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GVZ-Chef kritisiert Straßentransporte

Großbeeren GVZ-Chef kritisiert Straßentransporte

Pendlerströme und Umweltverträglichkeit – wie bekommen das Wirtschaft, Kommunen und Verbraucher angesichts künftiger Verkehrsströme im südlichen Berliner Umland in den griff?

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Landtagsmitglied Michael Claus (Grüne) unter einem der beiden Portalkräne im Terminal Kombinierter Verkehr Schiene-Straße im GVZ. Dort ist viel Platz für mehr Züge.

Quelle: Fotos: Abromeit (2)

Großbeeren. Nicht auf fehlende Weichenstellungen von oben oder auf neue Gesetze warten, sondern beim Verkehr von morgen einfach vor der eigenen Haustür mit kleinen Änderungen anfangen; und insgesamt viel mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene bringen. Das war der Tenor eines Forums zur E-Mobilität am Dienstagabend in der Pendlerhochburg Großbeeren.

Das Ladestellen-Netz in Brandenburg, Wasserstoffzellen, Wasserstraßen, Car-Sharing, Straßenbau-Förderung und Deutschlands immer schlechter werdende Schienen-Anbindung – all das gehört zu den Problemen künftiger Verkehrsströme im südlichen Umland Berlins. Wie können Wirtschaft, Kommunen und Verbraucher diese Herausforderungen als Chance sehen und meistern? Solche Fragen stellte die Friedrich-Ebert-Stiftung, für Antworten hatte sie Praktiker aus der Region, Politiker und mit Manuela Heise eine Fachfrau aus dem Potsdamer Wirtschafts- und Energieministerium im Podium.

Das gut besuchte Forum „Elektromobilität“ der Friedrich-Ebert-Stiftung im Gemeindesaal der Pendlerhochburg Großbeeren

Das gut besuchte Forum „Elektromobilität“ der Friedrich-Ebert-Stiftung im Gemeindesaal der Pendlerhochburg Großbeeren.

Quelle: Jutta Abromeit

Zu den E-Mobilitätsschrittmachern in der Region gehört die Initiative des GVZ-Betereibers IPG. Geschäftsführer Rüdiger Hage sagte, im September beginne eine zweiwöchige Testphase für fahrerlose Kleinbusse vom Bahnhof Großbeeren über einen Wirtschaftsweg zum Lidl-Zentrallager. Funktioniere das, so Hage, sei vorstellbar, diese Kleinbusse im gesamten GVZ-Areal zu nutzen. Binnen kurzem arbeiteten dort 10 000 Menschen, sowohl aus der Region als auch aus Berlin. Und der Manager erklärt, dass jeder etwas für E-Mobilität tun könne; als Beispiel nennt er Lidl: „Dort stellt der Arbeitgeber Beschäftigten zwei Ladesäulen zur Verfügung.“ Und er verwies angesichts von Lkw-Schlangen auf Autobahnen auf freie Kapazitäten des Güter-Umschlagbahnhofs im GVZ. Hage kritisiert scharf die ungleichen Förderungsbedingungen von Schiene und Straße in Deutschland: „Die Dominanz der Straße kotzt mich an“.

Der Ludwigsfelder Bürgermeister Andreas Igel (SPD) informierte, dass im entstehenden Rousseau-Park im Stadtteil Ludwigsdorf 15 Car-Sharing-Parkplätze angelegt würden. So versuche man ein Umdenken anzustoßen, um Autos von der Straße zu bekommen. Insgesamt werden dort in den kommenden fünf Jahren rund 2000 Ein- und Zweifamilienhäuser fertig. Die Bewohner haben auf der einen Seite den Bahnhof Struveshof vor der Tür, auf der anderen Seite den Autobahn-Südring mit der Zufahrt Ludwigsfelde West. Viele Familienväter und -mütter, die wegen dieser günstigen Anbindung dorthin ziehen, arbeiten in Potsdam, Berlin oder Schönefeld.

Der Unternehmer Christian Bergner vertrat die Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg und setzte sich mit fünf Argumenten vo

Der Unternehmer Christian Bergner vertrat die Interessengemeinschaft Elektromobilität Berlin-Brandenburg und setzte sich mit fünf Argumenten von E-Mobilgegnern auseinander.

Quelle: Jutta Abromeit

Bundestagsmitglied Stephan Zierke (SPD) kommt aus der Uckermark. Dort fahren die Leute keine zwei Stunden Zug, wenn sie den Weg in einer halben Stunde mit dem Auto schafften, sagt er. Und erklärt: „Wir müssten neue Schienen bauen! Aber das wollen die Bürger nicht, wenn ihr Grund und Boden betroffen ist.“ Als Beispiel nennt er die Dresdener Bahn, deren Jahrzehnte dauernder Ausbau dem Widerstand der Bürger geschuldet ist. Elektroleitungen seien zwar gewollt: „Aber die Bürger wollen keine Kabel über Land und keine Erdkabel“. Doch Strom sei nun mal nicht über Luft zu leiten, so Zierke.

Mit fünf Argumenten, die E-Mobil-Skeptiker als apokalyptisch empfinden, setzte sich der Unternehmer Christian Bergner auseinander. Er sprach für die Interessengemeinschaft E-Mobilität Berlin-Brandenburg: Reichweiten-Angst  – die werde bei ausgebautem Ladestellen-Netz schwinden; Kosten  – dabei sei auch die geringere Wartung gegenüber Verbrennungsmotoren zu berücksichtigen; CO2- und Energie-Bilanz  – das seien Entwicklungsaufträge; und Arbeitsplätze  – die würden sich ändern. Für Bergner ist klar: die Infrastruktur entscheidet über Nutzung. Sein Credo: „E-Mobilität muss attraktiver werden!“ Das sei ein Prozess, der könne dauern, aber er müsse beginnen.

Von Jutta Abromeit

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