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Gasthof Reuner mit Mut zum Risiko saniert

Das kulinarische Herz von Glashütte Gasthof Reuner mit Mut zum Risiko saniert

Christoph Schulze ist es zu verdanken, dass sich Peter Reuner dazu entschloss, den maroden Gasthof in Glashütte zu sanieren. Seit nunmehr 16 Jahren schlägt das kulinarische Herz des Museumsdorfes. Christian Reuner, der seit Jahresbeginn Chef des Gasthofes ist, setzt Schritt für Schritt ehrgeizige Erweiterungs- und Modernisierungspläne auf in die Tat um.

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Oberkellner Mario Lamm (l.) und sein Chef Christian Reuner arbeiten seit der Eröffnung im „Gasthof Reuner“.

Quelle: Frank Pechhold

Glashütte. „Wäre Christoph Schulze nicht gewesen, dann hätten wir uns wahrscheinlich nie auf dieses Wagnis eingelassen“, sagt Peter Reuner. Schulze, damals noch Vorsitzender des „Museumsvereins Glashütte“, ermutigte den Senior-Chef 1999 dazu, den maroden Gasthof zu sanieren. Auch Christian Reuner, der seit Beginn dieses Jahres als Geschäftsführer in die gastronomischen Fußstapfen seines Vaters getreten ist, packte auf der Baustelle kräftig mit an.

Bis 2000 war die fehlende Gastronomie ein Problem in Glashütte

„Eigentlich wollte mein Vater Christoph Schulze nur dabei unterstützen, jemand anderen zu finden, der den Gasthof saniert und betreibt“, sagt der 33-Jährige. Wenig vertrauenserweckend sah das um 1870 errichtete Gemäuer aus. Leerstand, Verfall und Brandschäden hätten jeden eher abgeschreckt. „Aber der alte Gasthof atmete förmlich die Geschichte des Glasmacherdorfes“, sagt Peter Reuner. „Die fehlende Gastronomie war bis Oktober 2000 immer ein großes Problem bei der Entwicklung des Museumsdorfes gewesen“, ergänzt Christoph Schulze. Besucher wollten nun mal nach ihrem Rundgang etwas essen und trinken.


Auch dieses marode Fachwerkaus wurde saniert

Auch dieses marode Fachwerkaus wurde saniert

Quelle: Privat

In den 1990er Jahren interessierte sich unter anderem die Schauspielerin Katharina Thalbach für den Gasthof. Aber am Ende zerschlugen sich alle Bestrebungen, dem historischen Haus neues Leben einzuhauchen. „Irgendwann habe ich dann Peter Reuner überredet, es selbst zu machen“, erzählt Schulze. Er malte Reuner die Zukunft des Gasthofes in den schillerndsten Farben aus, versprach ihm Hilfe, Unterstützung und wollte sich um Fördermittel kümmern. „Dieses Versprechen habe ich auch gehalten“, sagt Schulze. Aber auch der Museumsverein habe viel geleistet. „Meines Wissens wurde mindestens eine halbe Million Euro in das Objekt gesteckt, bevor wir es Reuners zur Endsanierung übergeben haben: eine entkernte Ruine mit fertigem Dach.“

Investition von 1,6 Millionen Euro

Zu diesem Zeitpunkt hatte Peter Reuner längst Feuer gefangen. Christoph Schulzes Vision vom lebendigen Museumsdorf faszinierte ihn. Und so fasste er sich ein Herz und investierte umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro in die Sanierung des Gasthofes. Baubeginn war Anfang 2000. „Die ganzen Abriss- und Aufräumarbeiten haben wir selbst erledigt“, blickt Christian Reuner zurück. Bauschutt und alte Balken wurden abgefahren, Material für die Neuaufbauten wurde rangeschafft, die alte Farbe von Fenstern und Türen abgeschliffen. „Beinahe hätte Vater das Handtuch geworfen“, sagt Christian Reuner. Kurz vor der Eröffnung schaute sich ein Prüfstatiker den Gasthof von unten bis oben an. Im Dachgeschoss befand er die Holzbalken für zu schwach und damit die von einem anderen Statiker berechnete Tragkraft als unzureichend. „Also musste Vater noch einen großen Kredit aufnehmen, um Stahlträger im ganzen Dachgeschoss einbauen zu lassen.“ Sonst wäre das Bauprojekt wie ein Haus mit morschen Balken eingestürzt. „Ohne Mut zum Risiko geht es nicht. Dafür bin ich Reuners dankbar. Sie sind eben Vollblutunternehmer“, so Christoph Schulze. „Als wir den Gasthof im Oktober 2000 eröffnet haben, gab es hier gerade mal einen Glasbläser“, erinnert sich Peter Reuner. Heute laden fast 30 Kunsthandwerker im „schönsten Glasmacherort Deutschlands“ zum Schauen und Kaufen ein. Viele Touristen kehren bei Reuners ein. Dort gibt es gemütliche Gaststuben, Gästezimmer, einen Biergarten. Hinzu kommen die mutmaßlich brandenburgweit älteste erhaltene Kegelbahn und das Trauzimmer der Stadt Baruth.

Die wahrscheinlich älteste Kegelbahn in Brandenburg

Die wahrscheinlich älteste Kegelbahn in Brandenburg.

Quelle: Pechhold

„Die Reuners sind Macher der ersten Stunde“ im Museumsdorf Baruther Glashütte“, sagt Museumsleiter Georg Goes. Für ihn ist der Gasthof am Hüttenweg 18 „ein kulinarischer und bauhistorischer Mittelpunkt des Denkmalortes“. Laut der Brandenburger Denkmalliste handelt es sich um einen zweigeschossigen, zur Straße traufständigen, massiven Putzbau mit Satteldach. Rechts befindet sich der Eingang zur Gaststube, links zum Treppenhaus. Erhalten geblieben sind die großzügig gewendelte Treppe mit Traljengeländer sowie viele bauzeitliche Innentüren. Unten gibt es einen Keller mit Kappenwölbungen, in der oberen Etage ein Kaminzimmer sowie einen Tanzsaal mit Bühne.

Trauzimmer im früheren Kaminzimmer

„Oben im Saal wurden früher viele Tanzveranstaltungen abgehalten. Und es gab auch Handarbeitskurse mit der Gräfin Solms-Baruth“, weiß Georg Goes. Von 1980 bis 1990 diente der Saal als Spulenwickelei des Funkwerks Dabendorf. Das Kaminzimmer wird auch Fürstenzimmer genannt. „Hier hat der jagende Fürst zu Solms-Baruth manches Mal Rast gemacht“, so Goes. Heute können sich Hochzeitspaare am Kamin vor einer großen Bücherwand trauen und dann ihre Gäste und sich im Gasthof verwöhnen lassen.

Der Keller mit Kappengewölbe

Der Keller mit Kappengewölbe.

Quelle: Pechhold

Dort ist manchmal die Woche über nicht viel los. Und am Wochenende fahren gleich mehrere Reisebusse um die Mittagszeit vor. Dann haben Oberkellner Mario Lamm, Küchenchef Daniel Kluke, Koch Wolfgang Seidel und die Saisonkräfte alle Hände voll zu tun, um die Gäste schnell mit Gerichten aus frisch zubereiteten saisonalen Produkten zu verwöhnen.

Gegenüber dem Gasthof liegt der dazugehörige, vor vier Jahren eröffnete Konsum. Bei Manfred Jentsch gehen Wurst und Schinken, die Daniel Kluke frisch geräuchert hat, und Natursauerteigbrote über die Theke.

Biergarten wird erweitert

Gasthof und Konsum laufen gut. Auf dieser Basis will Christian Reuner den Gasthof ausbauen. Unter seiner Regie wurde 2016 damit begonnen, den Biergarten für 500 000 bis 600 000 Euro auf dem Nachbargrundstück zu erweitern. Geplant sind eine Service-Station für Wohnmobile und eine Wasch- und Toilettenanlage. Weiter sind preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen. „Auf dem Hof soll man dann in einem Schlafwagen oder dem eigenen Zelt übernachten können“, sagt Christian Reuner. Dieses Angebot richte sich an Familien, „die nicht das Budget für ein Hotelzimmer haben“. Eigentlich wollten Peter und Christian Reuner einen großen Kredit über die ganze benötigte Summe aufnehmen, um die Um- und Ausbaupläne zügig in die Tat umsetzen zu können. „Aber finanzielle Mittel in dieser Höhe haben uns die Banken nicht bewilligt, obwohl wir gut wirtschaften und schwarze Zahlen schreiben“, bedauert Christian Reuner.

Neue Sanierungen Schritt für Schritt

Man entschloss sich dazu, das neue Sanierungsprojekt nicht sterben zu lassen, sondern Schritt für Schritt anzugehen. Zuerst wurden ein altes Waschhaus und zwei Ferienwohnungen in einem ehemaligen Glasbläserhaus saniert. Mit Augenmaß und „Liebe zum Detail“ möchte Christian Reuner weitere benachbarte Wohnungen umbauen lassen. Aber als Gasthofchef müsse er zuerst ans Geschäft und daran denken, „dass ich die Gehälter und alle Rechnungen bezahlen kann“, sagt er, „deswegen können wir die Wohnungen nicht so schnell sanieren, wie ich das gerne hätte.“

Von Frank Pechhold

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