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Gaffer, Pöbler – und gute Kameraden

Alltag in der Freiwilligen Feuerwehr Gaffer, Pöbler – und gute Kameraden

Feuerwehrleute setzen sich gefährlichen Situationen aus, um das Leben anderer Menschen zu retten. Viele von ihnen opfern dafür auch ihre Freizeit, denn das Gros der Feuerwehrleute ist ehrenamtlich im Einsatz. Ein Feuerwehrmann aus Ludwigsfelde erzählt aus seinem Alltag.

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Steffen Selent (30) engagiert sich seit zehn Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ludwigsfelde.

Quelle: Anja Meyer

Ludwigsfelde. Steffen Selent hat seinen Traumberuf gefunden, auch wenn er dafür immer wieder Leben und Gesundheit riskiert – oft sogar in seiner Freizeit. Man müsse wirklich dafür gemacht sein, sagt der 30 Jahre alte Ludwigsfelder. Sonst ergebe das alles keinen Sinn. Selent engagiert sich seit zehn Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfelde. Seit zwei Jahren ist der gelernte Kfz-Mechaniker dort auch als Gerätewart angestellt. So verbringt er neben den 40 Wochenstunden im Hauptamt noch zusätzliche Zeit ehrenamtlich in der Feuerwehr.

Feuerwehrleute wie Steffen Selent eilen nicht nur im Brandfall zur Hilfe. Sie kümmern sich unter anderem auch darum, dass der Brandschutz in den Kommunen eingehalten wird, richten Hubschrauberlandeplätze ein, räumen vom Sturm umgerissene Bäume oder schneiden Verunglückte nach Verkehrsunfällen aus ihren Autos. In der Region gibt es 30 Feuerwehren und 310 Ortswehren, insgesamt sind 4710 Feuerwehrleute im aktiven Dienst, davon sind nur 49 hauptamtlich angestellt. Die meisten als Gerätewart wie Steffen Selent, der während der Woche auch den Brandschutz der Stadt kontrolliert und Fahrzeuge und Geräte wartet.

Wenn es piept, verlassen sie tagsüber ihren Arbeitsplatz, abends und am Wochenende ihre Familie und nachts ihr Bett. Außerdem verbringen sie einen großen Teil ihrer Freizeit mit Schulungen und Übungen – entweder hausintern oder in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt.

Steffen Selents letzter Einsatz liegt ein paar Tage zurück: Ein Dieselfahrzeug war ausgelaufen und hatte eine dicke Ölspur auf der Straße hinterlassen. „Solche Einsätze zählen zu den Kleinigkeiten“, erzählt Selent. „Das haben wir zu zweit innerhalb von 30 Minuten mit einem Neutralisierungsmittel abgebunden.“ Ansonsten habe er sich in den vergangenen Tagen vor allem um Brandschutzsicherungen in städtischen Gebäuden gekümmert.

Giftunfall war besonders schlimm

Größere Einsätze kämen zum Glück nicht so häufig vor. Wobei es da natürlich keinen Durchschnitt gebe. „Bei der Feuerwehr ist jeder Tag anders“, sagt Selent. „Genauso wie auch jeder Einsatz anders ist.“ Als besonders schlimm hat Selent den Großeinsatz nach einem Giftunfall mit einem Lkw am Dreieck Nuthetal im vergangenen Jahr in Erinnerung.

Als er als Gruppenführer am Unglücksort eintraf, war er noch von einem normalen Lkw-Brand ausgegangen. Nachdem sich herausstellte, dass giftige Flüssigkeiten austraten, wurden alle 300 Feuerwehrleute im Krankenhaus untersucht. „Da denkt man hinterher auch, dass das anders hätte ausgehen können.“ Während des Einsatzes mache er sich über Gefahren keine Gedanken. „Da funktioniert man nur.“ Gerade auf den Autobahnen sei es mitunter jedoch extrem gefährlich.

Der Stand und die Probleme der Wehren werden gerade in jüngster Zeit diskutiert. Da war zum einen der schwere Unfall im September auf der A2 zwischen Brandenburg und Netzen, bei der zwei ehrenamtliche Feuerwehrleute ihr Leben verloren, weil sie andere retten wollten. Und da sind die nicht abreißenden Meldungen von Gaffern, die Rettungsarbeiten blockieren. Oder von Autofahrern, die den Einsatz erschweren, weil sie keine Rettungsgassen bilden wollen oder können. Jüngst hat ein Mann in Berlin ein Feuerwehrauto demoliert, da die Feuerwehrleute seinen Wagen zugeparkt hatte, um ein Kleinkind in einer Kita wiederzubeleben.

Wenig Respekt und gaffende Autofahrer

Steffen Selent erzählt, dass er so viel Respektlosigkeit gegenüber Feuerwehrleuten wie in dem Fall des wiederbelebten Kleinkindes in zehn Dienstjahren noch nicht erlebt hat. „Ich glaube, da gibt es schon einen Unterschied zwischen Großstädten wie Berlin und Kleinstädten wie Ludwigsfelde.“ Gerade auf dem Land genieße die Feuerwehr mehr Ansehen als in der Stadt.

Probleme, die seine Arbeit behindern, kennt Selent trotzdem – vor allem das Phänomen des Gaffens. „Das haben die Leute zwar schon immer gemacht, aber es wird mit der neuen Technik immer schlimmer“, sagt er. Um Verunglückte davor zu schützen, dass Foto- und Videoaufnahmen von ihnen ins Internet gelangen, gehört es mittlerweile auch zur Aufgabe der Feuerwehren, einen Sichtschutz zu spannen. „Die Kräfte und Zeit könnten wir natürlich besser für die Rettungsmaßnahmen gebrauchen.“

Trotz aller Schwierigkeiten und Gefahren, die auf Feuerwehrleute zukommen können, geht Steffen Selent voll in seiner Aufgabe auf. Das war ihm schon früh klar. Als ein Bekannter ihn damals zu einem Probedienst überredete, merkte er gleich, wie wohl er sich fühlt. „Die viele Technik und die tolle Kameradschaft unter den Feuerwehrleuten haben mir sofort gefallen“, erinnert sich Selent. Also blieb er.

Das gehe vielen so. Dennoch leiden die Wehren häufig unter Personalmangel. Ein Problem sei auch, dass viele Mitglieder nicht am Wohnort arbeiten. „Auf die kann man bei Einsätzen unter der Woche natürlich selten zählen“, sagt Selent. Ein weiterer, erschwerender Faktor sei die viele Zeit, die Feuerwehrleute investieren. Zu den Einsätzen kommen jährliche, zehn bis vierzehntägige Fortbildungen in Eisenhüttenstadt sowie wöchentliche Schulungen.

„Dafür geht sehr viel Zeit drauf“, sagt Selent. „Die Familie muss voll und ganz dahinter stehen. Sonst kann man das gar nicht machen.“ Auch ihr sei angesichts der vielen Einsätze zu danken. Er selbst ist verheiratet und hat einen siebenjährigen Sohn. „Meine Frau hält mir den Rücken frei für die Feuerwehr“, sagt Selent.

Von Anja Meyer

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