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Gaststätte „Wasserpfeifchen“ wagt Neubeginn

Jüterbog Gaststätte „Wasserpfeifchen“ wagt Neubeginn

Drei Wochen ist es her, dass die Gaststätte „Wasserpfeifchen“ in Jüterbog bis auf die Grundmauern niedergebrannt ist. Doch mit viel Unterstützung von anderen Gastronomen kann das Team vorerst weiterkochen und will schon in wenigen Wochen an einem neuen Standort neu eröffnen.

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Köchin Roswitha Schröder, Inhaberin Christine Kaufmann und Küchenhilfe Kathrin Moldenhauer (v. l.) wollen in wenigen Wochen ein neues „Wasserpfeifchen“ eröffnen.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Drei Wochen, nachdem ihre berufliche Existenz vor ihren Augen verbrannt ist, haben die Damen vom Jüterboger „Wasserpfeifchen“ wieder ein Lächeln auf dem Gesicht. Es wird weiter gekocht, wenn auch erst einmal provisorisch. Hinter Geschäftsführerin Christine Kaufmann liegt mittlerweile eine kleine Odyssee durch die Küchen der Stadt.

Küche liefert 150 Portionen pro Tag

Ein paar Tage Pause gönnte Kaufmann ihren Mitarbeitern nach dem Brand und organisierte nebenbei, wie es weitergehen könnte. Das ging nur, weil die Hauptkunden, darunter das Altersheim Fläminghaus und eine Kita in Niedergörsdorf, für einige Tage andernorts ihr Essen bestellten und derzeit auf die Wahl zwischen zwei Gerichten verzichten. Dann quartierte sich das „Wasserpfeifchen“ für eine Woche in der Pizzeria „Angelo“ in Grüna ein. Dort ist nur freitags geöffnet und die Küche ansonsten ungenutzt. Der Inhaber half gerne, verlangte nur Betriebskosten. „Es ist hier aber sehr eng, um solche Massen zuzubereiten, wie wir es tun“, sagt Köchin Roswitha Schröder. Rund 150 Portionen werden täglich vom „Wasserpfeifchen“ ausgeliefert. Der nächste Umzug führte deshalb in eine größere Küche aus Jüterbog heraus.

Die Brandreste vom Getränkemarkt am Wasserturm und der Gaststätte „Wasserpfeifchen“ in den Fuchsbergen sind bereits abgeräumt

Die Brandreste vom Getränkemarkt am Wasserturm und der Gaststätte „Wasserpfeifchen“ in den Fuchsbergen sind bereits abgeräumt.

Quelle: Peter Degener

Seit einer Woche gastiert die „Pfeife“ im Eisenbahnhotel in Altes Lager, das seit Jahresbeginn geschlossen ist. Auch dort waren die Eigentümer sofort bereit, den in Not geratenen Kollegen zu helfen. „Das ist eine Bombenküche hier. Sie ist groß, ordentlich und sauber“, freut Schröder sich. „Jetzt ist die Stimmung gut, weil es weitergeht und auch die Älteren wieder versorgt werden“, sagt Kathrin Moldenhauer. Sie wurde mit einer weiteren Küchenhilfe erst zehn Tage vor dem Brand angestellt und fürchtete am Morgen des Brandes, gleich wieder arbeitslos zu werden.

Schreckliche Nachricht am Morgen

Der 11. Juli begann für Christine Kaufmann zwar mit einer schlechten Nachricht, doch die Folgen wurden ihr erst Stunden später deutlich. Sie wurde an diesem Morgen über den Brand an der Baracke in den Fuchsbergen informiert und machte sich auf den Weg. Vor Ort sah sie vor allem Qualm und keine Flammen. „Ich dachte, wir wischen drüber, dann ist es gut. Doch dann wurde von dem Bagger das Dach zum Löschen aufgemacht und schließlich stürzten die Wände ein“, erzählt sie. Von den Jüterbogern hat das Team vom „Wasserpfeifchen“ viel Mut zugesprochen bekommen. „Es war sehr rührend, die Leute haben geweint, uns in den Arm genommen und gesagt, dass wir weitermachen sollen“, erzählt Kaufmann. „Alle wollen, dass wir wieder an den Standort zurückkehren“, fügt sie hinzu.

Neues Domizil im ehemaligen „Braukrug“

Das wird vorerst allerdings nicht passieren. Stattdessen wird das Team schon bald in das Jüterboger Zentrum ziehen. Noch am Morgen des Brands bot die Stadt Kaufmann den leerstehenden „Braukrug“ in der Zinnaer Straße als Alternative an. „Wir haben uns das angeschaut und am nächsten Tag habe ich zugesagt“, sagt sie. Derzeit richtet die städtische Wohnungsbaugesellschaft die Sanitär- und Elektroanlagen her. In den nächsten Wochen wird eine neue Küche im „Braukrug“ eingerichtet.

Erneut ein Brand in Jüterbogs Norden

Der dritte Brand in drei Wochen musste am vergangenen Wochenende von der Feuerwehr im Norden von Jüterbog gelöscht werden.

Nachdem eine Schulbaracke der Scholl-Grundschule und das Gebäude von Getränkemarkt und Gaststätte „Wasserpfeifchen“ am 11. Juli durch zwei Brände zerstört wurden, ging es am Sonnabendmorgen glimpflich aus.

Die Feuerwehr wurde am Sonnabend um 2.42 Uhr alarmiert. Etwa 200 Meter nördlich der Schulbaracke war auf dem ehemaligen Firmengelände einer Spedition am Neuheimer Weg ein Feuer an zwei Holzstapeln ausgebrochen. Die angrenzenden Garagengebäude wurden dabei nur leicht beschädigt. Bis 5 Uhr morgens dauerte der Einsatz.

Die Polizei ermittelt in diesem Fall nicht nur wegen Brandstiftung, sondern sucht auch nach einem möglichen Zusammenhang der drei Brände. Die Spuren der drei kriminalpolizeilichen Untersuchungen würden miteinander abgeglichen, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

„Ich will ab September dort kochen und dann wieder zwei Essen für meine Kunden anbieten“, sagt Kaufmann. Der Name soll bleiben, aber wann es im neuen „Wasserpfeifchen“ auch wieder Essen für Laufkundschaft geben wird, ist noch ungewiss. Erst einmal muss der Gastraum entsprechend eingerichtet werden. „Im Herbst vielleicht. Ich will meine Truppe nicht verschleißen. Wir wollen erst mal zur Ruhe kommen“, sagt sie. Eine Sache wird es am neuen Standort ganz sicher nicht mehr geben – die offene Küche. „Das hat uns doch ausgemacht, dieser direkte Kontakt mit den Gästen“, sagt Köchin Roswitha Schröder über den alten Laden in den Fuchsbergen.

Getränkemarkt: Zukunft ungeklärt

Bei Hans-Jürgen Otto, dem Inhaber des ebenfalls in dieser Nacht zerstörten Getränkemarkts, sind dagegen noch viele Fragen offen. Die Ruine des abgebrannten Gebäudes ist zwar nur wenige Tage nach dem Feuer abgeräumt worden, doch seitdem herrscht bei Otto große Unsicherheit. „Ich weiß noch nicht, ob ich dort oben noch einmal neu anfange“, sagt er.

Von Peter Degener

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