweck.de

Von Christian Zielke

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