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Für Scirocco ist es noch lang’ nicht vorbei

Sperenberg Für Scirocco ist es noch lang’ nicht vorbei

Die Kultband Scirocco ist 1970 in Sperenberg entstanden, Frontmann Volker Thiele wohnt dort noch immer. Scirocco ist allerdings nur einer von vielen Namen, den die Band getragen hat. Im Laufe der 60er Jahre wurden die Vorgängergruppen immer wieder verboten und tauchten unter neuem Namen wieder auf.

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Volker Thiele (l.) und René Kricke von der Band Scirocco, die aus Sperenberg und Umgebung kommt.

Quelle: Gudrun Ott

Sperenberg. Scirocco ist ein gleichmäßiger heißer Wüstenwind, der aus der Sahara Richtung Mittelmeer weht und der in Extremfällen die Geschwindigkeit eines tropischen Wirbelsturms erreichen kann. „Also bis zu 300 km/h, da geht ganz schön was ab“, Volker Thiele lacht.

Band 1970 gegründet

Der Sperenberger hat die Rockband gleichen Namens 1970 gegründet. Als eine der ersten Rockbands traten sie ein Jahr später mit dem Titel „...sagen meine Tanten“ im DDR-Fernsehen auf. Danach entwickelte sich Scirocco ziemlich schnell zur Kultband. „Solang’ du am Leben bist“, „Irgendwo in dieser Stadt“, „Weiße Taube“ und „Mädchen am Morgen“ wurden zu Hits.

Vorgänger häufig verboten

Doch bevor es soweit war, mussten viele Steine aus dem Weg geräumt werden. Bereits in den 60er- Jahren traten die Musiker im „Waldkater“ in Rehagen auf. Sie gewannen die Herzen des Publikums, aber nicht die der staatlichen Kontrollorgane. Vier Mal wurde die Band wegen „antisozialistischer“ Musik verboten. „Wir mussten uns neue Namen ausdenken, um wieder anfangen zu können“, erzählt Thiele. Sie nannten sich „Crazies“ „The Cruises“, „Tornados“ und „Hoermens“. Als „Hoermens“ erhielten sie 1968 Auftrittsverbot auf Lebenszeit. „Aber als wir als Scirocco übers Fernsehen bekannt wurden, wendete sich das Blatt. Jetzt setzten sich staatliche Stellen plötzlich sogar für uns ein.“ Es folgte eine Vielzahl von Live- und Fernsehauftritten. 1981 führt die Musiker eine Tournee nach Tulcea in Rumänien. „Die Menschen dort haben mir sehr gefallen, sie waren sehr herzlich“, erinnert sich Thiele.

Nach der Wende entstanden Fußballhymnen

Nach der Wende komponierte er, der früher leidenschaftlicher Hobby-Fußballer war, Songs für verschiedene Fußballclubs. 2005 erschien die CD „Fußballhymnen aus dem Land Brandenburg“. Nach der Wende startete die Band auch wieder mit Live-Auftritten. Sie gaben Konzerte unter anderem mit Beat-Bands wie den „Lords“, „Smokie“ oder auch der schottischen Pop-Gruppe „Middle of the Road“. Das Album „Noch lang nicht vorbei“ mag sinnbildlich für Scirocco stehen, auch wenn der langjährige Frontmann den Staffelstab im vergangenen Monat an René Kricke übergab.

Derzeit auf Jubiläumstour

Der 55-Jährige aus Zossen kam zur Band, als 1989 der damalige Gitarrist über Ungarn in den Westen floh. Kricke, mit vollem Herzen dabei, verspricht, die Band werde auch nach Thiele nicht vom Rock n’ Roll abweichen: „Rock n’ Roll ist eine Lebenseinstellung.“ Der gelernte Elektronikfacharbeiter und Industriemeister hat in Berlin-Friedrichshain Musik studiert. Seit diesem Jahr ist Scirocco auf Jubiläumstour. In Wolgast gibt es eine große Hafenfete, am 26. November wird die Band im „Waldkater“ auftreten, da, wo alles begann. Krönender Abschluss der Tour ist das Silvesterkonzert im Hotel „Märkischer Landmann“ in Sperenberg.

Von Gudrun Ott

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